30. – 07. Mai 2016 – Kopenhagen – Göteborg

 

 

Mannschaft:

Skipper: Ludwig Nünlist, Skipper 2: Benito Torres, Crew: Andrey Burnashev, Markus Wild, Martin Pfister und Walter Stalder

Samstag, 30.04.2016

Wie geplant treffen wir uns um 0900h vor der Rolling Swiss II in der Wilders Plad Marina in Kopenhagen. Sofort starten wir mit der Schiffsübernahme und dem Bezug der Kojen.

Nun begrüsst uns Ludwig offiziell zu unserem Törn. Wir erhalten die ersten, wichtigen Informationen für den heutigen Tag. Ziel: Abfahrt um 1500h spätestens1600h, denn die Brückenöffnungzeiten sind vorgegeben, und Anlaufen des Hafens von Kyrkbacken auf Ven.

Dann Aufteilung Einkauf und Schiffsvorbereitung. Walter, Markus und Tresor-Meister Andrey gehen zum Einkauf los.  Martin, Ben und Ludwig bereiten das Schiff vor.

Nachdem die Einkaufstruppe zurückgekehrt und der Essensvorrat verstaut ist, startet Ben mit der Sicherheitseinweisung und die Erklärung der Eigenheiten auf dem Schiff.

Wir sind gut im Timing und so können wir uns auf das Ablegen um 1500h einstellen. Ludwig fährt das erste Ablegemanöver und wir warten wie vorgeschrieben vor der Klappbrücke. Rundum sind ein paar Schaulustige die uns zuwinken. Endlich öffnet sich die Brücke und wir fahren zum Hafen raus. Es geht weiter Richtung Meer und wir passieren die Königliche Oper von Kopenhagen, ein impossantes Monument.

Die Fahrt Richtung Ven ist relativ einfach, ausser dass die Instrumente irgendwie verstellt sind und wir diese Kalibrieren müssen. Dafür drücken wir uns durch die Einstell-Menus durch und ein paar spezielle Manöver müssen gefahren werden. Aber nun scheint es, dass es einigermassen stimmt.

Kurz vor 1800h treffen wir im Hafen von Kyrkbacken ein. Wir legen an der Hafenmole seitlich an. Unsere erste Fahrt ist super gelaufen und wir freuen uns aufs Nachtessen im Ort. Bis wir an Tisch können geniessen wir einen Ankertrunk und die köstlichen Lachsbrötchen unseres Smutje Martin.  Das Restaurant „Ella“ ist wirklich ein Geheimtipp!

 

Sonntag, 01.05.2016

 

Die heutige Etappe hatten wir am Vorabend zusammengestellt. Heute gehts von der Insel Ven durch das Verkehrstrennungsgebiet von Helsingor und Helsingborg mit Ziel Torekov.

Es ist 0900h und wir legen ab. Die Fahrt führt uns erstmals nach Helsingborg. Walter wird in der modernen Marina das Schiff anlegen. Doch beim Anlegemanöver gibts einen kleinen Zwischenfall. Die BB-Maschine reagiert nicht mehr! Schnell greift Ludwig ein, der alles unter Kontrolle hat und mit Walter das Schiff sicher anlegt.

Wir besuchen Helsingborg und nach rund 1 1/2 Std. legen wir wieder Richtung Norden ab. Wir hatten einen Tipp erhalten, uns Mölle anzusehen. Martin fährt diesen Hafen an und vollzieht ein kleines Hafenmanöver. Danach gehts wieder weiter und wir sind dann gegen 1600h im Hafen von Torekov angekommen.

Während einige das kleine Dörfchen besuchen, steht Martin am Herd und zaubert in der Kombüse rum. Heute wird für uns ein Schweinsfilet im Niedergarverfahren an Pilzrahmsauce mit Nudeln gekocht. Köstlich! Wir überlegen uns, Martin beim Gault-Millau anzumelden!

Nach Speis und Trank gehts ans Aufräumen und Abwaschen sowie an die Vorbereitung der nächsten Tagesetappe. Diese wird von Andrey und Martin vorbereitet. Dann sitzen wir noch ein wenig zusammen und fachsimpeln bevor wir uns dann in unsere Kajüten zurückziehen.

 

Montag, 02.05.2016

 

Es ist 0700h und alle sind ausgeschlafen beim Frühstück. Es herrscht wie üblich eine gute Stimmung. Nach dem Frühstück betanken wir noch das Schiff mit Frischwasser und befreien die Frontscheibe von der dicken Salzkruste.

