24.08.- 31.08.2013 Oslo – Oslo

Treffpunkt Marina Aker Brygge Oslo, decease äusserster (!) Steg, 09:00 Uhr

Das Schiff:
Rolling Swiss II, Trader 42, Länge 13.3 Meter, Breite 4.3 Meter, Tiefgang 1.2 Meter, ca 20 Tonnen, Halbgleiter mit zwei Cummins 380PS Motoren
Die Crew:
Andi, 48, Skipper, missionierender CCS Skipper
Max, 59, Skipper II, CCS Quereinsteiger, ein mit fast allen Wassern gewaschener Seebär, Oberst im Generalstab a.D. (Sägt nachts wie einer aus der Schwermetallabteilung)
Reto, 58, nicht ganz wertfrei kommunizierender Smutje
Paul, 59, Motorenverantwortlicher, Aufdränger von min. 250 zu fahrenden Meilen
Marco, 47, Bordkassenverantwortlicher (Kasse bis zum Schluss nur defizitär), Seemeilensammler und italienischer Prachtsgockel (keine Selbstaussage)
Charlotte, 33, Wetterfee, Speckmarie (nicht selbsternannt)

Samstag, 24. August 2013
Die Schiffsübergabe ist bereits in vollem Gange, die neue Crew trifft auf die Vorgängercrew und unsere beiden Skipper auf den Skipper der letzten Woche. Wir warten geduldig bis wir das Schiff betreten dürfen, verabschieden uns von der Crew und machen uns sofort ans Auspacken und Planen des Einkaufes. Paul und Reto übernehmen den Einkauf der Esswaren, Marco und Charlotte sind für die Getränke zuständig während Andi und Max die grobe Route planen und das Schiff checken.
Wir benötigen 55 Liter Wasser, 10 Liter Fruchtsaft und einige Liter Wein (ca. gleichviel wie Wasser ?) und Bier. Bedeutet; knapp 100 Kilogramm Getränke plus Esswaren für eine Woche, welche zum Schiff und somit zum äussersten, sehr bequem liegenden Steg geschleppt, gekarrt oder was auch immer werden dürfen. Kreativität ist also gefragt und so werden kurzerhand die Reisetaschen zu Einkaufswagen umfunktioniert.
Auch beim Verstauen der Vorräte sind innovative Ideen eine Hilfe wie zum Beispiel das Gemüselager in der Dusche einzurichten. Trotz der angenehmen Grösse der Yacht ist der Stauraum begrenzt. Nachdem sich alle eingerichtet haben beginnt Max mit der Sicherheitseinführung, erklärt die wichtigsten Hilfsmittel und lässt uns unsere Sicherheitswesten anpassen was mit einer Sichtkontrolle dieser endet. Das Wetter ist ein Traum, blauer Himmel, Sonnenschein und ein Meer das eher einem See gleicht; das Wasser wie Oel, wir hoffen mal es ist keins.
