24.05. – 31.05.2014 Portsmouth – St.Malo

Skipper: Ulrich und Bernhard
Crew: Gabriel, generic Heiner, Walter, Zoran

 

Schön wenn die Tiden kommen wie berechnet

23.05.2014 Basel – London – Portsmouth

Geplant war der gemeinsame Abflug vom Flughafen Basel nach London Gatwick, von wo aus mit dem Zug nach Portsmouth weiter gereist werden sollte. Einer der Crewmitglieder wird am nächsten Tag anreisen und sich mit der Crew beim Schiff Rolling Swiss II in Portsmout treffen.
In Basel begrüssen sich die beiden Skipper und ein Crewmitglied. Wo sind die anderen zwei nur geblieben ? Beide melden den Ausfall Ihrer elektronischen Navigation. Aus noch unerklärlichen Gründen weicht der eine nach Flughafen Genf aus und der andere nach Flughafen Zürich Kloten; vermutlich eine Übung mit Ausweichhäfen an Land (!).
Unvollständig macht sich die verbleibende Crew zum Einchecken bereit und steigt in das Flugzeug Richtung London Gatwick ein. An Bord befindet sich auch der Commodore a.i.. Hmm … zwei Crewmitglieder fehlen, stattdessen der Commodore an Bord … ist dies ein Test für den Skippper ?
Ende gut, alles gut; auch die zwei in Gewitter geratenen Crewmitglieder finden über die Ausweichhäfen Genf und Kloten schliesslich nach Portsmouth, wo die erste Nacht gemeinsam in einem Hotel verbracht wird.

24.05.2014 Portsmouth

Im Hafen angekommen steht da die Rolling Swiss II, ein tolles Schiff. Unser 6. Crewmitglied ist auch angekommen, nun sind wir vollzählig. Pünktlich um 10:00 Uhr findet die Schiffsübernahme zwischen den zwei Skippern statt. Skipper II macht die Sicherheitsanweisungen, während drei Crewmitglieder in die Stadt einkaufen gehen. Um ca. 14:30 Uhr ist alles gesichert und verstaut, leider ein bisschen zu spät um auszulaufen. So wird entschieden, diesen Tag im Hafen zu bleiben.

25.05.2014 Portsmouth – Cherbourg Marina

Es ist soweit; um 06:00 Uhr legen wir ab, Richtung Cherbourg und freuen uns auf die spannende Überquerung des Ärmelkanals, eine Schifffahrtsstrasse, für die es sehr hohe Konzentration braucht. Nicht zu vergessen ist auch die Zeitumstellung zwischen England und Frankreich. An diesem Tag legen wir stolze 80 nm zurück und geniessen nach dem Anlegen in Cherbourg Marina, zugegeben etwas müde, das wohlverdiente Abendbier.

26.05.2014 Cherbourg Marina – Braye Harbour

Für Langschläfer ist heute ein guter Tag; Ablegen erst ab 10:00 Uhr Richtung Alderney. Da ein streckenmässig kurzer Törn geplant wurde, verbleibt noch genügend Zeit für das Manöver „Mann über Board“. Nun gilt es ernst, schnelle Reaktion und die richtigen Befehle sind angesagt. Der Steuermann ist mit dem richtigen Ansteuern beschäftigt, was nach ein bisschen Übung allen Crewmitgliedern sehr gut gelingt. Die zwei Skipper strahlen um die Wette und weisen ein Blatt vor; Congratulation, 100 nm, drei Crewmitglieder haben ihre Pflicht, das Manövrieren mit dem Schiff und das Navigieren für die benötigten, zusätzlichen Motormeilen erfüllt.
Im Hafen Braye Harbour angekommen legen wir an einer Boje an, für einen Teil der Crewmitglieder das erste Mal. Es ist eine gute Gelegenheit das Beiboot für den Landgang auszuprobieren. Da maximal 4 Personen Platz darauf haben, durfte der Skipper II zwei Mal fahren und hatte sichtlich Spass dabei.

27.05.2014 Braye Harbour – St. Peter Port

Um 09:30 Uhr legen wir ab und finden Zeit für das Üben „Drehung Schiff an Ort“. Schliesslich verlassen wir den Hafen unter der Leitlinie der zwei Leuchtfeuer am Festland. Da ist der Navigator gefordert, der den Steuermann anweist.
Da genügend Zeit verbleibt, fahren wir an St. Peter Port vorbei bis zur sehr schönen und malerischen Bucht Port es Saies, wo wir ankern. Zwei Unerschrockene wagen den Sprung in das kühle Nass.
Die gewählte Bucht verlassen wir nach einer guten Stunde Richtung St. Peter Port. Nun wird sich zeigen, ob unsere Gezeitenberechnungen stimmen. Klar doch, gelernt ist gelernt; CCS sei Dank für die gute Ausbildung.

