Törn 2. – 7.9.2017: Göteborg

2.9.2017

Göteborg, die Perle der Westküste Schwedens, begrüsst uns bei bestem Wetter. Die kleine lebendige Grossstadt mit ihrem nordischen Charme, ist unser Ausgangshafen, für einen spannenden Nordseetörn durch die faszinierende Landschaft der schwedischen Schären. Nach Eintreffen der Crew und erstem Kennlernen sind die Aufgaben schnell verteilt. Im nahegelegenen Supermarkt sorgt die Aufgabe des Einkaufs der «ungesalzenen Butter» für heitere erste Sprachunterrichte in Schwedisch. «osaltat» heisst das Zauberwort. Velkommen in Schweden. Während sich die Crew beim Einkaufen und Einkaufswagen schieben amüsiert, sind die Skipper fleissig dabei anstehende Schiffsreparaturen zu erledigen. Kein Kabel, kein Stecker und keine lockere Schraube ist mehr sicher vor dem Einsatz der fachkundigen Skipper. Der Abend lädt ein zum Schlendern durch die Stadt, mit Abschluss eines Abendessens, welches man sich aufgrund der eher knappen Auswahl an lokalen Restaurants zuerst verdienen muss. Mit einem Soft-ice im Bauch auf dem Heimweg endet der erste Tag zu aller besten Zufriedenheit.

3.9.2017

Nach einer professionellen Sicherheitseinweisung und Zuteilung der Aufgaben legen wir gegen Mittag in Göteborg ab. Das Auslaufen aus Göteborg wird bestimmt von zahlreichen Betonnungen, eine navigatorische Herausforderung. Mit Kurs Nord fahren wir direkt in die felsige Landschaft der Schären. Eine Inselwelt erbaut aus Steinformationen in allen Farbschattierungen, bewachsen mit Buschwerk und Graslandschaften in sattem Grün. Mystisch scheint es, einzelne Häuser brechen die Einsamkeit kontrastreich am Ufer gelegen. Gegen Abend liegt die Rolling Swiss II im Hafen Skärhamn in den letzten Strahlen des goldigen Abendlichtes. Skärhamn imponiert am Ufer gelegen mit moderner in die Landschaft eingeflochtener Kunst. Die Sicht auf Skulpturen aus Holz im Meer, kunstvoll angelegte Holzstege machen den Küstenspaziergang zu einem besonders schönen Erlebnis. Nach ereignisreichem Tag schläft es sich wunderbar im ruhigen Hafen auf unserer mit allem Komfort ausgestatteten Motorlady.

4.9.2017

Nach Ablegen in Skärhamn tauchen wir in die Weite der Fjorde ein. Die See Passagen sind breit mit ruhiger See, trotz langsam zunehmender Bewölkung und Wetterverschlechterung. Inseldörfer ziehen an uns vorbei mit strahlend weissen, und typisch rot- gelbgetünchten Häusern. Unzählige charmante Terrassen und Bootsanlegestellen bestimmen die Landschaft. Zielhafen ist Ellös, ein verschlafenes Dorf ohne grosse Infrastruktur. Da sich die Einkaufsmöglichkeit nicht in Hafennähe befindet, werden nach legis arte die Einkäufe per ausgeliehenem Einkaufswagen direkt zum Schiff gefahren. Spontan startet ein Zweimann Einkaufswagenrennen durch die Strassen von Ellös. Der Chauffeuse des entgegenkommenden Buses muss sich ein äusserst amüsantes Bild erboten haben, als die Herren halbliegend in Querlage die Strassen auf den Einkaufswagen im Duett heruntergedüst sind.  Ellös scheint auf Anhieb unspektakulär. Jedoch bietet es für alle Schiffliebhaber einen verborgenen Leckerbissen. Die Hallberg-Rassy Werft. Nach dem Motto «wer nicht wagt gewinnt nicht», melden wir uns selbstbewusst an der Rezeption der Werft mit der Bitte um eine Besichtigung. Zu unserem grossen Erstaunen werden wir sehr freundlich und umgehend in die Produktionshallen geführt. Riesige Holzkonstruktionen ummanteln die Schiffsrümpfe, welche zum Innenausbau in den grossen Hallen fachmännisch ausgestattet werden. Bis ein Jahr werde benötigt zur Finalisierung, und nur gegen Auftrag und Vorbezahlung, alles Handarbeit, die Umsetzung von Sonderwünsche im Innenausbau und der Ausstattung gehören dazu.

