12.04. – 19.04.2014 Rotterdam – Antwerpen

Skipper: Florin und Peter
Crew: Paulette und Jürg

Binnen und Buiten in Holland und Belgien

Samstag, 12.4. Schiffsübernahme in der City Marina im Entrepothaven in Rotterdam.
Einkaufen im grossen Supermarkt, der den Namen „Jumbo“ zu Recht trägt. Dementsprechend dauert das Zusammensuchen der Waren nach Einkaufszettel so viel Zeit, dass der Skipper entscheidet, erst am Sonntag auszulaufen.

Sonntag, 13.4.  Rotterdam – Hoek van Holland – retour bis Abzweigung in die Oude Maas – Spui – Haringvliet – Willemstad (nicht das auf Curaçao …).
Interessante Fahrt auf der Nieuwe Maas und dem Nieuwe Waterweg durch den drittgrössten Seehafen der Welt (nach Shanghai und Singapur) mit seinen unzähligen Becken bis zum Europoort. Dank AIS und aktiviertem Radarreflektor wird unsere Fahrt von den verschiedenen Verkehrszentralen überwacht. Wir haben auch immer schön den entsprechenden, auf der Seekarte vermerkten VHF-Kanal eingestellt. So werden wir prompt einmal angerufen und gewarnt, dass aus einem der Hafenbecken gleich ein grosser Binnenkahn auslaufen werde. Und schon taucht er auf und dreht hinter uns ein
Nicht nur ein riesiger vollbeladener Tanker kommt uns bei Hoek van Holland bei der Mündung in die Nordsee entgegen, sondern auch beängstigend grosse Wellen, verursacht durch Strom gegen Wind und Kreuzseen. Sie werfen die Rolling Swiss II wie eine Streichholzschachtel hin und her, im Salon scheppert es gewaltig. Zum Glück entscheidet der Skipper umzukehren und Binnen weiterzufahren.
Nach einiger Fahrzeit biegen wir in die Oude Maas ein. Hier verkehren schier pausenlos Binnenschiffe in beide Richtungen.
Plötzlich werden wir per Funk angerufen. „Rolling Swiss – Rolling Swiss What is your intention?“ tönt es aus dem Lautsprecher. Nach einer kurzen Kommunikation werden wir höflich gebeten: „Please keep you on the green side …“. Was war der Grund? Der Schreibende hat eine Brückendurchfahrt steuerbord voraus mit zwei orange beleuchteten Lichtern als „Durchfahrt gesperrt“ interpretiert und daher die backbordseitige Durchfahrt anvisiert. Hoppla … für alle, die es auch nicht auf Anhieb wissen: Die zwei Lichter bedeuten „Durchfahrt hier, Mitte des Fahrwassers“. Schon wieder was gelernt. Nach einem raschen Wechsel auf die (nicht betonnte) „green side“ wird ein kurzer Funkspruch mit einer Entschuldigung an die Verkehrszentrale freundlich quittiert mit: „No problem at all, that’s our job“.
Nach der Durchfahrt der Spui und einem Teil des Haringvliets erreichen wir Willemstad.

Montag, 14.4. Hafentag in Willemstad
Wegen konstantem Starkwind (das Haringsvliet schäumt quer von Nordwest nach Südost) und einer Warnung vor Sturmböen mit Stärken 8 bis 9 und der Information des Hafenmeisters, dass ein Queren der Osterschelde bei diesen Umständen heikel sei, beschliesst der Skipper, heute einen Hafentag in Willemstad einzulegen.
Das Städtchen hat einen kleinen, aber sehr interessanten Stadtkern, mit vielen gut restaurierten Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es ist eine typisch holländische kleine Festungsstadt. Die Stadtbefestigung von 1602 hat sieben Bastionen, für jede Provinz der damaligen Republik der Niederlande eine. Sie wurde in den 1980er Jahren restauriert. (Quelle: Wikipedia).
Die sieben Bastionen sind aussen von einem Wassergraben und einem Damm umgeben. Dieser wird auf der Aussenseite mit einem weiteren Wassergraben geschützt.

Dienstag, 15.4.  Willemstad – durchs Volkeraak – Mastgat – Osterschelde – Verse Meer – Kanal van Walcheren – Middelburg
Eine schöne Fahrt durch die holländische Landschaft, einige Male „unterbrochen“ durch Schleusen, führt uns zum Kanal van Walcheren. Dieser verbindet die Binnenwasserstrassen bei der Seeschleuse in Vlissingen mit der Nordsee.
Middelburg liegt nördlich von Vlissingen auf der Halbinsel Walcheren, in der Provinz Zeeland. Im zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt von Middelburg schwer zerbombt. Das heute historisch wirkende Stadtbild basiert auf einer lückenlosen Rekonstruktion.
Hier möchten wir gerne im Binnenhaven festmachen. Wir stellen fest, dass die Brücke erst ¾ Stunden nach unserer Ankunft geöffnet wird und machen an einem Wartesteg fest. Später kommt der Hafenmeister und teilt uns mit, dass er die Brücke in der Vorsaison noch nicht öffne, dass wir aber am (gut gelegenen) Wartesteg übernachten dürften. Der Vorteil ist, dass wir am Morgen gleich ungehindert losfahren können.