28.05.2014 St. Peter Port – St. Helier

Nach unserer Gezeitenberechnung verlassen wir den Hafen St. Peter Port um 09:25 Uhr und überqueren die Hafenschwelle, nicht nur mit einer Handbreite Wasser unter dem Kiel, sondern mit rund 1.20 m, Sicherheit ist das oberste Gebot.
Im Hafen St. Helier angekommen entscheiden wir uns ausserhalb des mit einer Schwelle versehenen Hafens anzulegen, damit wir unabhängig von Gezeiten am nächsten Tag ablegen können.
Entlang eines Stegs dampfte die Rolling Swiss II fast selbstständig ein, beinahe selbstständig.
Der Wasserpegel steigt und in wenigen Augenblicken verschwindet die Schwelle unter der Wassermasse. Wir staunen nicht schlecht; da drängen sich tatsächlich die vielen Segelschiffe um die „Poolposition“ zu ergattern; wer wird wohl als erster die abtauchende Schwelle überqueren; was für eine Drängelei!

29.05.2014 St. Helier – St. Malo

Gestärkt, gut gelaunt und natürlich vorbereitet verlassen wir den Hafen zu unserem Endziel. Für die meisten ist dies das erste Mal per Schiff Richtung St. Malo. Da werden Erinnerungen wach; die Theorieprüfung über dieses sehr spannende und mit Seezeichen voll gespickte Gebiet. Es ist eine wunderbare Erfahrung, das theoretische Wissen endlich in die Praxis umzusetzen. Faszinierend dabei ist, wie genau die berechneten Werte mit der vorgefundenen Situation übereinstimmen.
Die mächtige Festungsstadt begrüsst uns, der wir mit Respekt entgegensehen; eine atemberaubende Silhouette, an die wir uns gerne erinnern werden.

Ich schreibe meinen Dank an alle Crewmitglieder, sehr angenehme und faire Kameraden, mit denen es jeden Tag was zu lachen gab. Eine gelungene Woche mit schönen Erinnerungen.

Zoran


17.05.- 24.05.2014 RYA – Ausbildung im Solent

Skippper: Andi
Crew: Peter, order Ruedi, salve Marc

 

Positionsbestimmungen

Positionsbestimmungen auf allen Ebenen – Das war es, worauf wir uns bei diesem Törn einliessen! Geahnt haben wir es ja bereits im Vorfeld, dass unsere RYA-Trainingswoche im Englischen Solent keine entspannende Spazierfahrt werden würde, aber dass es eine solche Knochenarbeit wurde…

Die Ausgangslage war klar: Das knappe Dutzend Bücher mit der einschlägigen Theorie erhielten wir bereits letzten Herbst von Andi Flückiger. Einige der Bücher haben wir im Winter voll durchgeackert, andere sahen bei Törnbeginn eher noch unbenützt aus.

Einige Tage vor Törnbeginn erläuterte uns Andi, dass unsere RYA-Ausbildungswoche aus einem viertägigen praktischen Übungsteil bestehen sollte und anschliessend am Donnerstag dann der Härtetest mit einer RYA-Prüfung zum Yachtmaster Offshore folgen würde.
Das Ziel der Woche haben wir Test-Törnteilnehmer Peter, Ruedi und ich gemeinsam mit Andi Flückiger, dem CCS und der Motorbootgruppe eindeutig festgelegt: Wir wollen wissen, wo wir als CCS-Motoryachtskipper im Vergleich zur RYA-Yachtmasterausbildung stehen. Vor allem aber erhofften wir uns viele praktischen Übungen, Ideen, Kniffe und praktische Tipps von den Englischen Profis – einfach mal eine kompetente Aussensicht.

Nachdem wir am Samstag 17.Mai 2014 die „Rolling Swiss II“ in Portsmouth in bestem Zustand übernommen haben, waren der Törnstart und die Proviantierung für uns 4 Skipper blitzartig erledigt. Wir wollten heute noch nach Cowes rüber, um uns vor der Ankunft des Instruktors nochmals kurz mit dem Schiff vertraut zu machen. Cowes war an diesem ersten schönen Samstag bereits sehr gut mit Segelschiffen gefüllt, trotzdem erhielten wir noch spontan einen Platz zugewiesen. Kurze Zeit später hatten wir auch bereits ein kleineres Segelschiff als Aussenlieger. Sein Skipper nahm unseren Hinweis, dass wir am nächsten Tag um 07:00 los müssten mit typischer Englischer Gelassenheit auf.

