11.04-18.04.2015: „Solent by night“

Skipper: Peter; Skipper II Christoph; Crew: Hanspeter, troche Tristan, Ursula

Jeder andere normale Mensch macht als ersten offiziellen Törn alles andere als einen Nachtfahrtentörn in einem Gebiet, das man übersetzt auch als schwarze Piste bezeichnen könnte. Jeder andere normale Mensch lässt sich ganz sicher nicht auf ein solches Abenteuer ein. Nun bin ich aber nun mal nicht jeder andere. Und das mit dem „Normal“ hält sich somit wohl auch in engen Grenzen. Und so kam es wie es kommen musste, ich meldete mich genau dafür an.

Am Crewtreffen hatte ich vorgemerkt, dass ich Pax wäre. Ich hälfe zwar gern wo immer ich das könnte, aber eben nur auf freiwilliger Basis. Damit war für alle alles klar. Vordergründig.

Und dann war es soweit. Der Seesack war gepackt und ich machte mich auf den Weg zum Flughafen Zürich-Kloten, von wo uns unser Flugzeug der British Airways Richtung London bringen würde. Mit einer von unserem Skipper gegründeten Whatsapp-Gruppe war die Crew schon seit Tagen in Kontakt. So auch heute. Und bald war klar, dass wir uns bereits vor dem gemeinsam abgemachten Treffen im Gate zu einem Kaffee im Starbucks sehen würden.

Beim Sicherheitscheck gab es dann einen kleinen Stau, verursacht durch unseren Skipper II, der seine eigene Rettungsweste mit integriertem AIS und natürlich Reservepatronen dabei hatte. Wenn aber bei Fluggesellschaft(en) und Zoll und Sicherheitsbehörde keine Einigkeit geschweige denn gemeinsam verfügbares Wissen vorhanden ist, dann wird alles etwas kompliziert, langatmig und ein kleines bisschen mühsam. Wobei der Stau dann natürlich nicht wirklich von unserem Skipper II verursacht wurde, sondern eben von allen anderen. Gefühlte Stunden später passierten wir die Sicherheitsschranken und begaben uns Richtung Gate, wo wir endlich auch unser zuletzt dazu gekommenes Crewmitglied kennen lernen durften.

Nach einem ruhigen Flug schätzten wir den Transfer per Kleinbus nach Southampton sehr. Die Schiffsübergabe stand uns erst am nächsten Tag bevor und so hatten wir Zeit, uns die kleine, schöne Stadt inklusive Hafen in aller Ruhe anzuschauen und uns gleichzeitig ein wenig besser kennenzulernen.

Unser Weg führte uns natürlich als Erstes zur Rolling Swiss II. Und ich staunte nicht schlecht über dieses imposante, schöne Schiff, das ich morgen also zum ersten Mal würde betreten dürfen.

Unser erstes Abendessen genossen wir im White Star. Ein britisch kulinarischer Auftakt, der aufzeigte, dass die Briten eine wirklich sehr gute Küche pflegen, bei der man das selbst Kochen getrost vergessen kann.

Eine herrliche Chorizo-Suppe gefolgt von einem obligaten Hamburger mit Bacon und Cheese und Frittes, die (fast) überall in lustigen Eimerchen serviert wurden.

Samstag, 11. April 2015

Nach einem typisch britischen Frühstück mit allem Drum und Dran – ausser Milch, die war nämlich nicht geliefert worden – machten wir uns auf den Weg in die Ocean Village Marina, wo wir pünktlich um 10 h zur Schiffsübergabe verabredet waren. Endlich waren wir bereit, das Schiff zu entern. Während unser Skipper Peter sich an Bord handwerklichen Arbeiten widmete, gingen wir anderen zum Einkauf, was sich als nicht ganz so einfach erwies, war das Geschäft doch relativ eng und bestens frequentiert, was ein Zusammenbleiben der Crew erschwerte.