Das Ziel des ersten Tages ist es, in einer Bucht Namens Häyöbukta ca. 15 Seemeilen von Oslo entfernt zu ankern. Andi bespricht mit uns das Ablegemanöver anhand eines Modells was wir fasziniert verfolgen. Die Aufgaben werden verteilt und wir nehmen unsere Positionen ein. Andi am Steuer, Paul an der Bugspring in die wir eindampfen, Reto und Paul an der Heckleine, Marco und Charlotte fendern den Bug ab. So perfekt wie mit dem Holzmodell eingeübt, verlassen wir um 14:15 Uhr den Hafen und schippern durch den Oslofjord. Aufgrund des wunderbaren Wetters und der Tatsache dass es Samstag ist, sind einige Schiffe unterwegs und wir scherzen, dass es beinahe aussieht wie auf dem Zürichsee an einem der zwei schönen Sonntagnachmittage im Jahr. Mit 8 Knoten kommen wir gut voran so dass wir bald die Bucht erreichen und den Anker klarmachen sowie die Landleine vorbereiten. Paul bereitet das Dingi vor und fährt mit Max an Land, bewaffnet mit Felsnägel um die Landleine zu befestigen. Marco wirft auf Anweisung von Andi den Anker. Um 16:45 Uhr, beim zweiten Versuch und mit 50 Meter Kette hält der Anker, die Landleine wird auf der Klampe festgemacht und alle dürfen wieder an Bord kommen. Manöver geglückt, Ankerball gesetzt, Zeit also für den Ankertrunk welchen wir aufgrund des guten Wetters selbstverständlich auf Deck geniessen. Angeregte Diskussionen entstehen schon am frühen Abend, es wird viel gelacht, die Stimmung ist ausgelassen und das Seemannsgarn wird fleissig gesponnen. Zumindest bis Paul und Reto sich in die Küche begeben um das Abendessen vorzubereiten. Aus dem Innern des Schiffs dringen energische Stimmen, man unterhält sich über Salatsossen und ist eindeutig uneinig… Der Duft der auf das Deck weht stimmt jedoch zuversichtlich, dass dieses Abendessen trotzdem munden wird. Marco und Charlotte bereiten, mit Unterstützung von Max, die Navigation für den nächsten Tag vor. Dies wird ein langer Schlag von ungefähr 75 Meilen, da wir die grosse Strecke Richtung Süden hinter uns wissen wollen. Mit Andi suchen wir einen schönen Naturhafen bei der Insel Gluppö für die Übernachtung am nächsten Tag aus.
Das Essen ist fertig, der schicke aber überaus rutschige für eine Motoryacht höchst passende Designertisch auf Deck gedeckt, der Zapfhahn des Tetrapacks Wein bereit und wir beginnen mit dem Dinieren. Es gibt Salat mit Fertigsosse und Spaghetti mit wunderbarem, lange eingekochtem Sugo à la mode du chef dazu Parmesan. Es schmeckt allen und für kurze Zeit verebben die Gespräche bis alle satt sind.
Paul begibt sich mit dem Dingi an Land, vermutlich muss er etwas Abstand bekommen zur Salatsossen Diskussion. Charlotte und Marco machen den Abwasch und lauschen amüsiert den Geschichten an Deck.
Bis die Mannschaft schlafen geht ist die Sonne längst untergegangen und angesichts des frühen Tagwaches ist nicht klar, ob dies am Morgen noch immer als gute Idee erscheinen wird…
Reto hat die glorreiche Idee, die Nacht an Deck zu verbringen, richtet sich auf dem Bug ein, erscheint aber nach gefühlten 30 Sekunden mit seinen sieben Sachen wieder um der Kälte zu entkommen.

Sonntag, 25. August 2013
Die Abfahrt ist auf 6:30 Uhr angesetzt. Ein herrlicher Sonnenaufgang um 05.30 Uhr wird von den meisten genossen, welche schon aus der Wäsche zu gucken vermögen. Nachdem sich die Crew mit reichlich Kaffee und Frühstück gestärkt hat, wird die Landleine eingeholt und der Anker gelichtet. Bei Sonnenschein und ohne Wellengang fahren wir Richtung Süden auf dem Oslofjord und können dutzende von schönen Höckchen der Norweger sehen. Nachdem Retos Brille auf dem Bug gefunden wurde entdeckt Marco wenig später den Beutel des Schlafsackes und missbraucht diesen kurzerhand als Kopfbedeckung was für einige Lacher sorgt.
Die Herrschaften steuern das Schiff abwechselnd, immer wieder legen wir uns auf die Kissen am Bug, intern bekannt als Sonnenterrasse, und geniessen die ruhige Fahrt bei traumhaftem Wetter. Selbstverständlich wechseln wir vorbildlich die Gastflagge als wir die Grenze zu Schweden erreichen, bis wir schliesslich die Bucht bei der Insel Gluppö erreichen. Andi möchte dieses Mal Ankern wie es die Skandinavier tun, nämlich mit Heckanker und Landleinen vom Bug zum Land. Wir schmeissen den Anker und warten geduldig bis Max und Paul die Landleine befestigt haben. Schliesslich liegt das Schiff ruhig in der Bucht und wir können uns dem Ankertrunk widmen. Während in der Küche fleissig gekocht wird, nimmt Paul Charlotte mit auf einen Dingiausflug um die Umgebung auszukundschaften und auf den Felsen zu klettern um den Ausblick zu geniessen und von da oben ein paar Fotos der ruhig in der Bucht liegenden Rolling Swiss II zu schiessen. Wir essen Eintopf mit Gemüse und Reis, unsere Angewohnheiten in Punkto Getränke ändern wir bis anhin nicht. An Humor und Geschichten fehlt es auch heute nicht, man lernt sich besser kennen und spricht auch über „nicht-Seemanns-Dinge“ während man den Sonnenuntergang geniesst. Auch nach diesem langen Schlag finden wir den Weg ins Bett nicht vor Mitternacht, finden ihn schliesslich aber alle.

Montag, 26. August 2013
Wir legen am Morgen um 8.30 Uhr in Gluppö ab und fahren südlich durch eine ziemlich schmale Meerenge zwischen dem Festland und der Insel Hamburgö, welche Navigator und Steuerfrau fordert. Charlotte manövriert die enge Startpassage lediglich unter Motorensteuerung, also ohne Lenkrad und alle gewinnen den Eindruck, dass sie schon bald ein sicheres Gefühl für die Yacht erlangt hat. Max hat entschieden dass Charlotte diese Ausfahrt meistern soll, was ihr trotz mulmigem Gefühl und dank viel Geduld von Max schliesslich gelingt. Für die Mittagspause fahren wir in den Sannäsfjorden bis ganz ans Ende. Nachdem das Mittagessen aus einem kalten Buffet bestehend, verspeist ist, alles aufgeräumt und abgewaschen wird der Anker gelichtet und wir fahren in den Hafen nach Strömstad. Nach Anbringung der Wünsche in Bezug auf die Durchführung von Manövern durch die Crew von Gestern, fährt Paul das Anlegemanöver an den Steg. Wir befestigen die Fender, bereiten die Leinen vor und begeben uns auf unsere Positionen. Problemlos legt Paul längsseits am Gaststeg an und wir befestigen die Leinen. Nach Begutachtung der Leinenführung wird beschlossen, dass die Leinen noch einmal umgelegt werden müssen. Nach gefühlten 30 Minuten haben wir das perfekte Manöver verkompliziert aber zu aller Zufriedenheit abgeschlossen und können uns endlich dem Ankertrunk widmen. Allerdings erst nachdem Paul uns beim Hafenmeister angemeldet und die Gebühr bezahlt hat. Da der Wein langsam knapp wird und uns auch sonst einige Zutaten wie Balsamico und Olivenöl fehlen, machen sich Marco und Charlotte auf den Weg in die Stadt um diesem unhaltbaren Zustand Abhilfe zu verschaffen.
Es gestaltet sich nicht so einfach wie anfänglich gedacht, an die Lebensmittel kommen wir problemlos aber da Wein ausschliesslich in den staatlichen Weinmärkten verkauft wird müssen wir zuerst einen Einheimischen fragen wo sich der nächste Laden befindet. Er macht uns klar, dass der Systembolaget in der Nähe seit 18:00 Uhr geschlossen ist. Es befinde sich aber noch einer im Einkaufszentrum, immer der Strasse entlang der allenfalls bis um 19:00 Uhr geöffnet habe. Leider haben wir nicht gefragt wie weit draussen sich das „Shoppingsenter“ befindet… Es ist nämlich bereits 18:40 Uhr, uns bleiben also 20 Minuten und wir fühlen uns beladen mit den Einkäufen wie die Lastesel mit den Touristen auf Mykonos. Trotzdem marschieren wir los und nach gut 5 Minuten bleibt Marco auf Vorschlag von Charlotte in einem Park sitzen damit die schweren Taschen nicht noch weiter zu schleppen sind und Charlotte macht sich alleine auf den restlichen Weg. Von weitem ist zu sehen, dass der Systembolaget tatsächlich „erst“ um 19:00 Uhr schliesst. Ein Blick auf die Uhr macht einen Schlussspurt aber unumgänglich und zu einem der seltenen Momente Charlotte rennen zu sehen. Um 18:58 Uhr erreicht sie das Ziel, stürmt in den Laden und schon werden die Gitter runtergelassen. Gerade noch geschafft! Mit dem Wein bepackt geht es den Weg zurück der Strasse entlang was einigen Autofahrern einen etwas verwirrten Ausdruck entlockt.
Der Rückweg erscheint den beiden Lasteseln endlos. Wir erreichen das Schiff jedoch ohne Erschöpfungszustände und verstauen alles an Bord. Anschliessend wird das Abendessen vorbereitet, Schweinsschnitzel mit Tomaten-Mozzarella Salat und frischem Basilikum dazu Bratkartoffeln an Rosmarin mit frisch zubereiteter Sauercrème diesmal à la mode du Charlotte. Wir freuen uns wieder einmal zu duschen und über den ungewöhnlichen Duft von Shampoo und Duschmittel der in der Luft liegt. Da Marco im Übereifer, dafür korrekt, nach dem Einkaufsmarsch noch vor dem Essen duschen will, bleibt er der einzige der dies in der weit gelegenen Marina-Dusche an Land tut. Alle andern geniessen auf Antrag von Charlotte beim Skipper die Dusche in der Achterkabine, da ja genügend Wasser am Steg vorhanden ist. Nach dem Essen entstehen auch heute interessante Diskussionen welche teilweise etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen…

Dienstag, 27. August 2013
Bereits um 05:30 Uhr ist die gesamte Crew teilweise schon oder immer noch wach und Paul staunt nicht schlecht darüber, denn normalerweise ist er der Erste, was heute eindeutig nicht der Fall ist. Aufgrund der deutlichen „Verfrühung“ legen wir eine Stunde früher als vorgesehen um 7.30 Uhr im Hafen von Strömstad ab, fahren aus dem Fjord und bleiben in der Nähe der Landabdeckung Unterwegs passieren wir den Kanal zwischen den Inseln Nordkoster und Syd Koster. Die beiden Inseln sind mit einer automatischen Kabelfähre miteinander verbunden, welche die Inselbewohner selbst nutzen können. Da eine Inselbewohnerin soeben für den Früheinkauf mit dem Fahrrad und dem dazugehörenden „Bugkörbchen“ die Fähre kurzfristig gebucht hat und diese heftig gelb blinkt um den Vortritt von Links und von Rechts zu erzwingen, akzeptieren wir dies und warten die Überfahrt ab. Die Passage darf mit maximal fünf Knoten passiert werden und erfordert vom Navigatior und Steuermann maximal Konzentration. Für die Mittagspause gondeln wir in die Rösundbucht bei der Insel Otterön wo wir für rund eine Stunde vor Anker liegen und zur Feier des Tages die Buchtruhe mit dem Generator stören, um Spiegeleier mit Speck zu braten. Aufgrund des Übernamens Speckmarie ist auch nicht schwer zu erraten wer den Speck gebraten hat. Übrigens kommen alle Übernamen aus Retos kreativem Chreis-Cheib-Wortschatz. Allen hat‘s geschmeckt und nach dem Abwasch und einer kurzen Siesta geht’s wieder nordwärts und später Richtung Nordwest wo wir südlich von Syd-Koster in Arholmen in eine schöne Bucht reinrutschen. Die Yacht wird mit dem Heckanker mit 50 Meter Leine und zwei Landleinen gekreuzt am Felsen festgemacht. Anschliessend ist der Ankertrunk angesagt, Weisswein, heute wieder mal einiges mehr als gewohnt da Marco und Reto mittrinken und eine kleinere Diskussion über wertfreie Kommunikation nimmt ihren Lauf, als Reto zwei Einheimische, welche in einer kleinen Bucht weiterhinten ihre Segelyacht angelegt haben und zum Fischen mit dem Dingi raus fahren, seine ungefilterten Gedanken mitteilt. Das junge Pärchen hält kurz bei uns, um Ihr Erstaunen über die Distanz welche wir zurückgelegt haben müssen zu verkünden, als sie unsere Schweizer Flagge sichten. Der Skipper erläutert ihnen wie dies mit dem Clubschiff funktioniert und beruhigt die beiden, dass wir nicht selber den ganzen Weg von Basel unterwegs waren. Reto mischt sich nun in die heitere Unterhaltung ein und stellt trocken fest, dass er von weiterem dachte es handle sich bei dem Pärchen um zwei Rentner die Ihren Lebensabend geniessen. Die beiden nehmen es mit Humor und versprechen bei einer zu grossen Ausbeute beim Fischen uns allenfalls einen davon abzugeben. Weiter meint Reto zu Marco als dieser sich über die Mitteilungskünste von Reto lustig macht, dass er sich früher in der Lebensphase als italienischer Prachtsgockel sicherlich auch nicht sehr ausgesucht ausgedrückt haben möge.
Nach dem ausgiebigen Apéro wird der Menüvorschlag von Max gekocht, Fisch mit Tomaten, Zitronen und einem Schuss Pastis, als ob‘s nicht schon genügend Alkohol gegeben hätte. Das Essen ist vorzüglich und wird zum ersten Mal zu ein paar Takten Musik aus Pauls iPod genossen. Aus einem unerfindlichen Grund kommt die Idee auf, den Dieselverbrauch am nächsten Tag so richtig zu erhöhen. Die Crew ist sich einig und beginnt Hunderternoten zu sammeln indem halbstundenweise Speeden verkauft oder schon beinahe versteigert werden. Am Ende sind alle bereit eine halbe Stunde zu investieren und der Tagestörn kann umgeplant werden. Nach weiteren ausgiebigen Gesprächen geht die Mannschaft praktisch gleichzeitig um ca. 1.00 Uhr in die Kojen.

Mittwoch, 28. August 2013
Paul hat sein Versprechen eingehalten und für Charlotte die Milch aufgeschäumt was sie sehr schätzt und den Kaffee oder seit soeben den Cappuccino noch genüsslicher an der Morgensonne zu sich nimmt.
Um 8:45 Uhr, nachdem die Landleine eingeholt und der Anker gelichtet wurde legen wir ab. Das Wetter sowie die Stimmung ist wunderbar, alle sind zu Scherzen aufgelegt. Die Vorfreude darauf das Letzte aus dem Schiff herauszuholen tut sicherlich auch seinen Teil dazu. Andi fährt die Yacht aus der Bucht aufs offene Meer. Nach zweifacher Aufforderung durch das vorlaute Weib mit dem Übernamen „Speckmarie“ an Bord, legt er den Gashebel dann doch auf den Tisch und wir brausen mit rund 20 Knoten übers oder eben als Halbgleiter durchs Wasser. Der Lärm ist erheblich, der Dieselverbrauch steigert sich beinahe ins unermessliche, dafür kommen wir zügig voran und jeder der Lust hat, darf mal ans Steuer. Die Rolling Swiss II liegt gut im Wasser und lässt sich präzise lenken. Aufgrund des Tempos kommen wir schon bald in die Nähe des Festlandes wo wir das MOB Manöver üben. Jeder darf einmal die Markierungsboje ansteuern was alle mehr oder weniger mit Bravour erledigen so dass die Boje gerettet werden kann. Reto steuert das Schiff in die Bucht und fährt das Ankermanöver mit entsprechender Unterstützung durch Max. Schliesslich beenden wir unseren fünften Törntag bereits um13:45 Uhr, schliessen das Logbuch mit mittlerweilen total 238 Seemeilen ab und nehmen unser Mittagessen zu uns welches aus Toast und Unmengen von Zutaten besteht. Wir bemerken, dass uns das Brot ausgeht was Paul und Max dazu bringt in der Umgebung nach einem Laden zu suchen. Paul findet in ca. 2 Kilometer Entfernung eine Möglichkeit und macht sich mit Max auf den Dingi- und wie sich später feststellen lässt auch auf den Wanderausflug.
Während der Abwesenheit der beiden werden nach einer kurzen Siesta alle geschäftig, das Schiff wird gewischt, Berichte und Logbücher geführt nur Andi geniesst die Ruhe. Nach einigen Spekulationen ob Paul und Max sich verfahren haben, tauchen sie dann doch noch auf mit Brot und Milch. Es scheint als seien alle Crewmitglieder zum Äussersten bereit um ihre Aufgaben des Einkaufens zu erfüllen denn auch für das Brot und die Milch musste ein Weg von 4 Kilometern zurückgelegt werden. Das Foto des Ladens amüsiert uns alle. Das Wort Laden ist hier doch etwas übertrieben, Stand würde es wohl eher treffen. Etwas enttäuscht nimmt der Ladenbesitzer zur Kenntnis, dass er uns weder Eis noch eine Fahrradvermietung andrehen kann.
Es gibt Spaghetti Bolognese, gekocht vom italienischen Prachtgockel, der Speckmarie und dem Chreis-Cheibler. Um wieder einmal etwas Gesundes zu uns zu nehmen, machen wir einen Salat dazu.
Der Wind stellt ab und damit beginnt die Mückenplage mit einem Schlag. Bald flüchten wir ins Bootsinnere, führen noch einige Gespräche, trinken unsere Gläser aus und schaffen es für einmal uns vor Mitternacht in die Kojen zu legen.

Donnerstag, 29. August 2013
Paul ist wie immer der Erste und zuverlässiger Frühaufsteher. Marco beweist Mut und begibt sich um kurz vor 7 Uhr ins kalte Wasser um sich wieder einmal mit Shampoo vertraut zu machen, sich quasi eine „Dusche“ gönnt. Er ignoriert die Qualle, welche sich vorübergehend für die Nachtruhe an der Badeleiter festgekrallt zu haben schien und nun in ungefähr 1 Meter Abstand ihre Runden dreht. Aufgrund seines Gesichtsausdruckes während des zwanzig Sekunden dauernden Einschampoonierens, entscheidet Charlotte sich als Memme zu outen und es ihm nicht nachzumachen, es ist einfach zu kalt.
Auch heute Morgen verwöhnt Paul mit aufgeschäumter Milch ? Nach dem Frühstück übernimmt Marco das Steuer auf Befehl des Oberst und wir lichten den Anker. Plötzlich taucht Andi in der Führerkabine auf und sagt etwas von einer Leitung und dass er den Bootshaken benötigt. An unserem Anker hängt eine Leitung mit einem Durchmesser von ca. 12 cm. Wir vermuten dass es sich um eine Wasserleitung handelt und werfen sie zurück ins Meer. Da von den umliegenden Häusern noch keine Eingeborenen mit einer Schrotflinte auf uns zielen, gehen wir davon aus, dass wir der Leitung keinen Schaden zugefügt haben. Nun kann es endlich losgehen.
Das Boot wird von Marco durch engste, mit Untiefen gespickte Stellen entlang des Langärsund gesteuert, unter navigatorischer Anleitung von Max. Nach rund zwei Stunden ist dieser äusserst lehrreiche „Parcours“ durchlaufen und mit anfänglichem Kurs von rund 74 Grad und später 350 Grad wird die Rolling Swiss II abwechslungsweise den Oslofjord Richtung Norden gesteuert, wo der Linienschiffverkehr wieder merklich zunimmt und der rege Fährschiffbetrieb zwischen Horten und Moss eine gute Übung zur Einschätzung des Kollisionskurses, oder eben nicht, ergibt.
Um ca. 18.00 Uhr versucht die Mannschaft in der Havittingbukta an der Südspitze der Insel Jeloaya zu Ankern. Nach zweimaligem erfolglosem Versuch bei einer Wassertiefe von gut 20 Metern entscheidet der Skipper, dass zwei Landleinen gelegt werden, eine östlich die andere westlich, so dass die Yacht ruhig vor einer kleinen Bucht zu liegen kommt. Zur Feier des letzten Ankertrunks geniessen wir den von Reto offerierten Portwein, welcher ursprünglich mal für ein original italienisches Zabaione vorgesehen war, alle sind der Meinung, dass der Porto so fast noch besser schmeckt. Zum Nachtessen geniessen wir einen gemischten Salat und anschliessend ein Curry-Eintopf mit Reis. Obwohl noch einige Liter Rotwein an Reserve gehortet sind, hält sich die Mann- und Frauschaft gesittet zurück, sollen unsere Nachfolger doch auch noch was davon haben.

Freitag, 30.8.2013
Um 0800, nach einem kurzen Frühstück, legen wir bei ruhiger See und bewölktem Himmel für die letzten knapp 30 Seemeilen von der Bucht ab und steuern so direkt wie möglich durch den letzten Teil des Oslofjord die Rolling Swiss II in Richtung Marina in Aker Brygge. Im Hafen vor der Marina wird die Yacht betankt, wobei nun allen klar wird, was so ein Speedtag für Konsequenzen nach sich zieht. Gut 10‘000 Kronen finden in den beiden Dieseltanks Platz, wobei das Auffüllen des Dingitanks mit knapp 60 Kronen dagegen ziemlich lächerlich erscheint. Man fragt sich unwillkürlich, ob wir vielleicht nicht eher ein paar Meilen mehr mit dem Dingi hätten zurücklegen sollen. Nachdem wir anschliessend um ca. 12.30 Uhr zuerst längsseits an der Aussenmole angelegt hatten, weisst uns der Hafenmeister einen ruhiger Platz im Innern des Hafens zu. Dabei kann Andi als erfahrener Skipper seine Manövrierungskünste unter Beweis stellen, indem er die Yacht rückwärts, längsseits am Innensteg unmittelbar zwischen anderen Yachten präzise anlegt. Leider ist dieses Musterbeispiel nicht in Bildern festgehalten worden, es gilt demnach die Überlieferung in Wort und Schrift.
Für einen Anlegertrunk ist es noch eindeutig zu früh, zu dem erwartet die Mannschaft die schönen Seiten des Yachtlebens, nämlich die Abschlussarbeiten auf dem Schiff: Reinigung Innen und Aussen, Logbücher abschliessen, Schlusskontrolle der Motoren, Bestandesaufnahmen, Abfallentsorgung und das Qualifikationsgespräch für jeden einzelnen.
Nach auch diese Aufgaben gemeistert worden sind und nun jeder klar im Bilde ist wo seine Stärken und Schwächen liegen in einer Seemannschaft, ziehen wir für unseren letzten gemeinsamen Abend frisch geduscht los. Der Abend beginnt auf dem Floss-Restaurant Lekter’n feucht fröhlich und wird zunehmend spendabler. Im Anschluss an den ausgiebigen Apéro, standesgemäss auf See, wenn auch lediglich auf einem festgemachten Floss, geniessen wir ein feines Nachtessen im nahegelegenen Restaurant. Zu fortgeschrittenen Stunde wird Marco charmant aber bestimmt von einer Gruppe reiferen „Lady’s“ bedrängt, wobei es sich lediglich ums Zigarettenschnorren handelt. Nach einem ausgiebigem Wortwechsel zwischen uns und den Damen, wird kurz mit dem Gedanken gespielt diese Sechsergruppe auf die Yacht zur Vernichtung des restlichen Weins einzuladen, was aufgrund der bis dato gemachten Beobachtungen mit Sicherheit eine Kleinigkeit für die Damen gewesen wäre. Aus Platzgründen ? auf dem Schiff, wird jedoch darauf verzichtet und die Mannschaft lässt den letzten Abend mit den gewohnten ausgiebigen Gesprächen und einem letzten Glas Wein ausklingen.

Samstag, 31.8.2013
Die Frühaufsteher versammeln sich um 7.30 Uhr für ein gemeinsames Frühstück in einem nahegelegenen Hotel in der Aker Brygge. Charlotte und Marco geniessen für einmal das Ausschlafen bis um 8.30 Uhr.
Nachdem alle gepackt haben und die Yacht für die Nachfolgemannschaft bereit steht, treffen diese pünktlich um ca. 9.30 Uhr ein. Die Skipper setzten sich für die Übergabe zusammen und ironischerweise beginnt es bei der Übergabe, das erste Mal diese Woche, wie aus Kübeln zu schütten. Dabei verzieht sich die neue Mannschaft ins Schiff und wir suchen in der Nähe ein Kaffee, um den letzten Tag in Oslo zu planen. Wir hoffen für die Neuankömmlinge, dass sie nach der unfreundlichen Begrüssung des Wetters ebenfalls einen traumhaften Törn erleben mögen.


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