So fuhren wir dann am Sonntagmorgen in der Früh wieder zurück nach Portsmouth, wo wir unseren Trainer Andy Cross pünktlich an Bord nahmen. Dann ging’s los: Ausgiebige Sicherheitsinstruktion, wo sind alle Borddurchlässe, wie bekämpft ihr Feuer, usw. Das war der Start von 4 extrem lehrreichen Tagen mit Andy: Viele praktische Übungen, immer wieder gespickt mit Theoriefragen zu den KVR, Passageplanning, Wetter, Schiffstechnik und Seemannschaft. Die Tidenrechnungen und Stromrechnungen gingen immer einfacher, denn es gab kaum eine Übung, bei der die Wassertiefe oder die Strömungsverhältnisse keine Rolle gespielt hätten. So übten wir Pilotage an Tag und Nacht, einmotoriges Manövrieren, „“blind navigation“, arbeiteten mit Standlinien und Peilungen, immer wissend was Wind und Strom mit unserer Rolling Swiss II anstellt. Mehrmals endeten die Übungen erst morgens um 02:00 – dann kurz durchatmen und irgendwann gegen 03:00 sackten wir alle todmüde in unsere Kojen.

Und dann kam der Prüfungsdonnerstag: Der Frust der Vortage ist gewichen, der Prüfungsstress dafür umso grösser… Um 09:00 nahmen wir unseren RYA Examiner Rob in Hythe bei Southampton an Bord – erst am Freitagmorgen um 02:00 verliess er uns nach 17 Stundenprüfungsdauer dort auch wieder. Dazwischen lagen Hoch und Tiefs für uns alle. Die Anspannung war den ganzen Prüfungstag spürbar und Rob‘s Warnung, „wir dürften nicht nachlassen bis zum Schluss“ erwies sich wirklich als grosse Herausforderung. So hatten’s die Nachtübungen dann auch echt in sich. Leider hat es dann für Ruedi am Schluss doch nicht ganz gereicht. Er meinte, das Wichtigste für ihn sei, wieviel er in dieser Woche wieder Auffrischen und Lernen konnte und er freue sich, das Gelernte künftig auf seinen Törns anwenden zu können. Peter und mir ging es als frischgebackene „RYA Yachtmaster Offshore (Power)“ genauso: Alle zusammen haben extrem viel gelernt, ganz neue Seiten des „Pleasure Boatings“ kennengelernt, unser nautisches Englisch verbessert und eine super Kameradschaft gepflegt. Wir alle werden künftig vermehrt solche praktischen Übungselemente in unsere Törns einbauen, das haben wir Andi versprochen.

So schleppten wir uns dann am Samstag alle nach Hause. Vermutlich hat jeder von uns den Sonntag durchgeschlafen…

Ein herzlicher Dank gilt Andy Cross, dem so geduldigen und gegenüber unserem Englisch so toleranten Instruktor von Marine Matters (www.marine-matters.co.uk) und „unserem Andi Flückiger“, der uns während der Woche coachte, abfragte, wieder motivierte, bekochte und uns so nebenbei auch noch genau beobachtete. CCS-MY wird sich nun zusammen mit dem CCS Gedanken machen, wie wir interessierten Skippern ein ähnliches Training ermöglichen können. Ich behaupte, jeder wird Spass daran haben!

Für die Crew von 08-2014-21, Marc


10.05. – 17.05.2014 Brighton – Portsmouth

Skippper: Christian, try
Crew: Patricia, Severin, Wale, Thierry


Around the Isle of Wight

Am Samstag Morgen den 10. Mai 2014 trifft sich die Crew mit Skipper Christian, Patricia, Severin, Wale und Thierry in Brighton im Hotel Seattle zum Frühstück. Danach übernehmen wir die Rolling Swiss ll.
Leider spielt das Wetter nicht mit (Sturmwarnung) so stecken wir die nächsten drei Tage in Brighton fest. Am Samstag geht die Crew auf Grosseinkauf um für die ersten Tage ausgerüstet zu sein. Sobald die Vorräte verstaut waren bekamen wir eine Schiffsinspektion mit einer Sicherheitseinweisung. Es wird dabei festgestellt, dass das Handlog fehlt. Christian wird am Montag ein neues kaufen. Am Abend essen wir auf der Rolling Swiss II.

Der Sonntag präsentiert sich immer noch sehr windig, so dass wir, wie bereits erwähnt, das Schiff nicht bewegen. Wale und Thierry fahren mit dem Zug nach London. Patricia und Severin fahren bereits am Nachmittag mit dem Bus nach Brighton und treffen Christian zu einem sehr guten indischen Abendessen später im Ort.