5.9.2017

Das sommerliche Wetter hat sich definitiv verabschiedet. Grau in grau mit Wind aus Nordost eignet sich der heutige Tag für ein Crewtraining. Der Tag beginnt mit dem Üben von Hafenmanövern, das Landen am Steg, Eindampfen in die Spring. Unterwegs scheitert ein erster Versuch eines Ankermanövers aufgrund des felsigen Grundes. Der Gute Wille zählt, auch das ist eine Erfahrung wert. Mit Ziel Uddevalla, erwartet uns kommend aus einer stillen Inselwelt, ein Industriehafen einen erheblichen Szenenwechsel. Vor uns liegen Silos, ein kleiner Industriehafen zeichnet sich ab, unter strömendem Regen wirkt es nicht sehr einladend. Wenigstens hat die zentrale Lage auch ihre Vorzüge. Bei dem feuchten Wetter sind alle froh ein gemütliches Restaurant in kurzer Fussdistanz zu erreichen.

6.9.2017

Spannung liegt in der Luft. Für drei Crewmitglieder ist heute in grosser Tag. Nur noch 9 Seemeilen bis zur offiziellen 100sten Seemeile, welche für den Hochseeausweis benötigt wird. Um 1225 Uhr bei 58°16,17N / 011°49,25E schallt es aus den Lautsprechern, Neptun wird gewürdigt, drei neue Skipper sind getauft. Dank Erfindergeist sind wir auch am Nachmittag bei zunehmend schlechter Sicht sicher unterwegs. Dies liegt bedingt durch Starkregen und Feuchtigkeit an der Herausforderung die Scheiben vor ständigem Beschlagen zu bewahren. Ä la Daniel Düsentrieb wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Fön in exaktem Winkel festgezurrt und voilà die Swiss Rolling II hat eine gut improvisierte Frontscheibenheizung und der Steuermann gute Sicht. Sicher treffen wir im Hafen von Stenungsund ein.

7.9.2017

Der Hafen von Stenungsund liegt direkt am Einkaufszentrum. Das erlaubt morgens den Luxus von knusperig gebackenen Brötchen und frisch gepresstem Orangensaft zum Frühstück. Übrigens keine Selbstverständlichkeit für ein Frühstück um 0900 Uhr, da die meisten Geschäfte bis anhin erst nach 1000 Uhr ihre Tore geöffnet hatten. So langsam sind wir ein wenig vertraut mit den hier offenbar saisonalen sowie schwedischen Eigenheiten. Wein ist Mangelware, Süsses ist in allen Versionen überall kiloweise erhältlich, sehr zur Freude einiger Crewmitglieder. Restaurants mit schwedischer Gastronomie sind eine Seltenheit. Das Smörebröd würde sich eher in der heimischen Ikea finden als in unseren aktuellen Breitengraden. Die markierten Präsenzzeiten der Hafenmeister scheinen in einigen Fällen nur noch der Dekoration zu dienen. Umso mehr kommen wir auf die Kosten idyllischer Landschaften und malerischen verlassenen Dörfer. Einige hätten schon fast die Bezeichnung Ghost Town verdient. Diese Umstände sind bei der Hafenwahl auch heute eine Herausforderung. Erst nach drei angelaufenen Häfen werden wir fündig. Umso mehr werden wir belohnt mit einem bis anhin noch nicht dagewesenen Landschaftsbild. Eine majestätische Burg thront in höchster Lage direkt vor unserem Hafenplatz.

