26.04. – 03.05.2014 Calais – London

Skippper: Andi und Urs
Crew: Paul, view Christian, Matthias, Thomas
Törn: Calais – London total 373 Seemeilen

 

Vorwort

Anfangs Februar treffen wir uns im Restaurant Schmiedstube in Bern und sehen einander das erste Mal. Nach der üblichen Vorstellungsrunde der Anwesenden werden Törnablauf, „Ämtliverteilung“ und Wünsche der Crew besprochen. Wir sind uns einig betreffend Leben und Ausbildung an Bord und neugierig wie die Woche auf dem Schiff sein wird. Aber die Zeit geht (wie immer an diesen Crewtreffen) flugs vorbei und bald schon sagen wir einander „also Tschüss bis im April“.

Am Freitagnachmittag vor dem Törnbeginn treffen nach und nach Skipper und Crew beim Hotel für die Übernachtung in Calais ein. Das gibt uns die Gelegenheit die grössten Einkäufe für den Törn bereits zu tätigen damit wir am Samstag nicht wertvolle Zeit damit verlieren und wir schon bald ablegen können. Am Abend sitzen wir gemütlich bei köstlichem Essen und einem guten Glas Wein und lernen einander besser kennen. Die Stimmung ist gut und nach dem Begleichen der Rechnung brechen wir auf und gehen zum Hotel zurück.

26.04.2014 Calais – Dunkerque

Am Morgen zwischen 800 und 900 stehen wir mit unseren Einkäufen beim Eingang der Marina wo die Rolling Swiss II am Steg vertäut ist bereit und warten geduldig bis die Schiffsübernahme durch die Skipper durchlaufen ist. Schliesslich dürfen wir an Bord und verstauen unsere Einkäufe in den dafür bestimmten Fächern und im Kühlschrank. Jeder bezieht seinen Kojenplatz und richtet sich ein. Wir erhalten den ersten Eindruck vom Schiff und Urs (unser Skipper 2) beginnt mit der Sicherheitseinweisung und erzählt uns einige Dinge über die Rolling Swiss II. Nach dieser für die CCS-Törns obligaten Sache geht es los. „Seemannschleidli“ und Rettungswesten anziehen und Andi (unser Skipper) bespricht mit uns wie er das Ablegemanöver durchführen will. Nachdem die Leinen los sind dümpeln wir gemütlich auf die Brücke zu die nächstens geöffnet wird um ins Hafenbecken zu gelangen. Dort verkehren wiederum die Fähren nach England und wir müssen uns via Funk bei der zuständigen Behörde anmelden um aus dem Hafen fahren zu dürfen. Wir dürfen im Fahrwasser einer solchen Fähre Calais verlassen und nehmen um halb eins Kurs nach Dunkerque. Die Strömung verhilft uns zu gut siebeneinhalb Knoten Fahrt durchs Wasser. Die Stimmung auf der Brücke ist gut und die „Neuen“ welche die Rolling Swiss II bis jetzt noch nicht gekannt haben lernen einiges. Da ist zum Beispiel ein graues Schifflein welches sich uns von der Steuerbordseite her nähert. Gibt es hier eine stehende Peilung? Wer hat nach KVR Vortritt? Die Situation wird von uns souverän gemeistert. Irgendwann fällt es einem Crewmitglied auf dass der Name unseres Schiffes am Funk genannt wird. Schnell merken wir das graue Schifflein gehört zur Flotte des französischen Zolls und avisiert uns einen Besuch. Wir werden angewiesen den Kurs mit reduzierter Geschwindigkeit zu halten damit die Zollbeamten von ihrem Motorschlauchböötlein aus bei laufender Fahrt auf die Rolling Swiss II umsteigen können. Diese ganze Kontrolle läuft geordnet und diszipliniert ab. Die Beamten sind freundlich aber auch bestimmt. Unser Skipper zeigt dem Einen die Schiffspapiere. Ein Anderer sieht sich unsere Pässe an. Zwei Beamte schauen in den Kühlschrank und die Backskisten. Einer schraubt am Antennenbügel die runden Abdeckungen ab und schaut mit Hilfe eines Spiegels hinein. Dann die Deckel des Bodens. Die Kojen und Taschen der Crewmitglieder werden unter unserem Beisein durchsucht. Keine Drogen oder Schmuggelware werden gefunden. Alles ist in Ordnung wie es sich gehört. Nach einer knappen Stunde verabschieden sich die Zöllner wieder und steigen in das motorisierte Schlauchboot. Und keiner der Beamten fällt ins Wasser. Diejenigen welche eine solche Kontrolle noch nie erlebt haben sind um eine Erfahrung reicher. Jetzt endlich haben wir Zeit unsere MOB-Manöver zu üben. Dabei können wir einen sehr guten Eindruck gewinnen wie sorgfältig sich die Rolling Swiss II fahren lässt. Später fahren wir weiter in die Richtung unseres Zielhafens den wir etwa um 1700 erreichen und machen das Schiff im Port du Grand Large fest.