Andrey erklärt uns seine Planung, wie wir heute nach Falkenberg gelangen. Walter ist jetzt am Steuer und legt gemäss seinen Anweisungen ab. Langsam fährt er uns zum Hafen raus und geht auf Kurs. Die See ist ruhig und Ludwig entscheidet, dass wir hier doch ein paar Manöver fahren könnten. Gesagt getan! Und weil die Kompass-Einstellung des Autopiloten uns immer noch nicht genau genug ist, fährt Ben nochmals eine Kalibierung durch. Jetzt scheint sie genau zu stimmen, mit +/- 1° Abweichung.

Wir fahren nun weiter nach Halmstad. Die See ist sehr sehr ruhig, nämlich spiegelglatt! In Halmstad angekommen üben wir die Hafenmanöver An- und Ablegen intensiv. Jeder ist dran und darf, kann, muss diese fahren. Wir merken, dass hier eine Strömung herrscht und deshalb erhält der Skipper 2 Ben eine kleine Herausforderung. Seitliches Anlegen am Steg mit Wind von Süden und Strömung von Norden, wobei die Strömung wesentlich stärker ist. Sämtliche Möglichkeiten werden ausprobiert und lernen, dass der Vorschlag von Markus, mit einem „Ferry Gliding“ Manöver an den Steg anzulegen, das Beste wäre.

Nach all den Manövern geht’s weiter nach Falkenberg. Auch diese Fahrt gestaltet sich ruhig, doch als wir im Hafen ankommen, scheint sich dieser für unser Boot nicht besonders zu eignen. Wir fahren noch ein wenig flussaufwärts. Andrey legt mit der Rolling Swiss II an einem Steg an, wo schon andere Motorboote festgemacht haben. So, hier bleiben wir zum Übernachten.

Nach dem wohlverdienten Ankertrunk gehen Andrey und Martin zum Hamnkontor für den üblichen Papierkram aber vorallem, um sich ein paar gute Tipps für Einkauf und Nachtessen zu holen. Wir müssen nun vom Hafen Richtung Stadtzentrum. Hier wurde uns das „Hermann’s“ empfohlen, das eine Mischung aus Pub und Restaurant ist. Gute Auswahl an Speisen, aber noch eine bessere an Biersorten! Das Essen ist gut jedoch bleiben wir nicht zu lange, denn morgen ist um 0300h Tagwache.

 

Dienstag, 03.05.2016

Heute Fahren wir bereits um 0400h los. Wir haben uns nicht nur diesen Nachtschlag vorgenommen, sondern auch eine über 60 sm lange Überfahrt auf die Insel Laesö. Somit können im Fahrtennachweis gleich zwei Punkte angekreuzt werden. Es ist dunkel, nass und kalt. Vor uns ein Lichterwirrwarr. Ben darf das Ablegemanöver fahren und mit Hilfe der Crew und den vorhandenen Richtfeuern sich aus dem Hafen manövrieren.

Kurz nach der Ausfahrt wird das Schiff der Wachmannschaft übergeben. Bei diesem Wetter und mit Wind querab, macht die Rolling Swiss II ihrem Namen alle Ehre. Der vom Navigator Martin am Vorabend berechnete Kurs ist bei diesem Wellengang fast unmöglich zu fahren. Die jungen Wellen bringen bei dreien von uns das Wohlbefinden durcheinander. Naja, niemand ist davor gefeit.

Die See ist schwieriger als bisher, trotzdem sind wir zeitlich gut voran gekommen. Plötzlich ruft unser Skipper: „Mann über Bord!“ Martin ist gerade am Steuer und darf das MOB-Manöver als erster fahren. Es scheint, dass die Instruktionen bei der Sicherheitseinweisung geblieben sind. Nun hat jeder die Chance, sein MOB zu fahren.

Es geht weiter, denn wir sind nur noch wenige Meilen von unserem Zielhafen Oesterby auf Laesö entfernt. Eine beliebte Ausflugsinsel zwischen Dänemark und Schweden. Die Hafeneinfahrt hat seine Tücken und im innern des Hafen sind praktisch alle Stege leer. Wir können uns den besten Anlegeplatz aussuchen.

Nach dieser Etappe verwöhnt uns am Abend Martin mit einem Indischen Lachs Curry. Wer braucht den schon ein Gourmet-Restaurant, wenn der Starkoch auf dem Schiff ist?