Montag und immer noch zu viel Wind für die geplante Überfahrt nach Chichester. Da wir aber alle schon ganz unruhig sind, endlich ausfahren zu können, beschliesst unser Skipper am späteren Nachmittag in Abstimmung der Tide eine erste Ausfahrt in der Bucht von Brighton. Severin darf ans Steuer und wir legen ab bei Windstärke 5 – 6. Draussen in der Bucht sind die Wellen immer noch ziemlich heftig, so dass die Entscheidung einer Überfahrt für am nächsten Morgen sehr sinnvoll erscheint. Jeder darf einmal ans Steuer und zurück im Hafen von Brighton werden die ersten Anlegemanöver geübt. Leider kommt mehr Wind auf und wir kehren zum Liegeplatz zurück. Wale und Thierry planen die erste Etappe. Am Abend geniessen wir ein wunderbares Essen an Board mit einem guten Glas Wein aus der Heimat.

Dienstag, 13. Mai 2014 um 7.00 Uhr, legt Severin ab und danach gibt es nach 1 Stunde immer einen Wechsel. Wir kommen wie geplant den Gezeiten entsprechend in Chichester an. Thierry manövriert das Schiff durch die Schleuse an unseren Hafenplatz. Genau als wir in Sonnenschein das Boot verlassen wollen um uns im Hafen anzumelden, zeigt sich einmal mehr das englische Wetter und ein kurzer, heftiger Regenschauer lässt uns warten. Die sehr gepflegte Hafenanlage bietet uns ein feines Essen und tolle Duschmöglichkeiten. Am Abend beschliessen wir nach Chichester zu fahren. Leider fährt der Bus nur noch stündlich, so dass wir einen längeren Spaziergang nach Chichester auf uns nehmen müssen von 1.5 Stunden. Total ausgehungert werden wir mit einem fantastischen Steak mit Bier und Wein belohnt. Zurück nehmen wir ein Taxi!

Als erstes sind noch Hafenmanöver in Chichester gefragt, schliesslich sind wir nicht nur zum Spass da. Um 12.00 Uhr fahren wir mit der Flut aus, diesmal darf Patricia durch die enge Schleuse fahren. Eine sehr schöne und abwechslungsreiche Fahrt um die Isle of Wight erwartet uns. Besonders spannend wird es um die Needles, deshalb gibt es in der Freshwater Bay noch ein Ankermanöver, um mit der Unterstützung der Flut die Needles zu umschiffen und in den Solent hineinzufahren. Im Sonnenuntergang kommen wir in Yarmouth an. Es ist ein kleiner idyllischer Ort mit einigen Pubs. Heute gibt es den Skipperclassiker (Flambierte Crevetten mit Bavette Nr. 13) zum Abendessen.

Um 11.00 Uhr legen wir in Yarmouth ab und fahren durch einen ruhigen Solent Richtung Beaulieu River. Hier ankern wir und nehmen unser Mittagessen ein. Danach fahren wir mit einigen „Mann über Board“ Manövern quer durch des Solent Richtung Cowes. Wir machen fest im Hafen von der „UKSA“, wo unser Skipper einige Wochen in seiner Ausbildung verbracht hatte. Nachdem wir uns die Füsse in Cowes vertreten fahren wir mit dem „Watertaxi“ ins Folly Inn und sind platt, als der Bootsführer vom Schiff aus einen Klampenschlag ausführt, ohne die Klampe mit der Hand zu berühren. Christian lädt uns zum „Captains Dinner“ ein und wir werden nebst einem ausgezeichneten Essen auch noch musikalisch von einer tollen Band verwöhnt.

Heute ist leider schon unser letzter Tag an Board und wir müssen das Boot nach Portsmouth fahren. Hier treffen wir den Schiffsverantwortlichen Marc Pingou der das Schiff den Werftkonstrukteuren zeigt. Das Wetter ist sonnig und wir bringen die Rolling Swiss II wieder zum glänzen. Unseren letzten Abend feiern wir noch mit einem feinen Essen von Thierry.

Am Samstag Morgen heisst es früh aufstehen, das Boot auch noch von innen putzen und dann Abschied nehmen, von einer wunderbaren Woche mit einem ganz tollen Skipper und einer ebensolchen Crew. Wir werden den Törn stets in allerbester Erinnerung behalten.
Patricia


03.05. – 10.05.2014 London – Brighton

Skipper: Urs und Dominique
Crew: Susanne, drugstore Adrian, pharm Matthias und Robert

Hochsee unter Wind- oder Motorpower? Man beginnt sich zu verstehen.

Es gibt Dinge, die hört man häufig von Skippern. „Einmal auf eigenem Kiel durch Paris, London oder Berlin“ gehört dazu (meist gefolgt von einem Seufzer). Der CCS macht das möglich. Allein in diesem Jahr dürfen Crews der MY Rolling Swiss II auf eigenem Kiel durch London und Paris. Berlin stand noch nicht auf dem Programm, insofern wird es auch in dieser Richtung vorerst bei dem Seufzer bleiben.

London hat die RSII nun hinter sich. Anfang Mai kam sie nach London und zwei Crews kamen in den Genuss. Mit einem der CCS-Segelboote wäre das etwas schwieriger (zumindest unter Segel), so dass sich Segler eben auch auf der RSII einfanden, als sich diese ihren Weg durch London wühlte.