27.04.2014 Dunkerque – Lowestoft

Es ist etwa halb vier Uhr am Sonntagmorgen. Crew und Skipper sind in voller Montur zwischen Morgenessen und den Vorbereitungen für die Überfahrt nach England. Rund 120 Seemeilen stehen heute auf dem Programm und pünktlich um vier Uhr werden die beiden Motoren der Rolling Swiss II angeworfen. Wettermässig stehen teilweise Regen bei drei bis vier Windstärken und 0,5 bis 1 Meter Wellengang auf unserem Weg. Also ideal mit einer Motoryacht unterwegs zu sein und im trockenen zu sitzen. Eine Hafenausfahrt im Dunkeln gestaltet sich navigatorisch interessant. Leucht- und Richtfeuer müssen richtig interpretiert werden um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Ein Vergleich zwischen der konventionellen Seekarte auf Papier und dem modernen elektronischen Gerät ist auch in einer solchen Situation ein guter Erfahrungswert den wir machen. Wie blinkt das nächste Seezeichen? Dreimal in zehn Sekunden? Vergleichen mit der von den Tagesnavigatoren erstellten Wegpunktliste und wieder einmal erfahren wie Theorie und Praxis funktionieren. Wir profitieren alle davon. Als es draussen heller wird sieht es wieder anders aus. Es ist nicht mehr viel zu tun als Kurs halten und nach eventuellen „Gegnern“ Ausschau zu halten. Die einen gehen bei Gelegenheit ein erstes Nickerchen machen. Irgendwann wird dann aber dem einen oder anderen bewusst warum dieses Schiff den Namen Rolling Swiss II trägt. Wind und Wellensystem tragen einen guten Teil dazu bei. Es schaukelt manchmal ziemlich fest und der Schreiberling steht dann doch mehrmals diskret an die Reling und nimmt‘s aber mit Humor als er sich ein Teil des Morgenessens durch den Kopf gehen lässt. Bekanntlich hilft das vorher eingenommene Stugeron in solchen Fällen aber wenn es originalverpackt in der Koje liegt… . Später beruhigt sich die ganze Situation wieder als die Wellen von einer anderen Seite her auf das Schiff treffen. Am Nachmittag nach drei Uhr werden die Uhren von UTC +2 (MESZ) auf UTC +1 umgestellt. Andi geht die britische Gastlandflagge suchen die später dann montiert wird. Als wir das Schiff im Hafen Lowestoft am Steg festmachen ist es ein wenig nach 1900 Uhr. Wir haben England nach gut 15 Stunden Fahrt erreicht. Paul und Christian widmen sich einer wichtigen Arbeit im Motorenraum – der Reinigung der Wasserfilter. Matthias und Thomas sehen sich dabei schon einmal ein wenig die Navigation für den nächsten Tag an. Schon bald sitzen alle am Tisch und essen. Der Tag klingt langsam aus.