Schwer beladen enterten wir erneut das Schiff und es ging ans Einräumen der eigenen Habseligkeiten. Und dann ging es auch schon los. Unser Skipper Peter hatte sich vorgenommen, uns zuerst mal mittels einem kleine Theorieblock mit gefühlten tausend Fragen zu bombardieren. Hier ging es um Lichterkennung, KVR und vieles andere mehr. Okay, hier wusste ich zumindest recht gut Bescheid. Was man von der Praxis nicht würde behaupten können. Was dann folgte, war die beste je erlebte Sicherheitseinweisung, die ich je auf einem Schiff hatte. Unser Skipper II Christoph erklärte uns anhand einer von Peter verfassten Liste genauestens, was wo auf dem Schiff zu finden und zu bedienen war. Zum ersten Mal war ich in einem Motorraum – schon beeindruckend! Es ging nach draussen, wo die nächsten Infos auf uns einprasselten. Wie war das jetzt? So ein Boot sei auch zu zweit zu handeln? Na ja, ich weiss nicht recht, es gibt so viel, das man wissen müsste…

Und als wäre das für den heutigen Tag nicht längstens genug gewesen, ging es nun ans Planen für morgen.

Sonntag, 12. April 2015

Nach einem ersten, fabelhaften Frühstück an Bord – mit Eiern und Schinken für die, die wollten und feinstem Nespresso-Kaffee (nein, lieber Christoph, in den Kapseln ist keine Chemie, nur Kaffee!) wurden die Rettungswesten angelegt und ich waltete meines Amtes. Als Bootsmann innen hatte ich darauf zu achten, dass alle Türen, Luken und Schapps geschlossen und dicht waren. Und auch das Schwarzwasser hatte ich im Auge zu behalten, was am Anfang der Reise wohl noch nicht dringlich war. Das erste Ablegemanöver klappte ganz gut, obwohl die Leinen aussen noch nicht auf Slip waren und ich das feststellte, als ich eine Leine hätte übernehmen sollen. Geht ja gar nicht… Aber daraus lernt man und als überhaupt nicht eingespielte Crew machten wir unsere Sache doch gar nicht so verkehrt.

Peter wollte sich in der Ocean Village Marina noch per Funk noch verabschieden, aber er bekam keine Antwort. Also fuhren wir ohne diese nett gemeinte Geste los. Wir setzten Kurs auf Port Hamble, mit Zwischenhalt auf der Höhe von Deans Lake, wo wir alle unser MOB-Manöver zu fahren hatten. Gut, ich startete hier mal mit dem Zurechtmachen des Fenders und legte einen fehlerfreien Palstek hin. Bin heute noch stolz darauf. Die Aufgabenteilung war klar: Einer steuert, einer zeigt auf die vermisste Person, zwei retten… Wie war das jetzt mit zwei Personen auf so einem Schiff? J Alles ging ganz gut, bis ich dran war. Am Fahren meine ich. Also ich habe ja keine Erfahrung mit so einem Schiff. Und kann ja nun mal gar nicht fahren. Aber die Jungs an meiner Seite überredeten mich und Peter musste sich neben mich setzen, damit ich überhaupt was tat. Und dann machte ich zwar alles wie geheissen, dieser Herr Fender konnte auch gerettet werden und alles war gut. Aber im Ernstfall wäre das graue Theorie, denn weder hatte ich die Person, die auf den verlorenen Fender zeigte, im Visier, denn die war mir so was von egal, noch den Verkehr. Zum Glück war da wohl nicht viel, was ich nicht wirklich bestätigen könnte, noch sah ich den verlorenen Fender selbst – also doch, aber erst ganz am Schluss. Und was ich wie und wo wirklich hätte tun müssen weiss ich nach wie vor nicht. Ist auch besser so. Jedenfalls kann ich das Schiff steuern, sozusagen als Autopilot, der vorweg zu programmieren ist oder so.