Jeder Törn beginnt mit der Übernahme des Schiffes, der Einweisung und dem Einkauf. Soweit nichts Neues. Der Einkauf im TESCO im Imperial Wharf ging seinen, gut durch die Finanzministerin der Crew vorbereiteten und durchkalkulierten Weg. Mit den vier Einkaufswägen in diesem kleinen TESCO stand man zwar immer den übrigen Kunden im Weg herum und auch das – gefühlt unendliche – Blockieren einer Kasse war für die Einheimischen ein Stirnrunzeln wert, aber am Ende war alles gut und die Lebensmittel auf der RSII verstaut.

Der Törn von London nach Brighton begann mit einem der Highlights. Vorbei an Big Ben, London Eye und Tower und durch die Tower Bridge. Verfolgt, behindert und bedrängt durch Fahrgastschiffe, Hochgeschwindigkeits-RIBs und der eigenen Neugier. Die Crew – natürlich den Weisungen der CCS folgend mit Rettungsweste auf dem Vorschiff – kam aus dem Fotografieren, Bestaunen und Genießen nicht heraus. Schau mal rechts! Und dort: man sieht schon die Tower Bridge. Viel zu kurz kam einem das vor, wie die RSII durch London fuhr. Auf einmal war vor, über und dann auch sofort hinter dem Schiff die Tower Bridge und damit das Zentrum von London. Hinter der Tower Bridge wurde es schlagartig stiller, leerer, nur hin und wieder jagte ein Hochgeschwindigkeits-RIB mit seinen Touristen Richtung Zentrum. Die Vorstellung, vor der Tower Brigde aufzustoppen und DAS perfekte Foto zu machen, war eine Illusion: so viele Fahrgastschiffe und andere Boote waren vor der Brücke, unter der Brücke und vollführten merkwürdige Manöver, so dass ein Aufstoppen für Verwirrung gesorgt hätte. Also schnell fotografieren, RSII auf Kurs halten, den anderen Booten ausweichen und ab durch die Mitte.

Nach der Tower Bridge wurde es ruhiger, leerer und weiter. Und so fuhrt die RSII gelassen ihrem ersten Ziel entgegen: Gravesend. Die Themse ist auch für Motorbootfahrer ein sehr unspannendes Gewässer. Die Bebauung am Ufer ist industriell geprägt, wenig abwechslungsreich, es herrschte wenig Verkehr, so dass die Crew mehr oder weniger den Kurs hielt. Das mit dem „mehr oder weniger“ den Kurs halten, sollte noch ein spaßiges, immer wiederkehrendes Thema der Crew werden, das mit scheinbar unterschiedlichen Präferenzen von Seglern und Motorbootfahrern zusammenhängt, aber dazu erst später.

Gravesend ist ein kleiner Ort mit etwa 60.000 Einwohnern. Auf Wikipedia kann man nachlesen, dass hier 1617 Pocahontas auf ihrer Heimreise starb. Dem Besucher von Gravesend bleibt dies aber in der Kürze verborgen, insbesondere deshalb, weil die Crew den ersten gemeinsamen Abend nutzte, sich bei einem Abendessen auf der RSII, festgezurrt an dem Schwimmsteg, an dem auf der anderen Seite die Fähre festmachte, kennen zu lernen. Der Motorbootfahrer an Bord musste feststellen, dass seine Leidenschaft nicht wirklich von dem Rest der Crew geteilt wurde: alles Segler. Einer, der bereits eine Weltumsegelung hinter sich hatte, ein weiterer, der die Weltumrundung im nächsten Jahr in Angriff nimmt. Mit Ausnahme des Motorbootfahrers alles gestandene, sehr erfahrene Skipper. So in die Ecke gedrängt, musste der Motorbootfahrer die Flucht nach vorne antreten und sich die nächsten Tage mit der Frage auseinandersetzen, was denn eigentlich Segler und Motorbootfahrer trennt und was sie vereint. Auch die Gruppe widmete sich, unterstützt von dem einen oder anderen Ale, auf humorige Art und Weise dem Thema Motorbootfahrer / Segler.

Eines der ersten Dinge, die der Motorbootfahrer über Segler lernte, war, dass diese das mit den Strömungen sehr, sehr ernst nehmen. Um einen Gegenstrom zu vermeiden, der die RSII um 0,3-0,5kn (es könnte auch mehr gewesen sein) abgebremst hätte, wurde die Weckzeit auf 5 Uhr, Briefing auf 5:45 Uhr und Ablegen auf 6:00 Uhr gelegt. Dass das nicht die Ausnahme war, sondern zur Regel werden sollte, war dem Motorbootfahrer in dem Augenblick noch nicht ganz klar. Doch was tut man nicht alles dafür, um nicht um 0,3kn gebremst zu werden (es können auch mehr gewesen sein).

