02.05.-09.05.2015 London – Rotterdam: 268 Seemeilen auf Flüssen, Hochsee und Binnen

 

Skipper: Richard – Skipper II: Bruno – Crew: Jacques, Ben, Rolf und Claudia

Der ursprüngliche Plan lautete; Am Samstag den 2. Mai 15 das Schiff übernehmen, Kojen beziehen, einkaufen, das Safety-Briefing durchführen, Törn besprechen, Passage Plan erstellen, ev. Sightseeing am Samstagabend und aufgrund der Tidensituation am Sonntagmittag den Fluss- und Seeweg von London über den Ärmelkanal in Richtung Rotterdam unter den Kiel zu nehmen.

Das Schiff konnte planmässig übernommen werden. Die Crew war bereits um 10’00 Uhr vollzählig sodass der Skipper uns im Salon offiziell begrüssen konnte und schon nach wenigen Minuten auf die aktuelle Grosswetterlage zu sprechen kam. Auf dem IPad haben wir uns die animierte Isobaren-Karte angeschaut und gesehen, dass ausgerechnet am Dienstag eine Sturmfront von Westen im Anzug ist, genau am Tag welcher für die Überquerung des Kanals vorgesehen war.

Zum Glück ist die Crew nicht unerfahren so war allen schnell klar, dass es nun bereits der Samstag sein wird, an dem das Kommando „Leinen los“ kommen musste. Jeder war sich bewusst, dass die geplanten Tätigkeiten zügig durchgeführt werden müssen, damit wir in 4 Stunden ablegen können und somit einen Tag vor dem Sturm sicher über den Ärmelkanal kommen.

Gesagt – getan! Pünktlich um 14 Uhr war alles bereit und alle warteten wir mit Schwimmweste und Fotoapparat ausgerüstet auf dem Achterdeck und horchten dem Rauschen des Funkgerätes bis endlich die Freigabe zum schleusen kam. Die Reise konnte beginnen.

Die Hafenschleuse war schon unser erstes Highlight, fuhren wir doch unter Schweizer Flagge und unter den neugierigen Blicken einiger Zuschauer raus auf die Themse direkt vor die Tower Bridge. Wir machten noch ein paar Fotos bevor es nun endlich richtig losging.

Die gemütliche Themse zeigt uns aber schon bald, dass es hier auch ruppig zugehen kann. Schon nach ein paar Stunden bläst uns ein kalter Wind voll auf die Nase. Der Effekt von Strömung und Wind bescherte uns Wellen die locker über 1 Meter hoch waren und uns schon mal auf die nächsten Tage einstimmte. Es wurde langsam Nacht als wir dann in Queenborough bei Regen an unserer Boje festmachten.

Unser Crewmitglied Ben wusste genau, was es an einem solchen langen, kalten und regnerischen Tag auf dem Schiff braucht, um alle bei Laune zu halten – er verwöhnte uns mit seinen Kochkünsten. Das Schiff duftete nach Spaghetti Bolognese und alle waren wir zufrieden mit unserem ersten Tag auf See.

Der Sonntag startete regnerisch und trübe, wir kannten aber den Wetterbericht und wussten, dass es besser wird. Alle Vorbereitungen waren erledigt, als wir um 9 Uhr von der Boje abgelegt haben. Die kurze Nacht, das monotone brummen der Motoren sowie auch das trübe Wetter zeigten ihre Wirkungen. Doch plötzlich weckte uns der Skipper mit einem lauten „MANN ÜBER BOOOORD“! Die Crew konnte von ihren Erfahrungen und auch von Sicherheitseinweisung profitieren. Alle Beteiligten haben richtig reagiert und die über Bord geworfenen Fender waren schnell geborgen.

Auf der Fahrt nach Ramsgate wurde die Rolling Swiss ihrem Namen gerecht und „rollte“ fast 5 endlose Stunden über die See unserem Ziel entgegen wo wir dann am Abend bei indischer Musik die Speisekarten des Restaurants zu verstehen versuchten. Hier konnten uns Claudia und Rolf wertvolle Tipps geben, aber dennoch wurde dieses Abendessen als kulinarische Überraschung verbucht.

Der Ärmelkanal erwartete uns am Montag. Das Wetter war gemäss den Prognosen gut und nach der gemeinsamen Besprechung des Ablegemanövers ging es los. Es waren weniger grosse Schiffe unterwegs als gedacht, trotzdem mussten wir schon bald ein Ausweichmanöver fahren und dann erreichten wir auch schon unsere 100 sm! Bei 51°10.683’N ,1°47.167’E hat der Skipper dann ein 360° – Kreismanöver angeordnet, welches im Navionics-Track „verewigt“ wurde und alle haben sich gratuliert. Die ruhige See liess es sogar zu, dass der Skipper II die Crew mit einer frisch gebackenen Apfelwähe verwöhnen konnte, nachdem noch ausgiebig weitere MOB’s (Mann über Bord) geübt wurde. Der Smutje Ben stellte sein Können am Abend erneut unter Beweis und zauberte ein feines Thai-Chicken Menu auf den Tisch. Draussen war es mittlerweile kalt, windig und regnerisch. Die angekündete Sturmfront erreicht uns während wir sicher angelegt sind und gemütlich im Schlafsack liegen. Es war eine weise Entscheidung, welche wir am Samstag in London getroffen haben.

Der Dienstag starte sehr sonnig, doch rechtzeitig zum Ablegen kam starker Wind und Regen auf. Wir übten ein paar Hafenmanöver bei sehr böigen Winden bevor es entlang der Küste gen Oostende mit bis zu 40 Knoten Rückenwind zuging. Die zwischen 2-3 Meter hohen Wellen überholten uns einfach und machten aus der Rolling Swiss eine Surfing Swiss, der Bugwimpel zeigte trotz 10 Knoten Fahrt über Grund nach vorne aber erst, als uns die Bananenschalen* überholten wurde uns klar, wie stark der Wind wirklich war.

Das Anlegemanöver im Oostende war aber das Highlight des Tages, 35 Knoten böiger Wind von Steuerbord war schon speziell. Das Manöver glückte gut, die Crew war gut vorbereitet, die einzigen die (keine) Nerven zeigten waren wie Helfer, die uns eilig mit Fendern zu Hilfe kommen wollten. Nach diesem Erlebnis war jedem Crewmitglied klar, dass man sich nicht auf fremde Helfer verlassen soll, auch wenn jemand wie ein Hafenmeister aussieht. Drei weitere Highlights folgten, hierzu aber nur Stichworte *: Skipper II mit neuer Verehrerin „Taxi Anna“, Skipper mit neuem Mitgliedsausweis vom Casino Oostende und zuletzt die Ferienlagerstimmung in den vorderen Kabinen mit Gelächter bis spät in die Nacht. Tolle Crew! – * nur für Insider!

Am Mittwoch ging es der Küste entlang weiter, schon fast ruhig und routinemässig. Der Nordquadrant bei der Hafeneinfahrt Zeebrugge peilten wir sicher schon 40 Minuten an und beobachteten die Fahrt der grossen Frachtschiffe um für uns einen sicheren Weg zu finden. Dann plötzlich wurden wir von einer Gewitterfront ein- und überholt. Die Sicht war weg, der Nordquadrant ebenso. Genau in diesem Moment funkt uns ein auslaufendes Schiff an und bittet uns Platz zu machen. Alles klappte gut, auch das Wetter war wieder besser und weiter ging es Richtung Hafen Vlissingen. An der Schleuse drängte sich doch ein Zollschiff einfach vor uns und es kam, wie es kommen musste. Wir mussten im Hafen seitwärts am Zollschiff anlegen und bekamen Besuch von der Küstenwache und von Zoll. Der grosse Mann von der Küstenwache wollte unsere Papiere sehen, der Zöllner interessierte sich sehr für die entrichteten Mehrwertsteuern bei der Beschaffung der Rolling Swiss. Aber „alles easy“, beide Beamten waren zufrieden und stellten uns folgendes Zeugnis „alles nette Leute“ und gingen von Bord.

Danach war schon wieder ein schwieriges Anlagemanöver angesagt. Der Wind war ca. 20 Knoten und böig und es galt, das Schiff hinter einen grossen Poller einzufädeln. Souveränes Manöver Skipper!

Letzter Tag auf See! Das Morgenessen war anders als bisher, wir hatten frisches Brot und Gipfeli und wir haben uns an ein paar YouTube-Filmen zum Thema „Funken“ amüsiert.

Beim Ablegen gab es noch eine Schrecksekunde, weil die Motoren keinen Vorwärtsschub erzeugten! Aber nach dieser Woche hat die Crew das Manöver sicher im Griff und das Schiff war schnell wieder am Steg gesichert. Danach ging es ohne Unterbruch weiter zur Schleuse und raus auf die See. Nach zwei Stunden fahrt war Hubschrauberlärm zu vernehmen und dann tatsächlich, es war ein Helikopter der Küstenwache und die funkten uns auch noch an. Der Skipper hat dann alle Fragen beantwortet und schon war der Spuk vorbei und die Küstenwache wieder weg. Wir erinnerten uns an den Funkspruch von „Manuel Salas Alcantara“ vom Lighthouse (YouTube) und haben uns köstlich amüsiert.

Kurz vor Einfahrt ins Binnengewässer bei Stellendam übten wir noch das Ankern. Jacques war der Steuermann und per Funk mit dem Skipper II verbunden. Nach erfolgreichem Funkverkehr und einholen des Ankers, fragte uns der Steuermann, ob Ben der Claudia einen Crashkurs in Karate gegeben hat!? Was aus dem Steuerstand so ausgesehen hat waren in Wirklichkeit nur Claudia‘s Handzeichen, um beim Einholen des Ankers die Richtung und die Fahrt zu weisen J

Dann ging es durch die letzte Schleuse, bei der der Skipper sicherheitshalber die Antennen löste weil die Höhe zwischen Wasser und Brücke doch sehr knapp schien. Wahrscheinlich hätte es gepasst, aber wie auf den ganzen Törn galt die Devise „Safety first“.

Noch einmal begeisterte der Smutje und der Abend endete gemütlich mit viel Gelächter und guter Stimmung.

Der letzte Tag begann mit einer kurzen Fahrt durch die Kanäle bis nach Rotterdam, wo dann die Rolling Swiss II von der ganzen Crew effizient so hergerichtet wurde, dass sie der nächsten Crew wieder viel Freude bereiten kann.

Zum Abschluss möchte ich der ganzen Crew für die gute Zusammenarbeit und die gute Stimmung auf diesem Törn bedanken. Ein besonderer Dank gilt unserem Skipper! Du hast uns gezeigt, dass es ohne Hektik geht, Du hast zu allen unseren Fragen eine passende Antwort parat gehabt und hast uns Deine Begeisterung für See- und Schifffahrt kompetent weitergegeben!

17.05.2015 – Skipper II Bruno


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