08. -15. Oktober 2016: Manövertörn von Amsterdam nach Medemblik

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Etappen: Amsterdam, Sixhaven – Muiden – Harderwijk – Urk – Lemmer – Stavoren – Enkhuizen – Medemblik

Winterlager: Die Rolling Swiss II geht in Medemblik ins Winterlager, wo sie gewartet und für die Saison 2017 wieder vorbereitet wird

Wettersituation: In der ersten Wochenhälfte hochdruckbestimmtes, mildes und sonniges Herbstwetter, ab Mitte Woche bis max. 7 Bf. Wind aus östlicher Richtung

Ziele des Manövertörns

  • Gängige Hafenmanöver kennen lernen, diese in verschiedenen Situationen (Windrichtung und -stärke, Strömung und andere Einflüsse) bewusst anwenden
  • Bei den Manövern mehr Sicherheit gewinnen
  • Alternative An- und Ablegemanöver und deren Vor- und Nachteile kennen lernen
  • Schiff richtig vertäuen und am Steg ausrichten
  • POB-Manöver fahren
  • Sicherheit erlangen bei den gängigen Manövern
  • Klare Befehlsstrukturen anwenden (Erklären der Manöver, Probleme erkennen und deren Lösungen diskutieren, Einteilen der Crew bei Manövern)

Chargen der Crewmitglieder während des Törns: Verantwortung Motor, Deck, unter Deck, Elektrisch, Bordkasse, Meteo, Küche, Kultur (Land und Leute), Blog, Tagesnavigator (im Turnus)

Lehrreiche und schöne Törnwoche im herbstlichen Holland unter einem kompetenten und freundlichen Skipper

Skipper: Ulrich; Crew: Monika, Roland, Daniel

Für den Bericht: Daniel



24. September bis 01. Oktober 2016: Von Kiel nach Delfzijl

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Route: Kiel – Lexfähre – Friedrichstadt – Helgoland – Norderney – Greetsiel – Delfzijl

Zu viert machten wir uns auf die Reise, die in Kiel begann. Bereits am Freitag waren wir angereist und hatten der Astor-Bar einen Besuch abgestattet, wo wir auf diese gemeinsame Woche mehrfach anstiessen. Ein herrliches Abendessen im Restaurant Weinstein stimmte uns auch kulinarisch auf eine tolle Woche ein.

Am Samstag übernahmen wir das Schiff, bunkerten Lebensmittel und freuten uns darüber, endlich wieder an Bord sein zu dürfen.

Die Woche war ein Mix aus Binnen und Offshore. Es galt, die Schleusen- und Brückenzeiten präsent zu haben, die Regeln der Binnenschifffahrt zu kennen, zu wissen, wie man sich im grossen NOK verhält. Alles kein Problem. Unsere Gruppe verstand sich auf Anhieb prächtig und so steuerten wir, nachdem man uns endlich nach rund zwei Stunden liess, die erste Schleuse des NOK an. Viel war los an diesem Wochenende und so kam es, dass wir dazwischen auch mal von der Schifffahrtspolizei angewiesen wurden, einen Stopp einzulegen, bis der Kanal wieder frei würde.

Dann verliessen wir den NOK und fuhren in die Eider, welche noch bis vor kurzem wegen der defekten Gieselauschleuse gesperrt war. Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht in Lexfähre hielt uns nichts mehr. Friedrichstadt erwartete uns mit sommerlichen Temperaturen, viel Sonnenschein und einem wunderschönen Bild von sehenswerten alten Häusern mit Treppengiebeln der holländischen Renaissance.

