5.7. – 12.7.2014 Lorient – Lorient

Skippper: Ernst und Ruedi
Crew: Markus, recipe Jean-Luc, Urs, Hanspeter

 

 „Rolling Swiss II“ besucht die Bretonischen Inseln, 193.1 sm

Urs und ich stiessen am Vorabend gegen Mitternacht in strömendem Regen zur Crew auf der „Rolling Swiss II“, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Skipper Ernst, sein Stellvertreter Ruedi, Markus und Jean-Luc waren schon am späteren Nachmittag angekommen, hatten sich eingerichtet und verfolgten gespannt das Viertelfinalspiel Brasilien-Kolumbien am schiffseigenen TV. Aha, das Ding verfügt nicht nur über einen Motor, auch ein TV ist an Bord! Ich sollte noch ein paar Mal staunen, was alles zum selbstverständlichen Equipment auf einer CCS-Motoryacht gehört. Nach einer ersten Nacht am Schwimmsteg neben der Capitainerie wurde nach dem Morgenessen der Einkauf im Schiff gebunkert. Anschliessend stellte uns Ernst die RSII vor und Ruedi übernahm sehr kompetent die Sicherheitsinstruktion.

Trotz Regenwetter und mässigem Wind entschlossen wir uns, am späteren Nachmittag Richtung Ile de Groix Port Tudy anzusteuern. Nach dem Ablegemanöver war die Crew schon patschnass. Ernst und Ruedi navigierten sicher durch die Gischt, so dass wir nach einer guten Stunde zwischen zwei Bojen im Hafen festmachen konnten. Schiff und Crew waren im wahrsten Sinn des Wortes getauft für diesen Törn.
Bei wesentlich freundlicherem Wetter führte ich als Navigator das Boot am Sonntag gegen Westen den Iles des Glénan entgegen. Ein unerwartetes MOB-Manöver konfrontierte Jean-Luc am Steuer mit den Eigenheiten der mit 2 x 380 PS motorisierten 16 Tonnen. Kurzfassung: Der Kugelfender wurde schlussendlich ohne Rücksicht auf trockene Schuhe wieder an Bord gehisst.

Die Einfahrt zum Bojenfeld vor St. Nicolas musste trotz schwachem Tidenkoeffizient von 44 und nur 1.2 m Tiefgang sorgfältig gefahren werden. Ohne grosse Probleme stoppte Markus das Boot vor der anvisierten Boje 1010. Die anschliessende Landgang auf der Insel lohnte sich sehr, bei 10-20 Grad höheren Temperaturen hätte man sich in der Karibik wähnen können. Die Leser des Krimis „Bretonische Brandung“ von J.-L. Bannalec hatten mehrere „Déjà-vus“. Sogar die berühmte Segelschule demonstrierte ihre Aktivitäten bis in den späten Abend.

Nach einer ruhigen Nacht und gewohnt üppigem Frühstück konnte Urs das Boot dank Hochwasser weiter Richtung Westen an der Insel vorbeiführen. Dabei teilte die RSII eine Gruppe Optimistenboote wie einen Schwarm Fische, wenn ein Schatten über ihnen erscheint. Auf Anweisungen des Tagesnavigators Markus drehte Urs das Boot auf nördlichen Kurs und peilte die Hafenstadt Bénodet an. Auch Urs kam nicht um ein MOB-Manöver herum, der Kugelfender wurde mit trockenen Schuhen geborgen, man ist ja lernfähig…

Die 4 sm flussaufwärts auf der Odet in der malerischen Landschaft waren für Steuermann und Crew sehr abwechslungsreich. In Bénodet hatten alle Crewmitglieder die Möglichkeit, die RSII übungsmässig seitlich an einen Steg anzulegen. Strömung und Wind erwiesen sich als Hilfe oder erschwerten das Manöver, je nachdem, wie angelegt wurde. Mit einem grossen Bogen um die Landzunge zwischen Bénodet und Concarneu erreichten wir den Zielhafen. Die befestigte Hafenstadt lud zu einem Bummel ein, bevor wir im „l’Ancre“ die Speisekarte studierten und anschliessend bei der humorvollen Serveuse aus Colorado die Bestellung aufgaben. Wieder zurück an Bord musste Jean-Luc noch bis nach Mitternacht die Navigation für den kommenden Tag ausarbeiten…