Nach dem Essen dürfen heute Walter und Martin den nächsten Tag vorbereiten. Es geht ab in die Schären vor Göteborg. Uns erwarten Engstellen, Untiefen und sonstige Überrasschungen. Eine minutiöse Planung ist gefragt.

Mittwoch, 04.05.2016

Es ist ein herrlicher Morgen bereits um 0600h. Strahlend blauer Himmel, aber kühl, sehr kühl. Nach dem Frühstück briefen uns Martin und Walter über die heutige Etappe und wie das Ablegemanöver von statten gehen soll. Wir legen heute mit Eindampfen in die Heckleine ab. Um 0800h ist es soweit, das Ablegen klappt hervorragend und wir verlassen Laesö.

Wir fahren nach Osten Richtung schwedisches Festland. Ein Schlag von ca. 25 sm. Wir befinden uns hier auf einer stark befahrenen Strecke der Berufsschiffahrt. Tatsächlich müssen wir einem 800 Fuss Tanker ausweichen, mit dem wir uns auf Kollissionskurs befunden hatten. Impossante Erscheinung solch ein Ungetüm!

Jetzt sind sie da, die schwedischen Schären. Wir fahren langsam an kleinen Inseln und Felsen vorbei. Im Visier unser Ankerplatz in einer dieser kleinen, schönen Buchten. Uns eröffnet sich ein Bild wie in einem Film: Kleine, farbige Häuschen auf den kargen Felsen. Die Bucht eignet sich ausgezeichnet um ein paar Ankermanöver zu fahren. Die ideale Gelegenheit für jeden, sich ans Steuer zu setzen.

Um die Mittagsruhe der Anwohner nicht zu stören, entscheiden wir uns ebenfalls für eine Pause und uns zu stärken. Der Anker hält ja bestens! Gegen 1400h machen wir aber weiter, damit alle mal das Ankern geübt haben und wir wollen mal, typisch für hier, mit einem Heckanker anlegen. Wir erhalten von Ludwig den einen und anderen wertvollen Tipp für das Ankern, was Walter sofort umsetzen will und die Distanzen, walter-typisch per Ipad-Navionics und Lasermessgerät nachmessen möchte. Walter ist total von Electronic-Gadgets angefressen!

Das Manöver hat bestens geklappt und der Anker sitzt fest. Und zwar so gut, dass wir uns entscheiden, gleich so zu übernachten. Nach dem gemeinsamen Nachtessen muss noch die zweitletzte Etappe geplant werden. Diesmal geht es rein durch die Schären und die Navigation wird sehr anspruchsvoll. Markus und Ben planen minutiös Waypoint für Waypoint um sicher ans nächste Ziel zu gelangen.

Müde gehen wir zu Bett und können morgen mal bis 0800h ausschlafen.

 

Donnerstag, 05.05.2016

Ein traumhaft sonniger Tag. Wir sitzen beim Frühstück und kommen auf das Thema Dingi-Fahren. Fast hätten wir dies vergessen und deshalb verschieben wir das Ablegen um eine Stunde auf 1100h. Wir lassen das Beiboot zu Wasser und drehen ein paar Runden in der Bucht. Es geht jedoch nicht nur ums Vergnügen sondern, die verschiedenen Anlegemanöver mit dem Dingi auszuprobieren.

Kurz vor 1100h wird das Gummiböötchen wieder verstaut und wir legen mit der Rolling Swiss II ab. Rein in die Schären!

Der erste Teil der Route verläuft noch relativ einfach doch schon kurz nach der Wachablösung, Walter und Andrey übernehmen, kommen wir vom berechneten Kurs ab. Plötzlich ruft Skipper 2 Ben: „Stopp! Wir haben uns verfahren! Navigator, bitte die Kurskorrektur angeben!“ Wir fahren zurück an den letzten, genau bestimmten Ort und fahren den ursprünglich vorgegebenen Kurs. Die Schären fordern uns tatsächlich heraus, doch da alle mitmachen meistern wir auch diese Herausforderung.

Am Nachmittag treffen wir im Hafen von Hinsholmskilen ein und legen an der Tankstelle an. Wir müssen Diesel bunkern und Andrey muss insgesamt 7 Mal den Tankvorgang wiederholen, da die Zapfsäule auf 1000 Kronen beschränk ist.