Kurz vor zwei liefen wir in Port Hamble ein. Zuvor wurden die Fender gesetzt und mit Entsetzen stellte ich fest, dass ich diesen elenden Webleinenknoten schon wieder nicht konnte. Aber ich war nicht die Einzige an Bord, was mich nur wenig tröstete, unseren Skipper II jedoch dazu veranlasste, einen Kollegen und mich zuerst zum erneuten Einkauf und dann zum Knotentraining zu verdonnern. Hatte ich nicht von Anfang an klar und deutlich mitgeteilt, dass ich nur Pax sei? Aber gut, ich wollte mal nicht so sein, schliesslich wollte ich es ja wirklich lernen! Und so kam ich in den Genuss eines Knotentrainings, das mich nun völlig sorgen- und stressfrei jeden Fender befestigen lässt. Und auch das Belegen eines Schiffs ist für mich, zumindest an Bord, eine Kleinigkeit. An Land ist das noch was Anderes, aber auch das werde ich noch lernen. Jedenfalls danke ich an dieser Stelle Hanspeter nochmals sehr herzlich für den ausgezeichneten, sehr geduldigen und effizienten Unterricht. So macht der Wechsel von Pax zu Crew so richtig Spass! Danke!!

Wir stärkten uns für die erste Nachtfahrt im „The Bugle“ und zogen uns dann dick für die kommenden, kalten Stunden an. Unsere Fahrt führte uns nach Cowes, rein in den River Medina bis zum Folly Inn. Dort war es sehr untief und genau das, was wir uns für diesen Törn erträumt hatten – eine Herausforderung an eine absolut korrekte Navigation und Tidenberechnung. Die ersten Lichter in der Dunkelheit erfreuten mich, denn ich durfte feststellen, dass meine Theoriekenntnisse auch in der Praxis richtig gut funktionierten.

Auf diesem so schönen Schiff friert man allerdings ganz schön, wenn man weder Steuermann, noch Navigator noch einer derjenigen ist, der vorne beim Steuerstand sitzen kann. Hinten zieht es nämlich so fest, dass man sich nicht hinsetzen kann, aber auch das Stehen ist nur unterkühlt möglich. Hat man nämlich das Cockpit nicht offen, so sieht man nichts. Aber genau das ist unabdingbar für eine korrekte Lichterkennung und Identifikation der nächtlichen Leuchtfeuer, die wir so dringend für unsere Navigation brauchten. Egal, es war so spannend, dass ich zwar tiefgekühlt aber glücklich für das nächtliche Einlaufen in Hamble noch so gern bereit war. Mit Seglerhandschuhen im Dunkeln geht das Knoten machen zwar auch, ist aber erschwert. Dies musste ich schnell merken und mit klammen Fingern gelang es dann doch noch.

Die anschliessende Tagesbesprechung mit einem feinen Glas Whisky tröstete über die Kälte hinweg und wohlige Wärme kroch durch all unsere Glieder. Ein schönes Gefühl, vor allem auch, weil nun auch die Bordheizung lief.

Montag, 13. April 2015

Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es, für die Crew das Frühstück zu machen. Das war zwar nie so abgemacht worden, aber es hatte sich so ergeben und wurde während des ganzen Törns so beibehalten, dass ich für uns alle das Frühstück vorbereitete. Was ich notabene sehr gern tat, da es meinen Lieblingsbeschäftigungen sehr entspricht. Und da ich ja noch keinen Funken Ahnung (stimmt zwar auch nicht so ganz) von Navigation hatte und habe, überliess ich diesen Part gern den Anderen, die zumindest schon einen Hochseeschein in der Tasche hatten, über den ich ja, wie nun allseits bekannt, nicht verfüge.

Und wieder hiess es planen. Das Wetter war nach wie vor wunderschön und versprach einen herrlichen Tag. Nun war es Zeit, Port Hamble zu verlassen und Kurs auf die Northney Marina auf der Hayling Island zu setzen. Dazwischen wollten wir noch das Spitbank Fort besichtigen. Also hiess es bald Leinen los. Und ich hatte festgestellt, dass wir den Schwarzwassertank zu leeren hätten, was zuerst ins Logbuch eingetragen und später auch eigenhändig erledigt wurde.