28.04.2014 Lowestoft – Shotley

Nach dem Morgenessen macht sich Thomas auf den Weg zum Büro des Hafenmeisters um den Liegeplatz zu bezahlen. Der Chef der Marina wünscht dass die verantwortlichen Schiffsführer via Funk ihre Hafenausfahrt avisieren. Es kann zu gefährlichen Situationen kommen weil Frachtschiffe auf ihrem Wasserweg eine mit Lichtsignalanlage geregelte Brückenpassage befahren und dieser Wasserweg führt vor der Hafenausfahrt vorbei. Der Hafenmeister muss zuerst sein Einverständnis geben bevor die Rolling Swiss II aus dem Hafen auslaufen darf. Aha. No problem Sir we will contact you by radio when we are ready to go ? (and have a nice day)…
Später melden wir uns wie gehabt via Funk beim Hafenmeister und machen bis zu seinem Einverständnis noch ein kleines Hafenmanöver. Dann dürfen wir auslaufen und geniessen das englische Wetter. Heute erwartet uns eher eine kurze Etappe entlang der Küste vorbei am Leuchtfeuer in Southwold bis zum Nordquadranten North Shipwash. Von dort aus gelangen wir in die Einfahrt der Bucht von Harwich. Diese Einfahrtsmündung liegt zwischen Felixstowe und Harwich und ist recht gut betonnt. Zwei Flussläufe laufen hier zusammen. Westlich der River Stour und nördlich der River Orwell. Das Wetter wird besser und Sonne zeigt sich. In Felixstowe sind riesige Verladeterminale für Frachtschiffe gebaut und wir können von weitem sehen wie Container für Container verladen werden. Wir fahren westlich und nachdem Südquadranten Shotley Spit und der grünen Tonne Ganges biegen wir mit der Rolling Swiss II in die Einfahrt der Shotley Marina. Diese muss zielgenau auf den Eingang des Locks gefahren werden. Back- und Steuerbordseits ist bei Wassertiefstand die Uferzone trockengelegt. Es ist jedoch bei sorgfältigem Rudergang kein Problem da der Einfahrtskanal zusätzlich zwei Meter ausgebaggert ist. Die kleine Schleuse in der Hafeneinfahrt von Shotley ist ebenfalls durchdacht konstruiert. Beidseitig können wir unser Schiff an einem Schwimmsteg in der Schleuse festmachen. Der Hafenmeister begrüsst uns hier bereits als wir am „heraufschleusen“ sind und zeigt sich sehr hilfsbereit. An unserem zugewiesenen Platz sehen wir später noch besser zu den Verladeterminals hinüber weil diese Marina in dem Sinne „erhöht“ liegt. Und auch während der Nacht werden wir immer wieder daran erinnert dass irgendwo in der Nähe gearbeitet wird.

29.04.2014 Shotley – Titchmarsh

Heute füllen wir noch den Wassertank der Rolling Swiss II auf bevor wir die Shotley Marina verlassen. Der Schleusengang funktioniert perfekt. Durch die ausgebaggerte Einfahrtsstrasse hindurch gelangen wir wieder zum Südquadranten von dem aus wir nun den River Orwell hinauffahren in Richtung Ipswich / Greenwich. Auf der Fahrt durch den Flusslauf hinauf bekommen wir einen ländlichen Eindruck von England. Immer wieder kommen wir an Mooringfeldern vorbei wo die Engländer ihre Segelschiffe und Motorboote stationiert haben. Schliesslich passieren wir die Orwell Brigde und gelangen zum West Bank Terminal des Port of Ipswich. Noch weiter fahren wir und lassen die Einfahrt des Locks des Hafens Steuerbord stehen. Nach ein paar hundert Metern machen wir Halt an einer engen Stelle des River Orwell und beginnen mit unseren Tellerwendemanövern. Nach diesen Übungen nehmen wir wieder Kurs zur Bucht in der die Mündung der beiden Flussläufe ist. Schliesslich tuckern wir friedlich ins offene Meer mit der Rolling Swiss II und bewegen uns nach der Vorbeifahrt am Nordquadranten Landguard und der gelben Tonne Pye End südwestlicher entlang der Küste. Nach etwa 6 nautischen Meilen gelangen wir in die nächste Bucht und folgen südlich dem Walt-On-Channel. Hier ist wiederum exakte Navigation gefragt. Wir haben die Gelegenheit die Seezeichen auf der Papierseekarte mit den elektronischen Angaben zu vergleichen und erkennen manchmal Unterschiede die unsere Fahrt mit dem Motorboot jedoch nicht beeinträchtigen. In diesem Flusslauf hat die Höhe des Pegels den Hochwasserstand noch nicht erreicht aber es genügt längstens für die Fahrt bis zur Titchmash Marina. Per Funk melden wir uns an und bekommen einen Platz zugeteilt. Nach dem Ankertrunk begeben sich Skipper und Crew ins Städtchen um Einkäufe zu machen und sehen sich ein wenig um. Nur der heutige Tageskoch bleibt zurück um sich der Vorbereitung des Menus zu widmen.

