Törn 08/2017/16 – Delfzijl – Hamburg

Nach einer langen Anreise über Amsterdam Schiphol oder Amsterdam Central und mit dem Zug via Utrecht, Groningen nach Delfzijl treffen nacheinander Fredi, Michi und der Skipper Paul im Hotel de Boegschroef am Hafen von Delfzijl ein. Am Samstagvormittag gegen 11:30 Uhr stossen Roli, Adrian und Debora, die mit dem Auto über Hamburg angereist sind, bei der Rolling Swiss II dazu. Damit ist die Crew für den Törn nach Hamburg komplett. Die Übergabe mit dem «Vorskipper» Johannes ist schnell erledigt. Ich kenne Johannes und bin sicher, dass er mir ein intaktes und gut gereinigtes Schiff übergibt.

An einem kurzen Briefing mit der Crew entscheiden wir aufgrund der Wetterlage erst am Sonntag auszulaufen. Die Crew erledigt unter Leitung des Smutje Michi den Grosseinkauf. Den Nachmittag benützen wir, um die Kabinen zu beziehen und Roli unser Skipper 2 und Bordelektriker setzt die ersten geplanten Umbau- und Reparaturarbeiten um.

Die Alternativroute via Ems-Jade-Kanal kommt infolge einer defekten Brücke nicht in Frage. Die weitere Alternative via Küstenkanal kommt wegen der Höhe der RS II von über 5 m, ohne gelegten Geräteträger, ebenso wenig in Frage. Wir entscheiden wir uns trotz der schlechten Wetterprognosen für die Route entlang der Ostfriesischen Inseln. Ein erster, von Adrian geplanter Schlag von 23 sm führt uns am Sonntag zur Insel Borkum. Wir entscheiden am nächsten Tag den 66 sm langen Schlag nach Harlesiel bei 5-6 Bft. zu wagen. Bereits bei der Ausfahrt aus der Ems in die Nordsee, muss die RS II gegen hohe Wellen, die auf den Bug auftreffen, «kämpfen». Wir vermuten, dass die spezielle Wellenlage durch die drei Faktoren Wind, Strömung und flaches Wasser entstanden sind. Drei unserer Crewmitglieder «schlagen die heftigen Bewegungen der RS II auf den Magen» und sie müssen sich in ihre Kojen zurückziehen. Nach dem Beidrehen auf einen NO Kurs im tieferen Wasser, wird das Stampfen durch Rollbewegungen abgelöst. Nach einer anspruchsvollen Fahrt durch das Wattenmeer, haben wir bei der Einfahrt nach Harlesiel aufgrund eines Fahrfehlers eine leichte Grundberührung. Wir entscheiden die RS II am nächsten Tag auf einer Slipanlage zur Kontrolle aus dem Wasser zu nehmen und wegen der schlechten Wetterprognose den nächsten Tag in Harlesiel abzuwettern. Der gemütliche Abend bei Elfi im Yachtclub von Harlesiel entschädigt uns für die Strapazen des Tages.

Die Kontrolle der RS II auf der Slipanlage ergibt, dass wir Glück gehabt und keine Schäden an den Propeller entstanden sind. Die Manövrierübungen mit der Crew im Binnenhafen von Harlesiel am nächsten Tag müssen wir infolge starker Winde abbrechen.

Wir entscheiden uns am Mittwochmorgen eine Sonderschleusung für 17 EUR zu «leisten» damit wir bereits um 07:00 Uhr mit 1 ½ Std. nach Hochwasser, anstatt um 08:00 Uhr mit 2 ½ Std. durch das Wattenmeer auslaufen zu können. Die 50 sm lange Überfahrt nach Cuxhaven findet bei beinahe schönem Wetter mit moderaten Wind- und Wellenverhältnissen statt. Wir benützen das gute Wetter und den zeitigen Start für ein Anker- und die MOB-Manöver vor Cuxhaven.

Am nächsten Tag laufen wir von Cuxhaven nach dem 46 sm entfernten Wedel vor Hamburg. Das Nachtessen nehmen wir nach längerem Spaziergang in der «Elbe 1» bei der, gemäss Roli, «schönen Bedienung» ein. Kurz vor 21:00 Uhr laufen wir wieder aus, um Hamburg mit seinen vielen «nautischen Lichtern» bei Nacht anzulaufen. Nach einer nächtlichen Hafenrundfahrt legen wir nach 19 sm um 23:00 Uhr im Cityhafen an der Elbphilharmonie an.

Den Versuch am Freitagvormittag die RS II in Hamburg aufzutanken misslingt, da die Sportboot-Tankstelle in Revision ist. Da die beiden Skipper eine weitere Woche auf der RS II bleiben, kann die Betankung aufgeschoben und der nächsten Crew übergeben werden.

Nach einem gemütlichen Nachtessen im Achterbahnrestaurant Schwerelos in Hamburg, geht ein spannender, nicht ganz einfacher aber für alle lehrreicher Törn zu Ende.

Paul Longoni


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