Raus aus der Themse, rein in die Crouch. Vorbei an Sandbänken und Seehunden, an Windparks, Seglern (man sah die traurigen Augen einiger Crewmitglieder – „Mist, auf dem falschen Boot“), die Berufsschifffahrt im Auge behalten und auf dem Navigationsgerät verfolgen. Und bereits auf diesem Teilstück, bei dem wir wieder mehr oder weniger geradeaus fuhren, meinte der Motorbootfahrer Unterschiede zu erkennen. Der Segler scheint einen Drang zu haben, das Ruder in der Hand halten zu müssen – auch wenn man mal zwei Stunden den Kurs halten soll. Man kann – woran sich auch dann am Ende ein paar Segler gewöhnten – den Autopilot einschalten, sich zurücklehnen, die Arme vor dem Bauch verschränken und einfach nur die Fahrt genießen. Der Segler scheint damit irgendwie Schmerzen zu haben. Er muss das Ruder anfassen. Dass er den Kurs aber nicht wirklich exakt halten kann, gibt der Segler gern zu.

„Wir sagen uns auf dem Boot entweder 160 Grad oder 170 Grad, dazwischen kann man das eigentlich nicht so genau halten.“
„Doch kann man. Man schaltet den Autopilot an und stellt ihn auf 163 Grad“
„Aber das macht doch keinen Spaß“
„Wieso macht Übersteuern Spaß?“
„Du verstehst das nicht – du bist Motorbootfahrer.“

Es sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen, dass die Segler sich zum Ende des Törn dabei erwischen ließen, wie sie den Rudergänger aufforderten, „1 Grad Steuerbord“ zu gehen, wobei der Motorbootfahrer lachend kollabierte. Versucht das mal auf einem Segelboot!

Etwas, was den Seglern genausoviel Freude bereitet, wie das Halten des Ruders, ist die Sichtnavigation. Vielleicht hängt das auch unmittelbar damit zusammen, dass Segler das Ruder gern halten und insofern der Kurs plus/minus 5 Grad ist. Aber Segler wollen „das Boot, das Meer und die Wellen spüren“. Und dann schaut man sich das am Horizont einfach mal an, fährt hin und entscheidet dann.

Die zweite Nacht verbrachten wir in Burnham-on-Crouch, ein Dorf mit etwa 7.000 Einwohnern, mit einer schönen Hafenanlage und eigentlich ganz herzig; eine schöne Uferpromenade mit einer unerwarteten Vielzahl von honorig aussehenden Yachtclubs. Hier verbrachte die Crew ihren ersten Pubbesuch und trank in der Sonne ein Ale. Ein wunderschöner Nachmittag.

Am nächsten Tag ging es wieder früh los, diesmal nach Ramsgate. Der Begriff „Tidengewässer“ wurde nun auch dem Motorbootfahrer zu dem Unwort des Törns. Und in der Tat war die Törnplanung am Abend zuvor etwas komplizierter. Es zeigte sich nämlich, dass strömungstechnisch eine Zeitplanung vorteilhaft war, die uns dann allerdings zu Niedrigwasser durch eine Sandbank führt. Tricky. Aber den Navigatoren gelang das Kunststück, einen Kurs zu planen, der einerseits bedeutete, dass wir mit dem Strom fuhren, andererseits aber in den Sandbänken stets mindestens 3 Meter Wasser unter der RSII hatten. Und das war dann auch der Augenblick, wo die Kartennavigation die Überhand nahm und die Sichtnavigation bescheiden in den Hintergrund trat – aber auch nur bedingt, denn gerade in diesem Gebiet muss man sehr genau aufpassen, wo man hinfährt. Das Problem mit Sandbänken ist ja, dass sie meist nicht da sind, wo man sie vermutet. Sand neigt dazu, zu wandern. Die ein oder andere, auf dem Navigationsgerät angezeigte Tonne verschwand, wurde versetzt oder durch ein Kardinalzeichen ersetzt.

In Ramsgate angekommen fuhr die Crew einige Manöver bevor sie die RSII schlussendlich in einer Box festmachte. Bei der Anmeldung beim Hafenmeister und dessen Begrüßung („Ach, die Rolling Swiss. Habt ihr endlich einen Platz gefunden, der euch gefällt?“) war dann aber deutlich, dass nicht jedem Beobachter der Manöver klar sein muss, dass die Crew im Grunde genommen weiß, was sie tut. Der mit dem CCS nicht vertraute Beobachter könnte durchaus der Auffassung sein, die Crew wäre eine Ansammlung verwirrter Prinzessinnen, die sich nicht wirklich entscheiden können, wohin mit dem Schiff.

