29.03. – 05.04.2014 Medemblik – Amsterdam

Skipper: Christoph
Crew: Jean-Paul, look Richard, pharmacy Martin B. und Martin C.

 

Kadertörn im Wattenmeer
 

Kadertörns fangen anders an als üblich: Man trifft sich auf etwas höherem Niveau und bespricht die Törnvorbereitung aus Sicht des Skippers, sitzen doch eben angehende Skipper da am Tisch. So kam auch die frühjahreszeitliche Temperatur zur Sprache und sogar Skibekleidung wegen Schnee wurde empfohlen. Für „Anfänger“, die noch nicht soweit sind, ist dies als Lehrstunde der höheren Art betrachtbar, geht es doch um die volle Verantwortung fürs Schiff und Besatzung.

Die B-Variante, zum Ausgangshafen zu kommen ist der Nachtzug. Dafür beginnt das Ganze nicht in einer Warteschlange am Flughafen sondern schon am Freitagabend auf dem Basler Bahnhof, wo man den Sack ohne Gewichtslimite im Schlafwagenabteil verstaut, um danach im durch die Nacht fahrenden Zug beim Bier noch Diverses besprechen zu können. Das Schaukelgefühl im Schlafwagenabteil ist eine gute Einstimmung auf das spätere Schaukeln des Schiffes. Ein kleines Frühstück vom netten Bordservice gebracht, später Umsteigen in den Regionalzug, dann einen Bus, ein kleiner Gepäckmarsch durch Medemblik und …die anderen sassen da schon bei stahlblauem Himmel in hellstem Sonnenschein beim Kaffee, da sie schon früher per Flugzeug gekommen waren. Laden, Einkaufen mit mehreren Einkaufswägelis quer durch den Ort und danach die Planung der ersten Etappe und das Notfallchecking waren Thema des Samstags.

Am Sonntag ging es „wie über den Bodensee“ zuerst übers Ijsselmeer, dann per Schleuse nach draussen ins Wattenmeer, und weil das Wetter gerade so schön war, halt nicht erst nach Harlingen nach steuerbord, sondern nach backbord nach Terschelling, was uns mit herrlicher Abendstimmung erwartete. Langsam wurde man aber auch gewahr, dass da, wo vorher noch Wasser war, es langsam braun wurde und sich die Wasserebene zunehmend in Land verwandelte. Es machte also Sinn, auf dem Tonnenstrich zu bleiben zwischen rot und grün. Sonst kann es „trocken“ werden.

Kadertörns haben nun einen erhöhten Lerneffekt, sodass jeder mit einem Vortrag drankam. So bestand dann der Abend mehr aus Theorie, auch noch für den praktischen Teil des Radarkurses samt anstehender Prüfung als aus Strandpromenade und ausgedehnterem Ankerschluck. Der fast leere Hafen bot am anderen Morgen ausgedehnte Zeit zum Drehen, vorwärts- und Rückwärtsrangieren und Anlegen mittels verschiedener Techniken, …

und zwar für jeden Teilnehmer stets das volle Programm. Es war auch Zeit dafür, denn mit ablaufendem Wasser zu fahren ist dieselsparender als gegenan. Wenn der Wind nicht gewesen wäre, man hätte an Sommer denken können. Am Abend in Harlingen nach Schleuse und Hebebrücke (nein, es kam kein Holzschuh geflogen) ging es dann wieder um Theorie und dann noch um einen Nacheinkauf, inklusive holländischer Apotheke.

Tags darauf lernten wir bei der Ausfahrt, dass der Grössenunterschied der Schiffe auf dem Wasser durchaus beeindruckender ist, als auf der Strasse. Während sich das Wattenmeer wieder in schönstem Blau zeigte, begrüsste das Ijsselmeer uns dann eher wieder mit Dunst.

Auf dem Rückweg Richtung Amsterdam entschied man sich für den Weg östlich der Flewoland-Insel, einem jüngst aufgeschütteten Stück Land, durch die kanalartige ehemalige östliche Zuidersee, die den Holländern schon sehr viel Aufwand abverlangt hat. Die heute abgeschlossenen Meeresarme des Ijsselmeers und des Markermeers konnten bei Weststurm enorme Wassermassen tief ins Land drücken und das ganze Land dahinter überschwemmen, mehr als in Hamburg 1962. Diese Wasser-Gewalt rechtfertigte jeden Bauaufwand und ist heute mehr noch als die Lawinenverbauungen in den Alpen die Lebensversicherung eines ganzen Landes.

Uns bot sich ein zu dieser Zeit noch weitgehend leeres Wasserparadies an mit Nächtigung in Elburg und Harderwijk. Nun galt es auch, die Nachteinfahrt nach Amsterdam vorzubereiten, kommen einem dann doch statt Schiffe Lichter entgegen, die sich erst im letzten Augenblick als schnellere und wesentlich grössere Riesen entpuppen, denen man doch eher ausweichen sollte. Durch das ständig nötige Auszählen der Blinkabfolge der Bojen war eine wesentlich grössere und gründlichere Kartenvorbereitung erforderlich.

Die Einfahrt in den Hafen Spakenburg gestaltete sich zu einem etwas Mut bedürftigen Prozedere, lagen doch beidseits alte holländische Fischerboote und die Gasse wurde immer enger – – bis es dann, diesmal rückwärts, wieder hinaus ging, natürlich mit entsprechendem Publikum.

Die Nachteinfahrt in Amsterdam benötigte nach dem Einschlaufen in die Hauptwasserstrasse mit den „grossen Pötten“ eine gehörige Aufmerksamkeit besonders auch nach hinten, war doch nicht jedes Licht auf der Karte auch im Wasser und umgekehrt. So manche Boje begrüsste einen erst beim Anstrahlen mit der Lampe mit ihrer farblichen Kennung.

Das Passieren der Oranje-Sluizen bei Nacht verlangte Funkanmeldung und dann halt das entsprechende Warten, bevor man dran kam.

Das nächtliche Anlegen im Six-Hafen gegenüber des Amsterdamer Hauptbahnhofs war dann wieder „Chefsache“.

Am Freitag ging es dann nach Ausschlafen ans Putzen und Checking der technischen Schiffsunterlagen, was durchaus etwas schwieriger war, galt es doch auch, den Ölfilter vom Dieselfilter zu unterscheiden, die netterweise auch noch nebeneinander montiert waren.

  Nach einem gediegenen Nachtessen im „veloüberfluteten“ Amsterdam mit reduzierter Crew, hat es doch schon einige früher weiter gezogen, kam es dann auch zur nötigen Bettschwere. Am anderen Morgen war noch zu packen, bevor ich dann solo per ICE von Amsterdam per Umsteigen in Frankfurt am Abend dann wieder in Basel eintraf. Das Schaukeln des Zuges war ein wohliger Ausklang dieses durchaus anspruchsvollen Törns, den man einem lernwilligen Anfänger nur wärmstens empfehlen kann. So schnell lernt man nie wieder so viel durch allseits kompetente Kollegen, d.h. Skipper-Anwärter. …auf diesem Törn auch in weitgehend alkoholfreier Atmosphäre.

Die Skiklamotten waren übrigens nicht nötig.

 

Martin, 6.6.2014


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