Helgoland rief uns. Das Wetter war wunderbar, die See ruhig und wir nutzten die Gunst der Stunde, um diese Insel endlich auf eigenem Kiel besuchen zu dürfen. Unterwegs absolvierten wir alle das allseits beliebte MOB-Manöver und Mr. Fender konnte mehrfach gerettet werden. Auf nach Helgoland! Die Insel erfreute uns erneut mit viel Sonne, farbigen Hummerbuden und einem traumhaft schönen Spaziergang, vorbei am Leuchtturm zur Langen Anna, einem hohen, langen Felsen. Wir begegneten zahlreichen heimischen Vögeln, zutraulichen Schafen und beendeten den Abend in der bunten Kuh, wo wir genüsslich assen und tranken. Für den nächsten Tag war etwas Wind und zwei bis zweieinhalb Meter hohe Wellen angesagt. Nichts, was wir nicht meistern könnten.

Und dann kam er, dieser Tag, der uns wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Wir liefen aus und setzten Kurs auf Norderney. Aus den angesagten 5-6 Beauforts wurden 7-8. Aus den 2-2,5 m Wellen wurden 4 m. Wir wurden durchgeschüttelt und teilweise auch mal von den Sitzen geschleudert. Der Steuerbordmotor fiel aus, der Autopilot streikte und die Schaps hielten nicht und die Schubladen mussten mit Menschenkraft und Bootshaken gesichert werden. Eine Luke wurde eingedrückt und wir hatten einen Wassereinbruch. Joghurts fanden den Weg ganz allein aus dem Kühlschrank. Ein Teller ging zu Bruch, alles, was nicht zuvor gründlich versorgt wurde, lag irgendwo umher. Die Kleider in den Schränken flogen mit den Kleiderbügeln auf den Schrankboden. Nein, es war keine lustige Überfahrt. Wir bezeichneten sie am Ende als geglückt, aber sehr grenzwertig. Niemand von uns würde das wieder tun. Merksatz: Traue keiner Wettervorhersage. Streck die Nase in den Wind und kehre um! Gut, das hätte bedeutet, dass unsere Reise in Helgoland zu Ende gewesen, da nun die neuen Wettervorhersagen für die beiden kommenden Tage noch viel schlechter wurden. Starkwind und hohe Wellen wurden angekündigt. Man hätte demnach als einzige Alternative für unsere und die Nachfolgecrew Flüge stornieren und neu buchen müssen. Aber es wäre der sichere, risikofreie Weg gewesen. Wir sind alle mehr oder weniger heil angekommen. Und das ist die Hauptsache. Und gelernt haben wir dabei so einiges. Aber erleben wollen wir das nie wieder!

Der nächste Tag sollte ruhiger werden, da wir uns im Schutz der ostfriesischen Inseln befanden. Noch immer gab es über 6 Beauforts, aber die Wellen waren auf lächerliche 1,5 m zusammengesackt. So machte Seefahrt wieder Freude. Wir lernten an diesem Tag, dass der Plotter uns garantiert trockengelegt hätte. Da wo wir fuhren, war eigentlich alles grün. Aber eben goldrichtig, denn hier hatte man sich draussen an den stets neu gelegten Tonnen zu orientieren und gefälligst genau in diesem Fahrwasser zu bleiben. Ein eindrückliches Erlebnis. Genauso wie dieses, dass die Schreiberin die Todsünde aller Sünden beging und das Logbuch über Bord gehen liess. Schande über mich! Merksatz: Besser das Logbuch wird auf dem Navigatorentisch durch und durch nass, als durch das Versenken im Meer…

Greetsiel empfing uns dann mit sehr viel Regen, sodass wir den Rest des Tages lieber im warmen Salon verbrachten. Raus gingen wir erst wieder zum Essen. Eigentlich schade, denn das kleine Städtchen ist wunderschön und sehr sehenswert.

Die letzte Fahrt nach Delfzijl erwies sich als schöner Abschluss, bei dem sich auch die Sonne wieder blicken liess. Und mit der neuen Gastlandflagge (nein, wir nahmen nicht die Russische!) hatten wir dann ja doch noch ein zweites Land besucht. Schön war’s.

Skipper Peter, Hanspeter; Crew: Thomas, Ursula

Für den Bericht: Ursula, 6. Oktober 2016