Trotz 1500 Plätze in diesem Sporthafen von Göteborg, gibt es keine Gästeplätze. Während des Tankens hatte sich Andrey mit einem Schweden unterhalten, der wohl gute Verbindungen zur benachbarten Werft hat, und für uns arrangiert, dass wir am Steg nebenan festmachen und übernachten können. Doch der vorgesehene Platz ist eng und nur knapp 1.5m länger als die Rolling Swiss II. Auch die Passage dorthin ist extrem eng und Ben manövriert das Schiff milimetergenau an den Steg, ohne dass irgendwelche Schäden entstehen und legt bravurös am Steg an.

Nach diesem nervenaufreibenden Manöver haben alle eine Pause verdient. Wir liegen auf dem Vorschiff und geniesen die herrlich wärmenden Sonnenstrahlen.

In der Zwischenzeit hat unser Smutje Martin seine Musaka im Ofen aufgewärmt und lädt uns zu Tisch ein. Schiff, Sonne, Musaka und Rotwein, ja wir sind in Schweden!

Während die Crew die Küche aufräumt bereiten die Skipper die letzte Fahrt vor. Es ist geplant, dass wir um 0030h den Hafen von Hinsholmskilen verlassen und bei Nacht in Göteborg einfahren. Es handelt sich hier um bloss eine rund 7 Seemeilen lange Strecke, die jedoch dank Schären und Dunkelheit sehr anspruchsvoll werden soll.

Nun legen sich die Meisten in die Koje, um ein kurzes Power-Napping zu vollziehen, den zu dieser späten Stunde ist richtiges Schlafen nicht mehr möglich.

 

Freitag, 06.05.2016

Es ist 0020h, als Ludwig die Motoren startet. Nach dem Briefing haben alle ihre Position bezogen und haben sich mit Stirnlampen und Suchscheinwerfer ausgerüstet.

Wir hatten uns am Vorabend in eine enge Stelle manövriert, zu der wir nun wieder hinaus musste. Mit viel Fingerspitzengefühl fährt Ludwig raus und weiter Richtung Hafenausfahrt, die nicht beleuchtet ist. Martin auf dem Vorschiff leuchtet mit dem Suchscheinwerfer die Umgebung ab, so dass wir uns einigermassen orientieren können. Ben assisstiert dabei mit der Karte und dem Plotter und weist den Steuermann, welchen Kurs er zu fahren hat.

Wir verlassen nun den Hafen und suchen den nächsten Waypoint. Die Lichter im Hintergrund sind, im Verhältnis zu den Leuchtzeichen, wesentlich stärker. Es gelingt uns, ins Richtfeuer zu gelangen und diesem zu folgen. Waypoint für Waypoint wird abgefahren und wir nähern uns dem Industriehafen von Göteborg. Von hier aus geht es weiter Richtung Zielhafen Lilla Bommen, mitten in der Stadt gelegen. Es ist 0145h als wir eintreffen und Ludwig das letzte Anlegemanöver fahrt.

Nachdem die Rolling Swiss II fest vertäut ist, gratulieren wir uns gegenseitig für den tollen, gelungenen und unfallfreien Törn. Die Müdigkeit macht sich nach dem feinen Whiskey bemerkbar und es ist Zeit, sich schlafen zu legen.

 

Gegen 0900h sind wir alle wieder auf und geniessen unser Frühstück. Es gibt frisches Brot und Gipfeli, die unser Smutje Martin besorgt hat.

Anschliessend geht es ans Aufräumen und Putzen. Wir teilen uns für Reinigung und Inventur auf. Der Skipper hat noch einiges an Papierkram zu erledigen. Es ist ein herrlicher Tag, mitten in der Stadt Göteborg. Bei dem Wetter macht das Putzen wesentlich mehr Spass.

Am späteren Nachmittag, nachdem alles erledigt ist, machen wir uns auf, Göteborg zu erkunden. Während des Stadtbummels halten wir Ausschau für ein Restaurant, um den krönenden Abschluss unseres Törns feiern zu können. Wir landen im „Sinclair’s Steakhouse“ wo uns die grössten Burgers und Steaks sowie die kühlsten Biere serviert werden.

Zurück auf dem Schiff gibts noch einen letzten Mitternachtstrunk bevor wir uns Schlafen legen und morgen die Heimreise antreten.

Wiedermal ein toller Törn. Vieles gesehen und erlebt. Es war eine tolle Truppe, wo alle mitgemacht und ihren Teil zum Gelingen beigesteuert haben.

 


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