26.04. – 03.05.2014 Calais – London

Skippper: Andi und Urs
Crew: Paul, view Christian, Matthias, Thomas
Törn: Calais – London total 373 Seemeilen

 

Vorwort

Anfangs Februar treffen wir uns im Restaurant Schmiedstube in Bern und sehen einander das erste Mal. Nach der üblichen Vorstellungsrunde der Anwesenden werden Törnablauf, „Ämtliverteilung“ und Wünsche der Crew besprochen. Wir sind uns einig betreffend Leben und Ausbildung an Bord und neugierig wie die Woche auf dem Schiff sein wird. Aber die Zeit geht (wie immer an diesen Crewtreffen) flugs vorbei und bald schon sagen wir einander „also Tschüss bis im April“.

Am Freitagnachmittag vor dem Törnbeginn treffen nach und nach Skipper und Crew beim Hotel für die Übernachtung in Calais ein. Das gibt uns die Gelegenheit die grössten Einkäufe für den Törn bereits zu tätigen damit wir am Samstag nicht wertvolle Zeit damit verlieren und wir schon bald ablegen können. Am Abend sitzen wir gemütlich bei köstlichem Essen und einem guten Glas Wein und lernen einander besser kennen. Die Stimmung ist gut und nach dem Begleichen der Rechnung brechen wir auf und gehen zum Hotel zurück.

26.04.2014 Calais – Dunkerque

Am Morgen zwischen 800 und 900 stehen wir mit unseren Einkäufen beim Eingang der Marina wo die Rolling Swiss II am Steg vertäut ist bereit und warten geduldig bis die Schiffsübernahme durch die Skipper durchlaufen ist. Schliesslich dürfen wir an Bord und verstauen unsere Einkäufe in den dafür bestimmten Fächern und im Kühlschrank. Jeder bezieht seinen Kojenplatz und richtet sich ein. Wir erhalten den ersten Eindruck vom Schiff und Urs (unser Skipper 2) beginnt mit der Sicherheitseinweisung und erzählt uns einige Dinge über die Rolling Swiss II. Nach dieser für die CCS-Törns obligaten Sache geht es los. „Seemannschleidli“ und Rettungswesten anziehen und Andi (unser Skipper) bespricht mit uns wie er das Ablegemanöver durchführen will. Nachdem die Leinen los sind dümpeln wir gemütlich auf die Brücke zu die nächstens geöffnet wird um ins Hafenbecken zu gelangen. Dort verkehren wiederum die Fähren nach England und wir müssen uns via Funk bei der zuständigen Behörde anmelden um aus dem Hafen fahren zu dürfen. Wir dürfen im Fahrwasser einer solchen Fähre Calais verlassen und nehmen um halb eins Kurs nach Dunkerque. Die Strömung verhilft uns zu gut siebeneinhalb Knoten Fahrt durchs Wasser. Die Stimmung auf der Brücke ist gut und die „Neuen“ welche die Rolling Swiss II bis jetzt noch nicht gekannt haben lernen einiges. Da ist zum Beispiel ein graues Schifflein welches sich uns von der Steuerbordseite her nähert. Gibt es hier eine stehende Peilung? Wer hat nach KVR Vortritt? Die Situation wird von uns souverän gemeistert. Irgendwann fällt es einem Crewmitglied auf dass der Name unseres Schiffes am Funk genannt wird. Schnell merken wir das graue Schifflein gehört zur Flotte des französischen Zolls und avisiert uns einen Besuch. Wir werden angewiesen den Kurs mit reduzierter Geschwindigkeit zu halten damit die Zollbeamten von ihrem Motorschlauchböötlein aus bei laufender Fahrt auf die Rolling Swiss II umsteigen können. Diese ganze Kontrolle läuft geordnet und diszipliniert ab. Die Beamten sind freundlich aber auch bestimmt. Unser Skipper zeigt dem Einen die Schiffspapiere. Ein Anderer sieht sich unsere Pässe an. Zwei Beamte schauen in den Kühlschrank und die Backskisten. Einer schraubt am Antennenbügel die runden Abdeckungen ab und schaut mit Hilfe eines Spiegels hinein. Dann die Deckel des Bodens. Die Kojen und Taschen der Crewmitglieder werden unter unserem Beisein durchsucht. Keine Drogen oder Schmuggelware werden gefunden. Alles ist in Ordnung wie es sich gehört. Nach einer knappen Stunde verabschieden sich die Zöllner wieder und steigen in das motorisierte Schlauchboot. Und keiner der Beamten fällt ins Wasser. Diejenigen welche eine solche Kontrolle noch nie erlebt haben sind um eine Erfahrung reicher. Jetzt endlich haben wir Zeit unsere MOB-Manöver zu üben. Dabei können wir einen sehr guten Eindruck gewinnen wie sorgfältig sich die Rolling Swiss II fahren lässt. Später fahren wir weiter in die Richtung unseres Zielhafens den wir etwa um 1700 erreichen und machen das Schiff im Port du Grand Large fest.