30.04.2014 Titchmash – Burnham on Crouch

Der heutige Tag beginnt gemütlich mit dem Morgenessen und den letzten Vorbereitungen zum Ablegen. Wir sind nach unserem Zeitplan in Bezug auf das Hochwasser ein wenig zu früh und nutzen die Gelegenheit wiederum ein paar Hafenmanöver zu machen. Etwa um 0930 UTC +1 fahren wir aus dem Hafen und navigieren mit Kurs nach Sicht (und selbstverständlich auch Seekarte) mit Hilfe der zusammengestellten Wegpunkteliste. Nach der Haufenausfahrt sichten wir eine Robbe die ihr morgendliches Bad nimmt. Die Passage durch den Flusslauf verläuft reibungslos und schon bald sind wir mit der Rolling Swiss II wieder aus der Bucht raus im offenen Meer. Unser nächstes Ziel sind die Gunfleet Sands Offshore Wind Farm Anlagen. Dort wollen wir uns mit der Thematik ums Ankern auseinandersetzen. Um diese Windkraftwerke im Wasser zu erreichen halten wir Fahrt bis zur rotweissen Tonne Pye End und wechseln für die nächsten 8 nautischen Meilen auf einen südöstlichen Kurs bis zur roten Tonne Wallet No2. Irgendwann überqueren wir die Seaward Limit und sind im Gebiet welches von der Port of London Authority kontrolliert wird. Als wir später an dem Feld mit den Windkraftanlagen vorbeifahren und unsere Fotoapparate und Handys (für Facebook und WhatsApp) in Gebrauch nehmen wird uns die Grösse und Höhe der einzelnen Stromerzeuger die im Wasser verbaut sind bewusst. Um knapp halb zwei Uhr setzen wir den Anker nahe des Windkraftfeld und machen gemütlich Kaffeepause für etwa eine Stunde. Die Sonne schaut sogar ein wenig hervor und die einen machen es sich bequem auf den Liegepolstern des Vorschiffes. Als wir weiterfahren merken wir jedoch schnell dass die Sicht nicht unbedingt besser ist nur weil die Sonne scheint. Im Gegenteil wir müssen sogar noch besser aufpassen damit wir die Seezeichen bis zur Bucht von wo der River Crouch in das Landesinnere einmündet erkennen weil es immer ein wenig blendet. Die kleine Flussfahrt verläuft ebenfalls gegen die Sonne bis zur Hafeneinfahrt von Burnham on Crouch. Wir sind ehrlich und müssen uns eingestehen dass dieser Sonnenschein unserem Gemüt gut tut und als wir unser Anlegemanöver am per Funk zugeteilten Kopfsteg vollzogen haben können wir den Ankertrunk draussen auf der Brücke geniessen.

