14. – 28. Mai 2016 – Göteborg nach Norrköping

Eine kulinarische Seefahrt durch das Herz von Schweden
Wer den beliebten Göta-Kanal in der Vorsaison durchfährt, hat den grossen Vorteil dass es überall genügend Platz gibt: im Mai sind auf der rund 250 Seemeilen langen Wasserstrasse zwischen Nordsee und Ostsee erst wenige Schiffe unterwegs. Zu dieser Zeit sind aber noch viele Restaurants geschlossen, und es empfiehlt sich dass man am Start in Göteborg genügend Proviant für die eigene Verpflegung an Bord mitnimmt.
Die frankophone Crew mit Skipper Christian und seinem Schwager Alain bringt mit Regula und Florence gleich zwei ausgezeichnete Köchinnen mit Hochseeausweis mit. Da können die Anfänger Thomas und Lisa nur profitieren. Am ersten Abend in Göteborg stellen wir aber fest, dass die quirlige Metropole an der Westküste in Sachen Restaurants einiges zu bieten hat, und wir sind mit dem Nachtessen im Restaurant El Corazon mehr als zufrieden.
Der Hafen Lila Bommen liegt ganz zentral neben einem grossen Einkaufszentrum, wo wir alle unsere Wünsche erfüllen können, inklusive frische Krevetten und Fische aus dem Delikatessenladen. Beim Beladen des Schiffs macht sich ein Einkaufswagen mit 18 grossen PET-Flaschen selbständig und verschwindet samt Ladung ins Wasser. Wir entdecken ein neues Spiel „Flaschen bei ablandigem Wind fischen“, was unsere Nachbarn bei der Kanuvermietung ziemlich erheiternd finden. Mit Hilfe einer Rettungsstange bergen wir auch den abtrünnigen Einkaufswagen samt Schirm und Halstuch aus dem Hafen; nur die Räder sehen etwas verschlammt aus. Am Schluss fehlen zwei Flaschen am Appell.
Dank der Vorsaison können wir die Rolling Swiss II auf dem Weg zum Anfang des Göta-Kanals als luxuriösen See-Camper an exklusiven Lagen nutzen: im malerischen Kungälv an bestem Standort unter der historischen Burg; in Trollhättan mitten im Zentrum im allerdings noch geschlossenen Gästehafen Spikön, wo wir nur eine Menge brütende Gänse und andere Wasservögel antreffen. So müssen wir in Vänesborg halten um fast 600 Liter Wasser nachzutanken, die uns von der charmanten Hafenmeisterin grosszügig geschenkt werden.
Wir fahren weiter über den grossen See Vänern zum Gästesteg des Campings von Dalbergså, der in schönster Natur an einer Flussmündung der Westküste liegt. Eindrücklich enge Fahrrinnen durch die Schären führen uns zum Schloss Läkkö auf der Insel Kallandsö. Der kleine Gästehafen ist menschenleer, aber das moderne Restaurant neben dem Schloss serviert eine ausgezeichnete Küche mit örtlichen Zutaten, die uns alle begeistert. Es bleibt uns noch genug Zeit für eine geführte Tour durch das historische Schloss, bevor wir tags darauf nach Sjötorp aufbrechen, wo der eigentliche Göta-Kanal beginnt.
In den nächsten 5 Tagen heisst es die 58 Schleusen, 50 Brücken und 5 Seen im Konvoi nach strengem Fahrplan zu durchqueren, was uns ganz schön auf Trab hält. In Karlsborg führt uns ein misslungenes Auswärtsessen die wahren Werte der Selbstversorgung ab Bord wieder klar vor Augen. Daran halten wir uns bis zur Ankunft am Törn-Ziel in der Industriestadt Norrköping und damit sind wir wirklich sehr gut gefahren.
Das Capitains-Dinner im Butlers in Norrköping ist dann der gelungene Abschluss dieser Reise, die uns mit vielen sehr schönen Erinnerungen beglückt hat.
20.6.2016 / Thomas Rüttimann


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