Mittwoch, 16.4.  Middelburg – Zeebrugge – Breskens
Auf einer Strecke von 4 Seemeilen zwischen Middelburg und Vlissingen sind fünf Brücken und die Seeschleuse Vlissingen zu passieren. Statt der geschätzten Stunde dauert es zwei Stunden bis wir nach der Seeschleuse in die Mündung der Westerschelde einfahren können. Das Öffnen der Brücken geschieht nicht koordiniert, vor jeder müssen wir eine geraume Zeit warten.
Im betonnten Fahrwasser fahren wir bei ruhiger See und kaum Wellenschlag bis Zeebrugge, BEL. Wir verpflegen uns hier in einem Restaurant. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm, wir können draussen sitzen.
Die weitere Fahrt bringt uns zurück zur Mündung der Westerschelde. Gegenüber von Vlissingen machen wir in der Marina von Breskens fest.

Donnerstag, 17.4.  Breskens – Hansweert (Schleuse) – Wemeldinge
Wir fahren im betonnten Fahrwasser die Westerschelde hoch, Richtung Antwerpen. Eine interessante Fahrt. Immer wieder begegnen uns Seeschiffe und wir werden von Binnenschiffen überholt. Kurz bevor wir das Fahrwasser nach Backbord queren müssen um in die Schleuse von Hansweert einzufahren, werden wir von zwei Seeschiffen überholt, die bereits seit einiger Zeit hinter uns her gefahren sind und uns langsam aufgeholt haben. Wir fahren etwas ausserhalb des Fahrwassers, damit sie ungehindert passieren können.
Von der Schleuse erhalten wir über Funk Bescheid, dass wir hinter den Berufsschiffen einfahren können.
Nach einer ungefähr einstündigen Kanalfahrt erreichen wir die Marina von Wemeldinge. Vor dem Nachtessen haben wir die Gelegenheit das rückwärts Einfahren in eine Box bei böigem Seitenwind zu üben. Danke Florin, Du hast es nicht nur geschafft, mich ins Schwitzen zu bringen, sondern dank Dir ich habe auch eine Erkenntnis gewonnen, die mich nun punkto manövrieren (hoffentlich) weitergebracht hat! 

Freitag, 18.4.  Wermeldinge – Westerschelde – Antwerpen
Kurz nach 8 Uhr morgens verlassen wir Wemeldinge, damit wir die Marina in Antwerpen gegen Mittag erreichen. Nach dem Verlassen der Schleuse in Hansweert „kämpfen“ wir uns bei einer Gegenströmung von rund 3 Knoten die gewundene Westerschelde hoch. Wiederum eine sehr interessante Fahrt. Dort wo uns der Strom seitlich versetzt, gilt es aufzupassen, dass wir immer schön im betonnten Fahrwasser, wenn auch an dessen Rand, bleiben. Schnell würden wir sonst in die seitlich gut sichtbaren Untiefen vertrieben.
Um 1300 Uhr warten wir vor der Royerssluis um in den Hafen von Antwerpen zu gelangen. Zum Glück haben wir uns per Funk vorangemeldet. Wir erhalten die Nummer 7 zum Einfahren und brauchen nur etwa 10 Minuten hinter dem Berufsschiff Orion zu warten, bis die Schleuse geöffnet wird. Jetzt fahren von Steuerbord her 5 Binnenschiffe, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, in die Schleuse ein. Hinter der Orion haben wir noch als siebtes, letztes und kleinstes Schiff Platz. Es dauert lange, bis alle Schiffe ordentlich festgemacht haben, die Orion liegt sogar im „Päckli“ an einem grossen Tanker. Es ist imposant, mal so hochgeschleust zu werden.
Nun haben wir noch zwei Brücken zu passieren, um in die Marina zu gelangen. Drei Stunden haben das Schleusen und das Warten auf die Brückenöffnungen gedauert. Nach dem Diesel bunkern machen wir um 1600 in der Marina im Willemsdok fest.
Nun ist der schöne, abwechslungsreiche Törn leider zu Ende.
Ein ganz besonderer Dank gilt Paulette. Sie hat als gute Seele an Bord stets ausgezeichnet für unser leibliches Wohl gesorgt. Wir haben den Törn in einem bestens geführten fünf Sterne-Restaurant geniessen können. Merci beaucoup pour tout ton excellent engagement, Paulette!

April 2014 Peter


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