1.05.2014 Burnham on Crouch – Gravesend

Was heute fast unmöglich scheint wird ist bereits Wirklichkeit. Es ist die navigatorische Herausforderung mit dem Ziel der Umrundung der Isle of Sheppey. Die Berechnungen sind gut vorbereitet und wir fahren gemütlich seit fünf vor sechs morgens mit der Rolling Swiss II den River Crouch den Seezeichen entlang aus der Bucht ins offene Gewässer. Das Zeitfenster für die Fahrt um die Isle of Sheppey ist ein wenig mehr als sieben Stunden. Zuerst aber nehmen wir einen südlichen Kurs und fahren nach etwa vier Stunden an den Maunsell Forts vorbei. Dies sind im Wasser versenkte Geschütztürme welche im zweiten Weltkrieg der britischen Admiralität zur Verteidigung der Küstenlinien diente. Vereinzelt sind diese Zeitzeugen noch vorhanden und geben der Szenerie etwas Gespenstisches. Es wird uns doch bewusst dass die Geschichte hier sehr gut present ist. Auf der Steuerbordseite sehen wir ein kleines Windkraftfeld. Kurz vor elf Uhr münden wir mit der Rolling Swiss II in den Swale River ein herum um das östliche Kap Shellness. Exakt folgen wir dem Flusslauf vorbei am Nordquadrant Faversham Spit. Auf den Hügeln neben dem Wattgebiet grasen Kühe deren Rasse wir nicht erkennen. Alte verlassene Industriehäfen und Schiffe deren Kapitäne die Gezeitenberechnung nicht richtig durchgeführt haben erinnern uns an die vergangenen Zeiten. Wir passieren vorsichtig seichte Stellen ohne Probleme. Die Brücke Sheppey Way bei der Kingsferry Bridge wird für uns nach Avisierung durch Funk geöffnet. Nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt um die kleine Insel gelangen wir durch die durch die Mündung des Medway Rivers in die Themse. Nach der gelben Tonne Sea Reach No 7 folgen wir etwa fünf Seemeilen dem Flusslauf und fahren vorbei an Containerterminals für die ziemlich grossen Frachtschiffe und steuern auf unser Ziel Gravesend zu welches flussaufwärts auf der linken Seite liegt. Nach einer Anfrage via Funk genehmigt man uns an der inneren Seite des Town Pier der Tilbury Ferry anzulegen. Das ganze Prozedere geschieht unter den Augen der neugierigen Passagiere die auf ihre Fahrt mit der Fähre warten. Ja die Schweizer machen das souverän und haben die Show „im Sack“. Danach macht ein Teil der Crew einen kleinen Landgang und schaut sich das Städtchen an. In einem Pub genehmigt man sich dann das erste Guiness an Land. Zurück auf der Rolling Swiss II warten bereits das Abendessen und die Navigationsvorbereitungen für den nächsten Tag.