Die geplanten 65 sm führten südlich an der Ile de Groix vorbei zur Belle Ile. Beim „Speed-Test“ mit 16 kn bei 2900 rpm durch das flache Wasser gurgelten laut Anzeige 70 -75 l Diesel pro Motor und Stunde in die Brennkammern. Gegenüber „Cruising-Speed“ von 7-8 kn der zehnfache Verbrauch! In Le Palais wies uns die Capitainerie einen Platz im hinteren Hafenbecken unter einem schiefen Anlegeverbotsschild zu. Die Wassertiefe reiche voraussichtlich auch am nächsten Morgen bei Niedrigwasser… Wir verliessen uns auf diese Angaben und belegten die RSII mit langen Festmachern in flachem Winkel oben an der Hafenmauer. Im Restaurant „Vivier“ wurden wir mit feinster bretonischer Küche verwöhnt. Dank der Flut mussten wir nicht allzu tief über die rostige Hafenmauerleiter ins Boot hinunter steigen. Ein trauriges Bild bot am Morgen ein gegenüber festgemachtes Segelschiff mit norwegischer Flagge, das die berühmte handbreit Wasser unter dem Kiel schon vor längerer Zeit verloren hatte und bedenklich schief in den Festmachern hing. Dass das Echolot nur noch 1.1m unter der RSII anzeigte, beunruhigte unsere Skipper nicht gross, das nächste Wasser komme schon bald – und sie hatten recht!

Die Mittwochsroute führte uns nördlich nach Trinité-sur-Mer, wo wir die berühmten zwei Cs zum Mittagessen bestellten. Die Meerengen bei Port Navalo und der Pointe des Rechauds passierten wir wie berechnet vor dem auslaufenden Wasser. Vom Schwimmsteg neben den Bojenfeldern mussten wir per Dingi auf die Ile aux Moines. Das Nachtessen in einem rustikalen Restaurant oberhalb des Hafens rundete unseren Ausflug ins „kleine Meer“ (Golfe du Morbihan) ab.

Die zweitletzte Tagesroute wurde unterwegs dem höheren Tidenfaktor angepasst und anstelle Étel der uns schon bekannte Port Tudy angesteuert. Die RSII wurde längsseits an ein Motorschiff im „Päckli“ festgemacht. Für ein letztes Nachtessen an Bord vor dem Ausgang wurde zum dritten Mal die grosszügig eingerichtete Küche in Beschlag genommen. Nicht nur die bretonische Küche in den Restaurants, auch die Küche auf dem Schiff erfreute die Crew während dieser Woche.

Der letzte Schlag zurück nach Lorient musste recht früh erfolgen, da das Schiff um 10.00 Uhr von zwei Mechanikern für einen Motorenservice am Steg erwartet wurde. Während der Servicearbeiten wurde die frisch betankte RSII für die folgende Crew zurechtgeputzt.

Wir erlebten eine harmonische, interessante Woche unter der umsichtigen Leitung von Ernst und Ruedi. Für alle Crewmitglieder gab es technische, geographische, nautische und kulinarische Neuerfahrungen. Der Teamgeist und das Zusammenleben auf dem Schiff war sehr herzlich, so dass der Abschied am Samstag gar nicht so leicht fiel!

14. Juli 2014, Hanspeter


31.05. – 07.06.2014 Saint-Malo

Skippper: Rolf
Crew: Marlis, stuff Barbara, sovaldi sale Alexander, Sandro

 

Gezeiten und Strömungen – Die Channel Islands

31.05. – 07.06.2014 Anreise Baden – Saint Malo

Die Anreise Zürich nach Saint-Malo ist nicht ganz einfach und dauert mit Auto oder mit dem Zug ca. 10 – 11 Stunden. Ein Teil der Crew ist am Freitag mit dem Zug von Baden via Basel / Paris nach Saint Malo angereist. Da der Zug von Basel im Paris-Gare de Lyon ankommt und die Weiterfahrt nach Saint Malo von Paris-Montparnasse aus weiter geht, war ein Transfer nötig. Für den Transfer hat sich der Bus 91 bewährt und ist zu empfehlen.
Der andere Teil der Crew hat die Anfahrt nach Saint Malo mit dem Auto zurückgelegt. Die gesamte Crew traf sich wie geplant am Freitag um 16.30 Uhr in Saint Malo.

31.05.2014 Saint Malo

Wie vereinbart haben wir um 09.00 im Hafen (Port Sablons) von Saint Malo die Rolling Swiss II von der Vorgängercrew übernommen. Nach den obligaten Übernahmeformalitäten wurde die Rolling Swiss II eingerichtet und für die nächsten Tage auf See vorbereitet. Als mühsame Arbeit erwies sich das Verstauen der Ersatzschrauben, die direkt von England angeliefert wurden.
Der Samstagnachmittag stand im Zeichen der Planung und der Navigation, besonders die Etappe vom Sonntag nach St.Helier (Isle of Jersey). Trotz Vorplanung und ausreichenden Hilfsmitteln nahm die Planung durch die Gegebenheiten wie hohe Gezeiten, starke Strömung, etc. viel Zeit in Anspruch.

