04.10.- 11.10.2014 Portsmouth – Portsmouth

Skipper: Marc
Crew: Frédéric, Max, Rico

Manövertörn im Solent

Das Rattern der Rollbags auf den Planken des Schwimmstegs in den Ohren. „Haslar Marina“ in Portsmouth – heisst der Ort, an dem wir an diesem Morgen die Rolling Swiss ll finden werden – Ein spannungsgeladener Augenblick.
Der Duft von Seetang hängt in der Luft – es ist ablaufendes Wasser. Die Steine und Spundwände im Hafenbecken sind vom Meerwasser getränkt. Der Himmel ist blau mit einigen Wölkchen. Mein Herzschlag leicht erhöht.

Da liegt sie – ruhig und schweiget. Die Rolling Swiss am Steg „H“ wie Hotel.
Crew geht – Crew kommt. Ein scheinbar eingespieltes Prozedere. Das Schiff ist schnell in unserer Hand. Die Kojen verteilt, Fixleintücher gestreckt und die ganze Crew an Deck.
Einkaufen. Bunkern. Sicherheitseinweisung usw – nein da war doch noch etwas! Was ist, wenn die Schwimmweste „aufpoppt“? – Das haben wir uns selbst gezeigt: man nehme ein Crewmitglied, eine Weste mit geladener Luftkartusche und etwas Raum rund um die Versuchsperson. Und natürlich Kameras bereithalten. One, two, three. Ein Popp, ein Zischen und in sekundenschnelle steht ein praller Kragen um unseres Kollegen Hals. Eindrücklich wie das klappt! Dazu gab’s dann noch etwas Theorie 😉

„Greenhorns und Spezialisten“
Jedes der Crewmitglieder war extrem „parat“ für diesen Törn – am meisten sicherlich unser Skipper. Denn jeder von uns hat natürlich auch seine „Greenhorn-Seiten“ mitgebracht; seine Mankos – ja deshalb sind wir ja da, um diese zu „stopfen“.
Der eine war wenig bis nie in Tidengewässern gefahren, der andere kam mehr oder weniger aus der Motorbootschule vom 500kg „Bootchen“ auf die 20 Tonnen Rolling Swiss. Ein weiterer war mit den hier vorhandenen Berechnungs- und Zeichenmethoden wenig vertraut – man stelle sich den Skipper dieses „Manövertörns“ vor. Pädagogisches Stretching bis zum Spagat ist wohl angesagt!
Und er hat dies mit Bravour bis zum Schluss gemeistert. …. Hilfreich war der allgegenwärtige Humor und die Freude – wir hatten’s oft so lustig!

Manövertörn war angesagt. Nach ersten Landungs- und Ablegemanövern, ging es darum einen Punkt, eine Boje auf dem offenen Wasser anzusteuern. Bojen gibt es im Solent viele. „Mary Rose“ gibt es nur einmal. Eine gelbe, kugelrunde soll es sein. Zum Glück haben wir uns nicht ganz die Zähne ausgebissen – der Menüplan hätte sich danach etwas einseitig gezeigt – aber diese „Mary Rose“ wollte uns nicht erscheinen! Ein Felsen-Fort vor Portsmouth ist uns quasi dazwischen gekommen. Dieses haben wir – die Rolling Swiss dankt – nicht umgefahren sondern umfahren. Jedoch gleichzeitig den Kurs und die Aussicht auf die sehnlichst erwartete „Mary Rose“ verloren.
In der Folge wurden wir immer besser im Finden von Bojen, unsichtbaren Punkten, Fendern. Im An- und Ablegen vor-, rück- und seitwärts – Mit einer, mit zwei Schrauben und ebenfalls mit der dritten Schraube des Bugstrahlruders. Man kann das Sprichwort vom Apfel in unserem Fall gut anpassen: „a maneuver a day, keeps the boat-doctor away“!

Dazu hat sich der herbstliche Solent von seiner bekannten Seite gezeigt. Sonnenschein wechselte mit Wolkenhang und gespenstischem Nebel. Auch hin und wieder etwas Regen war auf dem „Menüplan der Meteo“. Wind und Kälte hielten sich in Grenzen. Alles in allem hat uns auch hier die Rolling Swiss mit etwas Komfort wie Warmluft und Warmwasser nachgeholfen.

A propos Menüplan. Dieser liest sich wie eine halbe Weltreise. Neben gutem Frühstück und mannigfaltigen „Quicksuppen“ am Mittag, wurden diverse kulinarische Landungen gemacht:
Von Chinesisch nach scharf Indisch, über ein Fondue an Bord zu Fish and Chips und fantastisch, englischen Pubs – ein must für jeden Besuch im Solent. Tipp: „Soup of the Day“ vom Pub „the Bugle Coaching Inn“ im Dorfkern von Yarmouth; am Chemine-Feuer in einer der verschiedenen gemütlichen Ecken. Real British!

„A breath of offshore“ atmeten wir an der West-Spitze der „Isle of Wight“ ein. Zum Auf- und Abschaukeln der Rolling Swiss im Ärmelkanal zeigten sich uns die kreide weissen „Needles“ in der Brandung. Zwei kleine Fischerboote, welche vielleicht den „Haddocks“ (Schellfisch) lauerten, die wir abends auf unseren Tellern fanden – wer weiss?
Neben diesen Bildern bleibt bei jedem von uns ein verborgener Schatz an Bildern hängen. Bei mir sind es die zahlreichen Tiden umspülten Flussdeltas des Solent: wie River Hamble, River Itchen, River Newtown, Beaulieu River… Aber auch die zahlreichen Berufs- und Arbeitsschiffe bei Tag- und bei Nachtfahrt.
Da wäre noch eine Seltenheit zu erwähnen: „Drei Schwestern im Blitzlichtfeuer“. Nicht etwa die Schwestern von „Mary Rose“, nein, zwei Schwestern unserer Rolling Swiss ll gaben uns die Ehre.
Ein kurzes „Stell-Dich-Ein“ von drei identischen Exemplaren der Trader 42 mitten auf See. Drillinge quasi. Und auf jeder steuert ein Skipper mit Freude durch die Heckwellen der Schwester-Boote. Sprudel hinter den Booten und Spitzbuben-Freude auf den Gesichtern der Steuermänner. Der Fotosession folgte ein Interview mit einem britischen Journalisten – ein weiterer Medienbericht, bei dem die Rolling Swiss in gutem Licht steht.

River Hamble – Universal Marina. Sauber geputzt und gut vertäut liegt sie da. Still und schweiget. Im Kielwasser der Woche ein Track auf der Seekarte, der einem Schnittmuster-Plan ähnelt. Hin und her, zick und zack, wie ein Stern in den Wassern des Solent.
Merci Rolling. Merci CCS. Merci Kollegen.

Rico


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