Natürlich musste die Crew auch in Ramsgate die lokalen Pubs probieren und landete auf Empfehlung des Hafenmeisters wieder geschlossen im The Churchill Tavern, es folgten zwei Ale und die Stimmung wurde immer besser. Es könnte genau diese Churchill Tavern gewesen sein, in der der Motorbootfahrer seinen Frieden mit der Seele des Seglers fand und erste Ideen entwickelte, auch mal auf ein Segelboot zu gehen. Nicht nur aus diesem Grund könnte The Churchill Tavern in die Geschichte eingehen. Ein anderes Crewmitglied entwickelte seine Idee, ein Buch zu schreiben, fort und im Sinne eines guten Gruppengeistes gaben die übrigen Crew-Mitglieder Impulse für dieses Buch. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Buch geschrieben und veröffentlicht wird. Und uns gewidmet wird.

Geschlossen ging die Crew dann weiter in das bekannteste „Fish & Chips“-Lokal in Ramsgate, preisgekrönt für seine Chips. Vom äußeren Erscheinungsbild glich dieses Lokal zwar eher eine Bahnhofsmission für gestrandete Skipper, aber geschmeckt hat es allen. Und die Portionen waren unerträglich groß. Selbst für beleibtere Crewmitglieder.

Am nächsten Tag, alle waren um 7 Uhr morgens noch entspannt, plante die Crew eine kurze Überfahrt nach Dover, etwa 15sm, nichts aufregendes. Abfahrt sollte gegen 11 Uhr sein, insofern war die Stimmung an Bord gelassen und ruhig. Gegen 7:30 Uhr landete der aktuelle Wetterbericht auf dem Tisch im Salon und man sah die erfahrenen Segler tief in Gedanken versunken. Das Wetter verschlechtert sich, nach der Vorhersage war bereits Freitag als Reisetag extrem unwahrscheinlich. Insofern die spontane Entscheidung: Dover wird nicht angefahren, es geht direkt weiter nach Eastbourne, Sovereign Harbour, etwas mehr als 60sm, fast 9 Stunden Fahrt. Das Vorbereiten des Schiffes fühlte sich an wie auf einem Kriegsschiff, gute Arbeitsverteilung, konzentriertes Arbeiten – mit Ausnahme des Crewmitglieds, das vor der Wetterinformation zu einem entspannten Duschen und Frischmachen in die Hafenanlage verschwand und erst im Augenblick, als er mit nassem Haar und Handtuch um die Schultern an Bord kam und merkte, dass wir bereits zum Ablegen waren bereit, begriff, dass sich etwas in der Planung geändert hatte. Um 8 Uhr verließen wir Ramsgate.

Die Wellen nahmen zu. Zu Beginn waren das noch kleine Wellen, doch bereits am Nachmittag war die Wellenhöhe bereits bei 1m-1,5m. Kein Problem für die RSII, aber die Segler stellten dann doch fest, dass so ein Motorboot deutlich härter in die Wellen prallt als so ein Segelboot, das sich (so hat das der Motorbootfahrer verstanden) eher „an die Wellen kuschelt und sanft über die Hügel gleitet“. Auf einem Motorboot sind das allerdings nur kurze, harte Wellen. Punkt.

Auf dem Weg wurde der Motorbootfahrer durch eine weitere Eigenheit der Segler überrascht. Das Kreuzen. Segler kreuzen gern.

„Wieso kreuzt ihr eigentlich immer? Wenn uns einer auf Yellowbrick verfolgt, glaubt der, wir seien die Dreaming Swiss.“
„Ach ja? Und wie würde ein Motorbootfahrer hier fahren?“
„Geradeaus.“

Dover. Man verbindet mit Dover den wohl bekanntesten Fährhafen zwischen Großbritannien und Kontinentaleuropa. Die Erwartung war, dass dort reger Schiffsverkehr herrschen würde, aber als wir uns dann Dover näherten, sah das alles sehr entspannt aus. Auf einmal der Funk. Dover Harbour meldete sich bei uns und fragte an, was wir da eigentlich vorhätten. Wir nannten unser Ziel und bekamen Anweisung 1sm vom Hafen entfernt vorbeizufahren, aber ansonsten zeigte sich die Hafenbehörde entspannt. Kaum waren wir auf der Höhe der Hafenausfahrt Dover und insofern keine wirkliche Gefahr mehr für die Berufsschifffahrt, sahen wir, wie aus dem Hafennebel drei Fähren auftauchten und selbstbewusst und schnell Kurs auf Kontinentaleuropa nahmen.

Der Weg nach Eastbourne wurde immer holpriger, die RSII fiel die Wellen runter, wurde von der nächsten hochgerissen, Wellen überspülten das Schiff, der Scheibenwischer kämpfte damit, zumindest etwas Sicht aufrecht zu erhalten. Das war dann der Moment, in dem der Motorbootfahrer einen geistigen Kniefall vor den anderen Crewmitgliedern machte, die völlig gelassen im Salon saßen und lasen, sich Kaffee kochten, ein Butterbrot schmierten und nur bei besonders harten Schlägen gegen das Boot etwas genervt aufschauten.