Dieses Fort ist wirklich beeindruckend und es machte ganz schön Freude, dass Tristan als Steuermann uns rund um das Fort schipperte, sodass wir alle unsere Aufnahmen machen konnten. Tricky an der Sache: Auf der Seekarte ist eine U-Boot-Sperre vermerkt, die man tunlichst umschiffen sollte. Was wir natürlich auch taten, sonst wäre dieser Blog nun nicht hier…

Und weiter ging es Richtung Northney. In der Ferne sahen wir, wie weit hinten das Wetter nicht mehr ganz so toll aussah. Schlechtes Wetter war aber eigentlich nicht vorausgesagt. Also fuhren wir weiter. Und dann sahen wir es. Leichter Nebel kam auf uns zu, der nun immer dichter wurde. Positionslichter wurden aktiviert, ich stellte mich als Ausguck nach draussen, meldete alles, was mir vor meine Linsen kam, auch das, was wohl nicht nötig gewesen wäre und hatte drinnen mein zweites Auge stets auf dem Tiefenmesser. Sehr zum Dauerärger der gesamten Crew – nehme ich mal an. Denn ich weiss ja zwar, dass es erst ab 2 m wirklich wichtig ist, Acht zu geben, aber ich schrie da schon mal bei 4,5 m und zählte dann auch noch brav runter… Stress pur für die lieben Leute um mich rum. Ist mir heute schon klar und ich hatte das am Schluss ja auch gelernt. Andererseits war die Crew auch im Lernmodus. Und somit hatte jeder für sich genug zu tun. Geschadet hat es unter dem Strich wohl nicht. Gemütlich tuckerten wir durch das Wattemeer und mit Radar suchten wir uns den Weg durch den Nacht gewordenen Tag. Eine bessere Schulung hätte uns nicht zuteilwerden können. Peter fragte uns dann, ob wir umkehren oder unser Ziel anpeilen wollten. Wir entschlossen uns einstimmig für Letzters. Wir wussten nicht, was uns auf dem Rückweg erwartete, wir wussten nur, dass wir hier ganz genau arbeiten müssten, dass wir auch näher am Ziel waren als je. Also los.

Und siehe da, der Nebel lichtete sich nach und nach und wir konnten die enge und sehr untiefe Einfahrt in die Northney Marina guten Mutes in Angriff nehmen. Ich sage hier und jetzt nun gar nichts dazu, wie viele Meter und Zentimeter wir noch unter dem Kiel hatten. Jedenfalls reichte es.

Die Marina antwortete uns auch heute nicht. Komisch. Waren die alle noch im Wintermodus und so noch gar nicht abrufbar? Jedenfalls fanden wir bald einen Liegeplatz. Ein Ankertrunk stärkte uns und wir merkten, dass uns dieses sehr spezielle Erlebnis als Crew noch ein wenig mehr zusammen geschweisst hatte. Schliesslich hatten wir gemeinsam etwas geschafft und wir waren wohl zu Recht auch stolz darauf.

Später marschierten wir los, um auf der anderen Seite der Brücke ein gutes Abendessen zu geniessen, welches wir im The Ship Inn fanden. Einmal mehr ein Genuss. Und da das Ambiente eben auch noch schiffig war, so ganz und gar nach meinem Geschmack. Dass wir danach im Dunkeln den Heimweg antreten mussten, wurde mir erst auf dem Weg bewusst. Und ohne Taschenlampe auf einem schmalen Feldweg war auch nicht ohne. Aber zum Glück war nach einer gefühlten Ewigkeit doch noch Peter mit Taschenlampe zur Stelle. Und so kamen wir zum Schlummertrunk alle heil und wohlbehalten auf unserer schönen Rolling Swiss an.

Dienstag, 14. April 2014

Da wir vorgestern in dem kleinen Laden zu wenig Wasser hatten erstehen können und auch sonst so ziemlich alles ausverkauft gewesen war, wäre es auch heute gut, man könnte nochmals ein wenig Vorrat bunkern. Das verschoben wir aber auf später. Eigentlich hatten wir uns für heute vorgenommen zu Buckler‘s Hard zu fahren. Nun schlugen wir aber zuerst einmal den Weg nach Cowes ein, eben um dort einzukaufen. Was wir dann auch gemeinsam taten. Hier fanden wir alles, was unser Herz so begehrte und wir beschlossen, in Cowes zu bleiben. Unterwegs nach Cowes hatte sich Peter noch etwas Spezielles ausgedacht. Und so bekam Hanspeter den Auftrag einen Punkt im Meer ohne Plotter anzufahren. Ein sogenanntes Crossfinding. Problemlos fand er mit Peilung und Beachtung der Tiefenlinie, einen Punkt südlich der Tonne North Sturbridge. Schon cool, was alles möglich ist.

Nach dem Einkauf gab es ein feines Guiness draussen im Fountain Inn, gefolgt von einem grandiosen Abendessen im Red Duster. Kulinarisch wurden wir bisher aufs Beste umsorgt. Die britische Küche hat meine Anerkennung!

Und dann ging es auch schon wieder weiter. Kurz vor halbzehn machten wir uns auf den Weg zu einer weiteren Nachtfahrt, die zweieinhalb Stunden dauern würde. Spannend, hoch interessant und sehr lehrreich. Und wie immer nachts, befanden wir uns im Nu im Rotlichtmilieu. Nein, nicht so wie ihr grade denkt. Nein, aber nachts sollte man bekanntlich kein weisses Licht an Bord gebrauchen, da man aber zum Navigieren eine Karte lesen können muss, dient hier eben das Rotlicht. Gewöhnungsbedürftig, aber eine gute und sichere Sache.

Den Schlummertrunk in Form eines weiteren Whiskys genoss ich heute ganz besonders, denn einmal mehr war es kalt, anstrengend und eine solche Stärkung in britischem Gewässer tat seine beruhigende, entspannende Wirkung für einen tiefen, tiefen Schlaf.

Mittwoch, 15. April 2015

Nach dem Frühstück hiess es erneut planen. Dies brauchte so seine Zeit. Denn obwohl alle, ausser mir, zumindest einen Hochseeschein gemacht hatten, war das Studium der Seekarte eben doch kein Alltagsgeschäft und auch die ganze Passageplanung erforderte die ganze Aufmerksamkeit der Crew. An dieser Stelle wird es Zeit, danke zu sagen. Danke dem Skipper, der mehr oder weniger geduldig die Crew auch mal „schwimmen“ liess. Es macht ja keinen Sinn, wenn der, der es kann, es dann selbst macht. Nur so konnten wir alle lernen. Dass wir mitunter an unsere Grenzen gelangten, war nur richtig so. Denn in einem Tidengewässer mit hohem Verkehrsaufkommen sollte man wirklich nicht allzu unbeschwert umherfahren. Respekt vor der Materie, genaues Kartenstudium – man lese auch wirklich jede Notiz!!!  -, genaues Navigieren, das sind die Mittel der Wahl. Und so kann man am Ende auch stolz das Schiff ohne Kratzer und Beule weiter geben. Danke also auch der Crew, jeder half hier jedem. Immer wieder. Das war schon ganz besonders schön! Und so kam es, dass wir den Cowes Yacht Haven eben erst um 14 h verliessen. Nicht nur. Wir hatten nämlich auch das Bedürfnis nach etwas Freizeit und etwas Shoppen im gemütlichen Ort…

Die Rolling Swiss nahm Kurs auf Lymington. Unterwegs passierten wir die East Lepe, (R Fl (2) 5S BELL, eine Tonne, die uns mit ihrer Glocke empfing.  Nein! Das erlebt man mit einem Kreuzfahrtschiff sicher nicht. Und ich war froh, auf diesem Schiff sein zu dürfen! Rund zwei Stunden später übrigens war unser Schiff schon wieder gut vertäut in der Marina von Lymington. Später würden wir wieder auslaufen. Diesmal Richtung Needles. Da die Sonne den ganzen Tag über schien, war heute der ideale Tag, um einen spektakulären Sonnenuntergang beobachten zu können. Und so planten wir eben weiter.