Johannes Münger


Törn 26.8. -01.9.2017: Oslo – Göteborg

CCS Törn 08/2017/35 auf der Rolling Swiss II von Oslo nach Göteborg

Mannschaft:
Skipper 1: Richard Lebeda, Skipper 2: Benito Torres, Crew: Daniel Hauenstein, Günther Hofbauer, Markus Küng, Philippe Pointet

26.08.2017 Von Oslo nach Holmen
Um 0800h treffen wir, Richard und Ben, die Vor-Crew für die Bootsübernahme. Mit den restlichen Crew-Mitgliedern haben wir erst um 1000h abgemacht. Nun heisst es, die Kabinen zu beziehen und sich für die bevorstehende Woche einzurichten. Der Koffer unseres Kollegen aus der Westschweiz ist nicht angekommen. Noch schnell muss er ein paar Sachen einkaufen gehen, während die anderen sich um den Einkauf der Bordverpflegung kümmern. Nachdem alles gut verstaut ist, übernimmt Ben die Sicherheitseinweisung. Nach ein paar zusätzlichen Erklärungen und Anweisungen vom Skipper machen wir das Schiff klar zum Ablegen. Wir legen um 1520h los Richtung Holmen. Kaum ist die erste Stunde vorbei, gibt es schon das erste POB. In der Bucht von Holmen ankern wir und nach dem ersten Ankertrunk machen sich Markus und Daniel daran, für uns das Nachtessen vorzubereiten.

27.08.2017 Von Holmen nach Fredrikstad
Was für ein herrlicher Morgen in dieser Bucht. Traumhaftes Wetter und das Wasser ist spiegelglatt. Nach dem Frühstück geht’s dann los nach Fredrikstad. Traumhafte Passagen und wenn immer möglich im Schutze der Schären fahrend. Kurz vor Fredrikstad dann die Stunde der Wahrheit: Kommen wir mit der Rolling Swiss unter der 5.5m Brücke durch? Genügt es, die UKW-Antennen runter zu klappen? Wir haben alles korrekt berechnet und fahren unter der Brücke weiter nach Fredrikstad wo wir gleich am Stadtpier anlegen.  Der wohlverdiente Ankertrunk lässt nicht lange auf sich warten und nach erfolgter Manöverkritik gilt es, den (See)bären-Hunger zu stillen.

28.08.2017 Von Fredrikstad nach Hamburgsund
Nach einer gewohnt erholsamen Nacht wird, wie am Vorabend besprochen, das Dinghi herunter gelassen, damit ein Teil der Crew damit zu den sanitären Anlagen fahren kann. Nach der Rückkehr wird das Schiff für das Ablegen klar gemacht. Heute haben wir wiederum eine längere und spannende Fahrt vor uns Richtung Hamburgsund. Nach dem Ablegen geht es erneut durch die Schären und plötzlich trifft das ein, wovor uns unser Skipper Richard immer gewarnt hat: Der Plotter ist ausgestiegen! Nun heisst es nach alter Schule mit Karte, Kompass und Augen, das Boot in unseren Zielhafen zu dirigieren. Jedoch wird dies, dank der Mithilfe aller, bravurös gemeistert und wir treffen am späteren Nachmittag in Hamburgsund ein. Nach dem Anlegen muss der Plotterausfall irgendwie kompensiert werden und wir belohnen uns für unsere Leistung mit Kaffee und Kuchen im Pipershuset. Zurück auf dem Schiff wird das Abendessen vom Skipper 2 gekocht, der die Crew mit einem Thai Curry verwöhnt.

29.08.2017 Von Hamburgsund nach Lysekil
Wie bereits üblich, hatten wir am Vorabend die Tagesroute zusammengestellt, heute mit dem Ziel Lysekil. Wir legen in Hamburgsund ab und weil wir ja auf einem Törn sind, um verschieden Manöver zu üben, ist heute erstmal jeder mit Hafenmanöver dran. Die genauen Instruktionen des Skippers helfen uns dabei, diese gekonnt durchzuführen. Danach verlassen wir das malerische Dörfchen mit den typischen rot-weissen Häuschen und fahren Richtung Soten-Kanal. Die Drehbrücke ermöglicht hier eine uneingeschränkte Durchfahrtshöhe, wobei wir mit unserer Höhe eh keine Schwierigkeit gehabt hätten. Wir fahren weiter Richtung Kungshamn und von dort nach Lysekil. In der Marina erweist sich das Anlegemanöver als eher schwierig, bekommen wir doch starken, ablandigen Wind. Doch auch das schaffen wir und machen die Rolling Swiss am Steg fest.