Sovereign Harbour war eine Retortensiedlung, die zwar ganz nett angelegt, auch mit einer Schleuse, die den Hafen gut nach außen abschottete, die aber eigentlich seelenlos war und nicht zum Pubbesuch einlud. Die Segler und der Motorbootfahrer verbrachten einen entspannten Abend, allerdings bereits konzentriert auf die kommende Wetteränderung. Und es bestätigte sich, was eines der Crewmitglieder schon „in der Nase hatte“: Das Wetter wurde schneller schlechter als noch am vorangegangenen Tag vorhersagt wurde.

Die Rolling Swiss II verließ Sovereign Harbour mit Ziel Brighton, allerdings noch mit einem Plan B im Gepäck: sollte das Wetter es zu lassen, würde es weitergehen, Brighton würden wir dann am Donnerstag ansteuern. Das Wetter ließ es jedoch an dem Tag nicht zu und das war auch gut so, wie sich noch zeigen sollte. Nach etwas 3 Stunden Fahrt bei Windstärke 6-7 Bft und 2,5m – 3m hohen Wellen, landete die Crew durchgeschüttelt im Hafen von Brighton. Bei dieser Fahrt begriff der Motorbootfahrer, dass das Kreuzen bei einer gewissen Wellenhöhe durchaus eine sympathische Idee sein kann, um nicht die volle Wucht der Wellen zu spüren.

Es war richtig, Brighton bereits am Mittwoch zu erreichen: das Wetter verschlechterte sich, die Windgeschwindigkeit nahm zu, die Wellen wurden höher. Dass die Entscheidung richtig war, konnte man auch daran erkennen, dass wir ab Mittwoch keine Schiffe sahen, die den Yachthafen verließen und auch keine, die ihn erreichten. Selbst eine Gruppe norwegischer Segler, die aussahen, als könnte sie keine Welle bezwingen, blieben artig im Hafen liegen. Für uns bedeutete das, Brighton genießen zu können. Das Zentrum von Brighton war dabei eine halbe Stunde Fußweg vom Yachthafen entfernt und aufgrund des alljährlichen Brighton Fringe Festivals durchaus belebt. Straßenmusikanten, volle Pubs, Menschen in ungewöhnlicher Aufmachung in den Straßen (besonders verwundert hat dabei der alte, dicke Supermann, der in seinem schmutzigen und abgetragenen Kostüm mit Cape auf einer Parkbank saß und eine Cola trank), aber das ist wohl die Natur eines Fringe Festivals.

Zu unserem zweiten Wohnzimmer für die Sturmtage wurde dabei das Westquay, ein Pub im Yachthafen mit einer netten Auswahl an Ales und gutem Essen. Es gab Crewmitglieder, die das freie WLAN im Westquay zur Arbeit nutzten, sich morgens zum Frühstück einfanden, bis 12 Uhr Kaffee und danach Ale tranken (wobei unklar bleibt, ob der Wechsel von Kaffee zu Ale wirklich Punkt 12 Uhr stattfand). Für die anderen bedeutete dies, immer eine entspannte Ecke im Westquay zu finden, wo man sich nach einem Stadtbesuch dazusetzen, plaudern und etwas essen konnte.

Der Törn endete an einem regnerischen Samstag. Der Motorbootfahrer hat die Segler und ihre Gedankenwelt in sein Herz geschlossen und schaut in unbeobachteten Momenten auf die CCS-Internetseite nach interessanten Segeltörns. Die Segler werden die MY Rolling Swiss II in Erinnerung behalten und sich der Stärken erinnern, die diese gegenüber manchem Segelboot zu haben scheint: vom Komfort und der Größe des Schiffes, bis hin zu den kleinen Details, die das Leben auf der RSII angenehmer machen. Dass es manchmal etwas langweiliger auf dem Steuerstand ist als bei einem Segelboot (nämlich dann, wenn man ohne Wellen zwei Stunden nur geradeaus fährt) muss man dadurch kompensieren, dass man sich auch weiterhin Reviere für die RSII aussucht, die gesehen, erlebt und erfahren werden wollen. So wie im vergangenen Jahr Skandinavien, in diesem Jahr Ärmelkanal, Bretagne und noch Paris. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Rolling Swiss II auch im kommenden Jahr in Gewässern unterwegs sein wird, die aufregend genug sind, um die vereinzelte Langeweile am Steuer vergessen zu lassen. Und mit einer Crew wie dieser geht auch ein Motorbootfahrer sicherlich wieder und ohne zu zögern „ On Stranger Tides“.