Kurz vor sieben war es dann so weit und die Leinen waren gelöst. Auf zu den Needles. Damit wir diese auch noch tatsächlich mit etwas Sonnenlicht bewundern konnten, erhöhten wir den Speed von normalerweise durchschnittlich  8 Knoten auf sagenhafte 16 Knoten. Ein tolles Gefühl. Die Abendstimmung war genial und so was von schön, dass man hätte hinschmelzen können. Als wir bei den Needles waren, verzog ich mich aufs Vorschiff und genoss diese wunderschöne, friedvolle Welt in vollen Zügen. Wir umfuhren die Needles und fuhren dann zurück in die Alumbay Bucht, wo Hanspeter und ich uns nach dem Ankern ans Kochen eines frischen Gurken-Tomatensalats mit Mozzarella und leckeren Spaghetti Bolognese machten. Auf einem schaukelnden Schiff zu kochen ist eins. Wenn dann aber noch das Messer nicht schneidet und man als Gewürz viermal Curry vorfindet, dann heisst es lächeln und Plan B. Das Essen war sehr fein. Und das allein zählt. (Und ich werde in Zukunft  mein eigenes Messer mitnehmen. Und meine eigenen Gewürze. Und überhaupt… ;))

In der Nacht fuhren wir dann zurück nach Lymington. Ich staunte jedesmal darüber, wie die weissen Lichter gleich vor mir schienen und ich eigentlich sicher war, wir würden voll hinein fahren. Aber nein, diese Lichter waren jeweils unglaublich weit entfernt und selbstverständlich fuhren wir nicht ansatzweise in sie hinein. Wobei die grünen und roten Lichter weitaus gefährlich waren. Diese passierten wir teilweise doch recht nah, denn man fährt einfach wirklich drauf los, obwohl man nicht sollte…

Ein Schlummer- und Ankertrunk war natürlich auch heute Pflicht. Obwohl es weit nach Mitternacht war, als dieser stattfand.

Donnerstag, 16. April 2015

Heute hatten wir einiges vor. Wir wollten nämlich nach Portsmouth. Nicht aber ohne dem Beaulieu River einen ausführlichen Besuch abgestattet zu haben. Und so machten wir uns einmal mehr auf den Weg. Kurz nach 12 h hiess es Leinen los und wir setzten Kurs auf Buckler’s Hard. Eine gar nicht so einfache Einfahrt, denn es galt das Beachten der Peilungen. Wo war sie denn nun, die 2. Rote Backbordbake, die in Peilung auf das Lephouse stehen sollte? Wow! Wie bewunderte ich gerade die nautische Crew, die diese schwierige Aufgabe einmal mehr mit Bravour meisterte. Nach dieser Durchfahrt und dem wahrlich meisterlichen Genuss dieser wunderbaren Landschaft fuhren wir zurück nach Portsmouth und zwar zur Gunwharf Marina. Nachdem wir nun dauernd keine Antwort per Funk bekamen, die Leute aber allesamt vor Ort waren, wurden wir stutzig. Unser Skipper Peter nahm nun den Handfunk, denn nun waren wir auf einen funktionierenden Funkverkehr definitiv angewiesen.

Auf Kanal 11 hörte man per Handfunkgerät unseren Skipper nun einmal mehr rufen: „QHM, QHM, QHM – Rolling Swiss, Rolling Swiss, Rolling Swiss, Over./ Rolling Swiss, QHM / QHM, Rolling Swiss, asking for permission to cross the harbour from Gosport to Gunwharf Quais Marina.“ Schnell kam auch die Antwort und die permission was aproved. Gestern schon hatte Peter einen Liegeplatz reserviert. Und nun hiess es auch die Marina anzurufen. Und da kam ein herzliches: „Welcome back Rolling Swiss!“ Dass wir dann auch noch den besten aller Plätze, direkt unter dem Spinnakertower bekamen, war wohl der krönendste Abschluss überhaupt. Und dass die Crew dann vom Hafenmeister 10 von möglichen 10 Punkten für beste Seemannschaft ausgestellt bekam – wir hatten halt wirklich so angelegt, dass auch noch andere Platz hatten – waren wir alle schon ein wenig stolz. Auf uns, auf unseren Skipper und unsere schöne Rolling Swiss II.

Nach einem ausgiebigen Ankertrunk vor Ort machten wir uns zu Fuss auf den Weg in den alten Stadtteil. Wir besichtigten die Mauer, den Hafen und gingen dann – mit Blick auf die Hafeneinfahrt – ins Still and West essen. Abschiedsessen. Und dann sah ich es: Ein Lotsenboot – in der Nacht. Wie schön! Ich und „meine“ Lotsenboote…

 

Freitag, 17. April 2014

Der letzte Tag war angebrochen und heute war nur noch Hafenüberquerung nach Gosport, tanken, Inventar machen, putzen und packen angesagt. Aber es kam anders.

Die Hafenüberquerung klappte genauso gut umgekehrt wie gestern auch. Dann aber, als wir Diesel bunkern wollten, sahen wir es. Da war nichts zu machen. Man konnte nicht. Also legten wir trotzdem mal kurz an, denn nun hiess es, sich um Plan B kümmern. Wir erfuhren, dass der ganze Steg in der vergangenen Nacht abgesunken sei. Das Rauchen sei also eher nicht zu empfehlen… Und die nächste Tankstelle sei entweder auf der Isle of Wight oder aber in Port Solent.

Letzerer wäre heute einfach zu erreichen, denn wir hätten Hochwasser und somit gäbe es hier wohl keine Probleme. Gesagt, getan. Wir kamen damit in einen weiteren Reisegenuss. Und wir durften sogar schleusen, denn die Einfahrt ist durch eine Schleuse, die man passieren muss. Man riet uns, auch gleich zurück zu kommen – man beachte die Tiden. Was wir gern taten, denn nun wurde es so langsam Zeit, klar Schiff zu machen.

Unsere letzte Station war die Haslar Marina. Dort fand das letzte Anlegemanöver statt. Und damit ging eine wunderbare, strenge und schöne Woche dem Ende entgegen. Putzen war angesagt. Nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Gar nicht. Musste aber sein. Und es ging vorbei. Sauber lag sie nun da. Bereit zur Übergabe an die Folgecrew.

Und was ich nun fast noch zu erzählen vergessen hätte: Unser Funkgerät war tatsächlich ausgestiegen, dies fand unser Skipper bei diversen Nachfragen heraus. Es fand sozusagen eine Einwegkommunikation statt und wie man weiss, ist diese meistens ziemlich unnütz. Und so kam am Nachmittag noch ein Techniker, der sich diesem Problem widmete. Bald, so schien es uns zumindest, war wieder alles in Ordnung und einem problemlosen Funken sollte nichts mehr im Wege stehen.

Auf dem Lightship Marymouse II gingen wir essen. Letzter Abend. Wehmut überkam mich. Wir hatten eine gute Woche mit einer guten Crew. Ich hatte mich grösstenteils sehr wohl gefühlt, fühlte mich angenommen, mit eingebunden und unterstützt. Jungs, es war schön mit euch!

Morgen also wäre nun Ausschiffung. Mein Hasswort. Leider, leider kommt es immer wieder. Aber ich freue mich schon jetzt, wenn es wieder heisst: Einschiffen!

Crewmitglied (oder PAX) Ursula 😉

Hinweis des Administrators: Ursula hat den Rekord eines Reiseberichts hier im Blog geborochen…. Gratulation! – Anber als Hinweis für alle weiteren Autoren: Ursula läuft ausser Konkurrenz – Wir sind dankbar um jeden Beitrag, auch wenn Eurer kürzer ausfallen wird 😉


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