In Lysekil ist die Saison schon vorbei und nur noch wenige Lokale sind geöffnet. Wir kehren im Old House Inn Steakhouse ein und geniessen ein herrliches Nachtessen bei bester Laune.

30.08.2017 Von Lysekil nach Stenungssund
Heute verlassen wir Lysekil bei herrlichem Wetter. Da wir zeitlich gut dran sind und die Tagesetappe nicht all zu lang sein wird, nutzen wir die Gelegenheit und üben ausgiebig das POB-Manöver. Jeder ist mal dran und anschliessend wird gleich die Manöverkritik durchgeführt. Das hilft jeweils dem Nächsten, das Manöver noch besser zu fahren.

Weiter gehts nach Henan, wo wir einen längeren Kaffee-Halt einlegen wollen. Bei der Anfahrt kommen wir an verschiedene Skulpturen vorbei, die an der Küste aufgestellt wurden. Nach der kleinen Stärkung legen wir wieder ab und nehmen Kurs Richtung Zielhafen Stenungssund. Dort in der Marina angekommen legen wir an, müssen aber kurze Zeit später den Hafenplatz wechseln, da die Anschlüsse für Wasser und Strom sehr ungünstig liegen. Bei der späteren Wahl, selbst auf dem Schiff zu kochen oder auswärts Essen zu gehen, entscheidet sich die Crew fürs „bekochen lassen“ und gehen zum Italiener.

31.08.2017 Von Stenungssund nach Ökerö
Unser Ziel heute ist Ökerö, unweit von Göteborg, draussen in den Schären. Auf dem Weg dorthin wollen wir noch einen Zwischenhalt in Marstrand einlegen. Es regnet und beim Anlegen in Marstrand versuchen wir gegen den Wind anzulegen. Verschiedene Anläufe werden genommen doch der Wind drückt uns immer wieder vom Steg weg. Schliesslich entscheiden wir uns für einen anderen, sichereren Steg und legen an. Solche Situationen geben uns die Möglichkeit, Manöver zu üben und unsere Erfahrungen zu sammeln. Wir gehen in die Villa Maritim und gönnen uns eine kleine Stärkung, Fachsimpeln ein wenig über das Anlegemanöver und lassen die bereits zurückgelegte Strecke Revue passieren.  Noch stärkerer Regen setzt ein und wir beschliessen, unsere Tagesetappe weiter zu führen, denn es sind nur noch 14 sm bis nach Ökerö. Im Hafen angekommen werden wir sofort vom freundlichsten Hafenmeister von Schweden zu unserem Liegeplatz gewiesen. Das Anlegen klappt wie am Schnürchen.

01.09.2017 Von Ökerö nach Göteborg
Wie üblich hatten wir am gestrigen Abend noch unsere Passage geplant und von Richard ganz bestimmte Koordinaten erhalten, die in die Strecke eingebaut werden sollten. Er wollte uns noch am letzten Tag etwas Besonderes zeigen. So legten wir in Ökerö ab und folgtem dem eingegebenen Kurs auf dem Plotter. Am Bildschirm war nebst der Karte auch das Radarbild aufgeschaltet. Wir fuhren auf eins der genannten Punkte und Richard erklärte uns nun, wieso wir darauf fuhren. Es war ein Racon, eine Radarantwortbake. So ein Ding, dass man im theoretischen Teil der Ausbildung lernt, aber praktisch nie zu Gesicht bekommt. Jetzt wurde aus Theorie gelebte Praxis. Nun gings aber auf das Törnziel zu. Ein Tankstopp im Sporthafen von Hinsholmskilen und dann den Docks und den Hafengebäuden entlang, mitten durch Göteborg in den zentralsten Hafen, Lilla Bommen.

Hier endet unser Törn, den wir unfall- und schadenfrei durchgeführt haben. Mit vielen neuen Eindrücken und mit tollen neuen Freundschaften.

Fotos: