16.08. – 24.08.2013 Kristiansand – Oslo

Skipper: Werner
Crew: Christian, click Paul, Josef, Thomas

Meilen- und Ausbildungstörn mit viel Abwechslung

Nach einer guten Törn-Vorbereitung traf die Crew frühmorgens am Flughafen in Zürich ein. Die Erwartungen unter den Teilnehmenden waren sehr unterschiedlich; besonders die äusseren Bedingungen im Norwegischen Skagerrak, die wir zu erwarten hatten, gaben Anlass zu allerhand Spekulationen.
Nach einem ruhigen Flug nach Oslo übernahmen wir am Flughafen unser Mietfahrzeug, einen Volvo-Kombi. Ein Ereignis, das den mitgereisten Volvo-Fans bereits ein sicheres Gefühl für die Reise gab!
Der Regen im hohen Norden hat uns bereits am ersten Tag eingeholt. Mit der Schiffsübernahme in Kristiansand regnete es so heftig, dass wir raschmöglichst die Wetterdaten für die kommenden Tage konsultieren wollten. Zuversicht herrschte sobald klar wurde, dass wir besseres Wetter erwarten durften.
Christian und Josef machten sich auf für den Grosseinkauf, d.h. die Einkaufsliste war ausgelegt für 5 Tage autonomes Motoryachtfahren in den Norwegischen Fjorden. Nur das Feierabendbier war nicht im Einkaufskorb, denn in Norwegen gibt es ab 15.00 Uhr keinen Alkohol mehr im freien Verkauf.
Nach der Schiffseinführung und dem Verstauen der persönlichen Utensilien, liessen wir es uns bei norwegischen Lachs im nahegelegenen Hafenrestaurant gut gehen.

Was für eine Begrüssung am kommenden Morgen! Bei tiefblauem Himmel und strahlendem Sonnenschein absolvierten wir die ersten Hafenmanöver, um uns mit unserer Motoryacht vertraut zu machen. Danach liefen wir aus und genossen die ersten Wellen auf offener See!
Sicherheit, Navigation, Wetter, Steuern und vieles Mehr, unser Skipper Werner forderte uns „Grünschnäbel“ in allen Variationen. Die Theorie und die Praxis sind halt doch zwei Paar Schuhe und es zeigt sich einmal mehr, Erfahrung und Training sind unabdingbare Kriterien für die erfolgreiche Schiffsführung. Es sollte die ganze Woche eine tolle Erfahrung für alle Teilnehmenden werden, als Team zu funktionieren und als Bereicherung für sich persönlich, an einem aussergewöhnlichen Törn teilgenommen zu haben.

Von Kristiansand nach Grimstad absolvierten wir problemlos die ersten 29sm. Der Wind frischte auf, da uns eine Kaltfront angekündigt wurde. Mit sicherer Hand steuerte Werner uns an den Hafensteg, und zwar eiskalt berechnet in die Pole-Position, so dass die Hafen-Webcam uns ins Bild nehmen konnte.

Grimstad ist ein kleines Nest mit ca. 2500 Einwohnern. Nach einer kurzen Erkundung des Ortes beschlossen wir, den Sonntag hier im Hafen zu verbringen und die angekündigte Sturmfront über uns ziehen zu lassen. Dafür liessen wir es uns kulinarisch gut gehen. Die Crew hat sich mit einem vorzüglichen Essen auf dem Schiff selber bekocht.
Mit den ersten Eindrücken einer Seereise beendeten wir den Tag mit dem in der Zwischenzeit eingetroffenen Alkohol. Das Bier schmeckt auch in Norwegen vorzüglich.

Am Sonntag weckte uns die stürmische Wetterfront mit starkem Wind und heftigem Regen. Die Entscheidung war richtig, bei dem Wetter haben wir Neulinge nichts zu suchen auf dem grossen Wasser. So beschlossen wir, trockene Ausbildung zu machen und haben das Schiff bis in den letzten Winkel kennen gelernt. Dass keine Volvo-Motoren im Bauch des Schiffes zu finden waren, tat der Sache jedoch keinen Abbruch.
Am Nachmittag hat sich das Wetter beruhigt und wir machten uns zu Fuss auf, den höchstgelegenen Aussichtshügel des Dorfes zu erklimmen. Die Aussicht war grandios und hat uns das Bild der norwegischen Küsten bestätigt: Wunderbare, raue Landschaften mit Felsformationen, Inseln und Hügeln, umgeben vom kalten, dunkelblauen Wasser.

Nachdem wir damit bereits unseren Ruhetag eingezogen haben, waren alle in freudiger Erwartung, dass es am Montagmorgen in der Früh wieder losging. Nach einem gekonnten Ablegemanöver machten wir uns der Küste entlang auf mit dem Tagesziel Kragerö. Nach 8 Stunden und 53 sm weiter, erreichten wir den Hafen und fanden problemlos ein schönes Plätzchen. Ein wunderbarer Hafen, eingebettet in die typischen farbigen Häuser, ganz grosses Hafenkino!
Paul und Christian wollten noch vor dem Nachtessen mit dem Dingi eine kleine Hafenrundfahrt machen. Die Einwasserung ging problemlos, das Ablegen auch, bis…bis man merkte, dass ohne Benzintank auch der beste Motor nicht funktioniert. Dafür konnten die beiden Ruder ausgiebig getestet werden…

Nach einem wunderbaren Nachtessen, Aelpler-Maggaroni nach Solothurner Art, genossen wir den Sonnenuntergang und die traumhafte Kulisse um uns herum.

Dass dies kein Ferientörn war bemerkten wir spätestens am dritten Tag mit Aufstehen um 05.30 Uhr. Das morgendliche Ritual bis die ganze Crew gestärkt, das Schiff bereit zum Ablegen und die Leinen losgemacht werden konnten, beanspruchte problemlos zwei Stunden.

Anschliessend machten wir uns durch das Kragerö-Fjord wieder aufs Meer hinaus. Aufgrund der guten Wetterbedingungen nahmen wir Kurs auf Schweden, quer durch den Skagerrak. Mit Rückenwind und moderatem Wellengang liessen wir uns die Reise gut gehen. Josef genoss die Sicht ohne „Land“ und stellte sich die Seefahrt auf den Weiten des Meeres so vor.
Nach der problemlosen Tagesfahrt, 8 Std. und 57 sm später, kam der Hafen zwischen den Schären von Strömstad näher. Dass die Einfahrt und das Anlegen bei diesen Windverhältnissen nicht ganz einfach wurden, zeigte sich bald. Rasch musste ein entsprechender Platz und eine Entscheidung getroffen werden, bevor das Schiff sich in eine missliche Position verschiebt. Das Anlegemanöver gelang und wir konnten uns an bester Fussgänger-Front-Zone festmachen. Dass an jedem Hafen andere Festmacher und Hafenanlagen die Crew zu überlegtem und schnellen Handeln zwingt, macht die Seefahrt schliesslich spannend.
Nach den kurzen Hafenformalitäten und den allgemeinen Schiffsarbeiten, verliessen wir das Schiff und machten uns auf den Weg zu einem vorzüglichem Fischrestaurant mit Blick auf das Meer, da wo wir herkamen…die „jungen Männer“ und das Meer.
Shrimps und Tuna-Fisch vom Grill gaben uns Kraft und Eiweisse für die nächsten Tage auf See. Nach dem wir den weiteren Verlauf der Reise als Gruppenaufgabe auf den Karten festgehalten haben, ging es in die Kojen zum verdienten Schlaf.

Bei leichter Bewölkung aber mit warmen Temperaturen über 20°C ging es am Morgen den Schären entlang in Richtung Norden. Tagesziel war der Eingang zum Oslofjord, so dass wir die letzten beiden Etappen wetterunabhängig in der Nähe von Oslo waren.
Unser Skipper Werner lies uns alle mal kurz aufs Gaspedal drücken. So konnten wir mal spüren, was die 2×380 PS hergeben. Doch der Spuck war schnell vorbei, den Dieselverbrauch wollten wir nicht unnötigerweise in die Höhe schnellen lassen.
Kurze Zeit später, die Crew war wieder auf Kurs und ahnte nichts böses, wurde „Mann über Bord“ ausgerufen. Es kam kurze Hektik auf bis allen klar wurde, dass es sich zwar um eine Übung handelte, sie aber durchaus ernst zu nehmen war. Nach kurzem Wendemanöver und Instruktionen konnte der „MOB-Fender“ wieder an Bord genommen werden. Nach der entsprechenden Manöverkritik wurde jedem bewusst, dass solche Manöver im Theoriebuch zwar eindeutig sind, im rauen Alltagsleben auf See seine Eigenheiten haben, auf die es zu achten gilt.