2.05.2014 Gravesend – London Imperial Wharf

Morgens nach halb sieben werden die Motoren der Rolling Swiss II gestartet und wir legen mit dem Motorboot ab in Richtung London. Es liegen etwa knapp 30 Seemeilen vor uns bis wir das Ziel bei der London Imperial Wharf erreichen werden. Vorsichtig kalkulieren wir ungefähr 5 Stunden Fahrzeit mit 6 Knoten Geschwindigkeit. Nach den Tilbury Docks auf der rechten Seite fahren wir die erste Linkskurve um das Broadness Lighthouse herum. Bereits jetzt fahren wir unter der ersten Brücke durch (es ist die Queens Elizabeth II Bridge) und passieren die nächsten paar Verläufe der Themse. In der Nähe des Gallionspoint sichten wir wieder eine Robbe die im Fluss herumschwimmt. Wir steuern mit unserer Motoryacht vorbei an den Royal Victoria Gardens und North Woolwich. Dahinter liegen die King George V und Royal Albert Docks wo sich der City Airport von London befindet. Jetzt müssen wir das Thames Barrier durchqueren aber zuvor avisiert Matthias via Funk die zuständige Kontrollstelle welche uns die Erlaubnis geben muss. Die wird uns auch gegeben und die Gates wovon wir eines passieren müssen werden mit einer Lichtsignalanlage geregelt. Danach geht über uns die Hochseilbahn welche die Docklands mit dem bekannten O2 Area verbindet über die Themse. Uns fällt auf dass immer mehr Verkehr auf dem Wasser herrscht und müssen auf die vortrittsberechtigten Ferrys achten welche zwischen den Ufern der Themse hin- und herpendeln. Die Taxiboote auf dem hiesigen Gewässer sind mit bis zu 25 Knoten schnell unterwegs. Vorsicht und Aufmerksamkeit der Schiffsführer ist oberstes Gebot. Kurz vor der Tower Bridge funkt Urs die zuständigen Leute an für das Tanken der Rolling Swiss II. Wir legen bei der Fuel Barge an und warten auf den Tankwart. Auf dieser Fuel Barge ist es fast wie auf einem Kinderspielplatz für technisch interessierte Erwachsene. Durch die verstaubten Scheiben sehen wir ins Innere des Büros des Treibstoffverkäufers. Nichts ist aufgeräumt und Chaos total. Belege die vermutlich sorgfältig in Registern abgelegt werden sollten liegen auf dem dreckigen Boden herum. Nach über einer Stunde warten und Versuchen mit den Zuständigen Kontakt aufzunehmen legen wir in nicht mehr so guter Stimmung ab und fragen uns wo das Interesse der Betreiberfirma bleibt Geschäfte zu machen. Der Pegel des Hochwassers steigt und wir müssen unter den Brücken hindurchkommen bis zur Imperial Wharf. Zulanges Warten können wir uns nicht erlauben und so fahren wir unter den ersten Brücken (angefangen bei der Tower Bridge) durch. Bei einigen Brücken klappen wir die Antennen der Rolling Swiss II um damit alles gut geht. Vorbei am gigantischen Riesenrad von London dem London Eye auf der linken Seite und weiter vorne dem Big Ben auf der rechten Seite. Bei der Westminster Bridge befindet sich eine zweite Fuel Barge. Wir machen nochmals einen Versuch dort zu tanken nach langem Warten entscheiden wir uns wieder zu gehen. Weiter vorne kurz vor der Vauxhall Bridge fahren wir am unscheinbaren Gebäude des Secret Intelligence Service vorbei. Anlegen ist hier strengstens verboten und Fototermine werden auch keine gegeben ;-). Nach der besagten Brücke befindet sich auf der gleichen Seite die Saint George Wharf mit den schicken Riverside Locations wo die Geheimagenten nach Feierabend an ihren Martinis nippen und mit den ansässigen Damen Bekanntschaft schliessen. Nach weiteren Brückendurchfahrten erreichen wir die Einfahrt des Chelsea Harbour wo sich unweit davon der Landesteg der Imperial Wharf befindet. Der Hafenmeister ist bereits mit Funk von uns über unsere Ankunft unterrichtet worden. Er steht am Pier und winkt uns zu einem freien Platz. Dort machen wir unser letztes Anlegemanöver auf diesem Törn und binden die Rolling Swiss II fest. Wir freuen uns dass alles gut geklappt hat während wir unseren Ankertrunk geniessen. Später im Hafenbüro stellt sich doch eine gewisse Ernüchterung ein… keine sanitären Anlagen… kein geliebtes WIFI… aber teuer bezahlen für den Platz (rund dreimal so viel wie vorher in anderen Häfen!). Nach der Reinigung des Schiffes gehen wir am Abend in der feinen Gegend von Chelsea an der Kings Road uns einen Apero im Pub genehmigen und essen gut in einer interessanten Location wo viel Betrieb herrscht. Der Tag klingt aus und auf dem Nachhauseweg machen wir noch einmal Halt in einem Pub wo wir uns einen Schlummertrunk gönnen und über die vergangenen Tage plaudern.

Nachtrag

Es ist Samstagmorgen und die Taschen stehen gepackt auf dem Steg. Die neue Crew trifft ein und wir verabschieden uns von Urs der als neuer Skipper für den nachfolgenden Törn auf der Rolling Swiss II bleibt. Wir geben ihm genügend Geld mit um mit dem Motorboot zu tanken. Irgendwie ist es ärgerlich dass dies hier auf der Themse nicht geklappt hat obwohl es im Reeds gut beschrieben ist. Vermutlich ist dies aber eben auch eine Erfahrung die man als Seefahrer macht und einem hilft in einem anderen Fall anders und besser zu entscheiden. Als wir nun die Imperial Wharf und die Rolling Swiss II verlassen kommt die Sonne hervor und blendet uns noch ein wenig. Nach und nach verabschiedet sich einer nach dem anderen aus unserer Gruppe. Unterschiedliche Flughäfen oder Bahnstationen… wie dies so läuft nach einem Törn. Der Schreiberling selbst bleibt noch ein paar Tage hier und schaut sich die Stadt an. See you und gute Heimfahrt den anderen Crewmitgliedern es war cool mit Euch.


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