01.06.2014 Saint Malo – Jersey

Wie geplant konnten wir um 11.00 Uhr den Port Sablons verlassen und die Fahrt Richtung Jersey aufnehmen. Die gute Vorbereitung vom Vortag hat sich bewährt, so dass wir nach einer ruhigen Fahrt von ca. 41 nm um 16.20 Uhr bei der Einfahrt zum Hafen von St. Helier an einem Ponton anlegen konnten. Während dieser Fahrt haben wir die Landesgrenze und Zeitzone überquert. Ebenfalls haben wir das MOB Manöver geübt. Um 20.30 Uhr konnten wir dann in den Hafen einlaufen. Durch die späte Ankunft und dazu Sonntagabend waren viele Restaurants geschlossen. Danke McDonald ; )

02.06.2014 Jersey – Guernsey

Um 10.45 hiess es Leine los. Alle Crewmitglieder haben sich auf den Besuch in Guernsey gefreut. Unser Skipper hat uns vorgängig einiges über Land und Leute erzählt, da er während mehreren Monaten dort gelebt und gearbeitet hat. Damit wir uns nicht an die Einlaufzeiten von St. Peter Port halten mussten, haben wir entschlossen, dass wir an einen Ponton anlegen. Das gab uns auch die Gelegenheit das Beiboot kennenzulernen.

03.06.2014 Guernsey – Jersey

Für die Rückfahrt nach Jersey haben wir uns entschieden, dass wir die Insel nördlich umfahren werden. Da es im nördlichen wie auch im südöstlichen Teil der Insel mehrere Hindernisse zu beachten gab, war eine saubere Navigationsarbeit gefragt. Bei bestem Wetter und guter Unterstützung durch die Strömung konnten wir eine schöne Fahrt entlang der nördlichen Küste von Jersey geniessen. Um 20.00 Uhr sind wir im gleichen Hafen wie zwei Tage zuvor angekommen.

04.06.2014 Jersey

Da die Wetteraussichten für den heutigen Tag nicht so gut waren, haben wir uns entschieden einen Tag in Jersey zu verbringen. Wir genossen einen ausgedehnten Spaziergang durch die Stadt und um die Burg herum. Am Nachmittag besuchten wir mit dem Bus das sehr idyllische Gorey.

05.06.2014 Jersey – Granville

Die Navigation für die Fahrt nach Granville war relativ einfach. Nach der Hafenausfahrt konnten wir ziemlich direkt Granville ansteuern, wo wir um 14.30 Uhr anlegen konnten. Somit hatten wir genügend Zeit die Festung und die Altstadt zu besuchen, sowie den morgigen Tag vorzubereiten.

06.06.2014 Granville – Saint Malo

Heute machten wir uns auf die letzte Fahrt und wohl auch auf die interessanteste der ganzen Woche. Anfänglich schien es, dass die Fahrt mit wenigen Fixpunkten eher den Anschein einer Überfahrt machte.
Nach gut anderthalb Stunden Fahrt hat der Steuermann kurz einen Delphin gesichtet und ca. fünf Minuten später wieder. Alle hielten nach allen Seiten Ausschau und siehe da es werden immer wieder und immer mehr Delphine gesichtet. Die Aufregung wurde immer grösser, als wir feststellten, dass eine Schule von bis zu acht Delphine die Rolling Swiss II begleitete. Obwohl wir mit acht Knoten durchs Wasser fuhren, schwammen fünf dieser eleganten Schwimmer teilweise fünf Stück Körper an Körper vor unserem Bug her. Ab und zu sprang wieder einer aus dem Wasser, um unser Boot von der Seite zu betrachten. Wir hatten den Eindruck, dass die Delphine mit uns und mit der Rolling Swiss II spielten. Nach ca. 20 minütiger Spielerei hatten sie wohl genug und sind plötzlich abgetaucht. Das war ein sehr eindrückliches Erlebnis, dass so noch niemand von der Crew erlebt hat.

Wir alle können auf eine sehr interessante und auch sehr lehrreiche Woche zurück schauen. Obwohl alle Crewmitglieder das Gebiet um Jersey und Guernsey theoretisch gut kannten, war es sehr eindrücklich die extrem hohen Gezeiten von bis zu 11 Meter, die starken Strömungen in Wirklichkeit kennenzulernen und diese in die Navigationsarbeit einzubeziehen.

Danke der tollen Mitarbeit aller Törn-Mitglieder war es eine eindrückliche und unvergessliche Woche.

Ruedi