Der Tag verlief nach dieser Ausbildungsrunde ruhig. Wir machten Abstecher durch die wunderbare Schären- und Felslandschaften und kamen in die Gegend von Moss. Die Kleinstadt Moss hat eine grosse Fährverbindung über das Oslofjord. Der rege Schiffsverkehr war für uns spannend und das Anlegen im Verbindungskanal zum Jachthafen war für Christian eine gut lösbare Aufgabe.

Das Städtchen Moss bot uns nicht so viel, so dass wir es uns auf dem Schiff gemütlich machten. Josef und Paul bereiteten uns ein vorzügliches Nachtessen aus der Bordküche vor. Der Schiffstag mit einer Fahrzeit von 5 Std. und 38sm ging mit einem Bier in der Hafenkneipe von Moss zu Ende.

Startklar verliessen wir am anderen Morgen die Fährstadt Moss und bewegten uns weiter in Richtung Norden. Die See im Oslofjord war extrem ruhig, fast schweizerische Binnenseeverhältnisse. Das Wetter blieb hervorragend sommerlich; wunderbare Schiffe kreuzten unseren Weg, die Navigation war nicht allzu schwierig und trotzdem blieben wir auf der Hut, da eine Grundberührung unbedingt zu vermeiden war.

Nach ein paar Stunden Fahrt erreichten wir eine romantische Bucht Sandspollen, die uns für die kommende Nacht als Ankerplatz dienen sollte. Nach einer weiteren Erkundungsfahrt am Nachmittag kehrten wir an diesen Platz zurück und ankerten über dem unbekannten Fels- und Schlammgrund.
Dass nicht alle an unserem Ankermanöver Freude hatten liegt in der Sache der Natur, bzw. an unserem Dieselmotor, der die immense Ruhe im Fjord doch empfindlich unterbrach.
Nach einem wunderbaren „Wochenrückblick-Gratin“ aus dem Backofen genossen wir die grandiosen Farben und Spiegelungen im See und der Sonnenuntergang mit den warmen Temperaturen übertraf alle Erwartungen an das „raue“ Klima von Norwegen.

Am nächsten Tag waren wir wieder die Ersten, die aus der Bucht ausliefen und diesen herrlichen Platz hinter uns liessen. Wir haben schliesslich einen Meilen-Törn gebucht und nicht ein Ferien-Törn!

Unser Ziel am heutigen Freitag war Oslo. Der Hafen mit seinen Kreuzfahrtschiffen vor Anker war bereits früh auszumachen. Zusammen mit grossen Fährschiffen näherten wir uns vorsichtig und genossen das Treiben vor dem Hafen.
Bevor wir allerdings in unseren vorreservierten Platz anliefen, machten wir an der Tankstelle halt. Der Dieselverbrauch blieb moderat, d.h. wir haben uns im langjährigen Verbrauchsdurchschnitt der Rolling Swiss gehalten.

Nach einem gekonnten Anlegemanöver an bester Lage im Hafen von Oslo-City genossen wir die Aussicht. Nebst unglaublich schönen Booten fielen uns auch die vielen hübschen Studentinnen auf. Wallendes blondes Haar, Hot-Pants und grosse Sonnebrillen, wir sind definitiv im hohen Norden an unserem Ziel angekommen!

Doch wir wurden bald wieder von unserer Schiffsarbeit eingeholt. Das Schiff wurde für die Übergabe am Samstagmorgen klar gemacht. Eine Schiffsreinigung innen und aussen stand bevor. Nach 3 Stunden Arbeit wurde das Werk vollbracht. Die Schiffs- und Reisepapiere wurden von unserem Skipper Werner nachgetragen, so dass wir pünktlich auf das Nachtessen an Land fertig waren.
Ein gemeinsames letztes Nachtessen an Land sowie mit einem Rückblick auf die tolle Woche beendeten wir den Abend an der Hafenbar.
Unser Ziel von 250 Seemeilen haben wir übertroffen, bei insgesamt besten Bedingungen und einer tollen Seemannschaft haben wir eine unvergessliche Woche im hohen Norden erlebt. Rückblickend ohne Unfall und Schaden, ohne kritische Situationen und mit Wetterbedingungen, die jederzeit beherrschbar und kalkulierbar waren.

Vielen Dank an die teilnehmende Crew und ein grosser Dank an unseren Skipper Werner für die umsichtige Schulung auf hoher See!


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