27.04.2014 Dunkerque – Lowestoft

Es ist etwa halb vier Uhr am Sonntagmorgen. Crew und Skipper sind in voller Montur zwischen Morgenessen und den Vorbereitungen für die Überfahrt nach England. Rund 120 Seemeilen stehen heute auf dem Programm und pünktlich um vier Uhr werden die beiden Motoren der Rolling Swiss II angeworfen. Wettermässig stehen teilweise Regen bei drei bis vier Windstärken und 0,5 bis 1 Meter Wellengang auf unserem Weg. Also ideal mit einer Motoryacht unterwegs zu sein und im trockenen zu sitzen. Eine Hafenausfahrt im Dunkeln gestaltet sich navigatorisch interessant. Leucht- und Richtfeuer müssen richtig interpretiert werden um auf dem richtigen Weg zu bleiben. Ein Vergleich zwischen der konventionellen Seekarte auf Papier und dem modernen elektronischen Gerät ist auch in einer solchen Situation ein guter Erfahrungswert den wir machen. Wie blinkt das nächste Seezeichen? Dreimal in zehn Sekunden? Vergleichen mit der von den Tagesnavigatoren erstellten Wegpunktliste und wieder einmal erfahren wie Theorie und Praxis funktionieren. Wir profitieren alle davon. Als es draussen heller wird sieht es wieder anders aus. Es ist nicht mehr viel zu tun als Kurs halten und nach eventuellen „Gegnern“ Ausschau zu halten. Die einen gehen bei Gelegenheit ein erstes Nickerchen machen. Irgendwann wird dann aber dem einen oder anderen bewusst warum dieses Schiff den Namen Rolling Swiss II trägt. Wind und Wellensystem tragen einen guten Teil dazu bei. Es schaukelt manchmal ziemlich fest und der Schreiberling steht dann doch mehrmals diskret an die Reling und nimmt‘s aber mit Humor als er sich ein Teil des Morgenessens durch den Kopf gehen lässt. Bekanntlich hilft das vorher eingenommene Stugeron in solchen Fällen aber wenn es originalverpackt in der Koje liegt… . Später beruhigt sich die ganze Situation wieder als die Wellen von einer anderen Seite her auf das Schiff treffen. Am Nachmittag nach drei Uhr werden die Uhren von UTC +2 (MESZ) auf UTC +1 umgestellt. Andi geht die britische Gastlandflagge suchen die später dann montiert wird. Als wir das Schiff im Hafen Lowestoft am Steg festmachen ist es ein wenig nach 1900 Uhr. Wir haben England nach gut 15 Stunden Fahrt erreicht. Paul und Christian widmen sich einer wichtigen Arbeit im Motorenraum – der Reinigung der Wasserfilter. Matthias und Thomas sehen sich dabei schon einmal ein wenig die Navigation für den nächsten Tag an. Schon bald sitzen alle am Tisch und essen. Der Tag klingt langsam aus.

28.04.2014 Lowestoft – Shotley

Nach dem Morgenessen macht sich Thomas auf den Weg zum Büro des Hafenmeisters um den Liegeplatz zu bezahlen. Der Chef der Marina wünscht dass die verantwortlichen Schiffsführer via Funk ihre Hafenausfahrt avisieren. Es kann zu gefährlichen Situationen kommen weil Frachtschiffe auf ihrem Wasserweg eine mit Lichtsignalanlage geregelte Brückenpassage befahren und dieser Wasserweg führt vor der Hafenausfahrt vorbei. Der Hafenmeister muss zuerst sein Einverständnis geben bevor die Rolling Swiss II aus dem Hafen auslaufen darf. Aha. No problem Sir we will contact you by radio when we are ready to go ? (and have a nice day)…
Später melden wir uns wie gehabt via Funk beim Hafenmeister und machen bis zu seinem Einverständnis noch ein kleines Hafenmanöver. Dann dürfen wir auslaufen und geniessen das englische Wetter. Heute erwartet uns eher eine kurze Etappe entlang der Küste vorbei am Leuchtfeuer in Southwold bis zum Nordquadranten North Shipwash. Von dort aus gelangen wir in die Einfahrt der Bucht von Harwich. Diese Einfahrtsmündung liegt zwischen Felixstowe und Harwich und ist recht gut betonnt. Zwei Flussläufe laufen hier zusammen. Westlich der River Stour und nördlich der River Orwell. Das Wetter wird besser und Sonne zeigt sich. In Felixstowe sind riesige Verladeterminale für Frachtschiffe gebaut und wir können von weitem sehen wie Container für Container verladen werden. Wir fahren westlich und nachdem Südquadranten Shotley Spit und der grünen Tonne Ganges biegen wir mit der Rolling Swiss II in die Einfahrt der Shotley Marina. Diese muss zielgenau auf den Eingang des Locks gefahren werden. Back- und Steuerbordseits ist bei Wassertiefstand die Uferzone trockengelegt. Es ist jedoch bei sorgfältigem Rudergang kein Problem da der Einfahrtskanal zusätzlich zwei Meter ausgebaggert ist. Die kleine Schleuse in der Hafeneinfahrt von Shotley ist ebenfalls durchdacht konstruiert. Beidseitig können wir unser Schiff an einem Schwimmsteg in der Schleuse festmachen. Der Hafenmeister begrüsst uns hier bereits als wir am „heraufschleusen“ sind und zeigt sich sehr hilfsbereit. An unserem zugewiesenen Platz sehen wir später noch besser zu den Verladeterminals hinüber weil diese Marina in dem Sinne „erhöht“ liegt. Und auch während der Nacht werden wir immer wieder daran erinnert dass irgendwo in der Nähe gearbeitet wird.

29.04.2014 Shotley – Titchmarsh

Heute füllen wir noch den Wassertank der Rolling Swiss II auf bevor wir die Shotley Marina verlassen. Der Schleusengang funktioniert perfekt. Durch die ausgebaggerte Einfahrtsstrasse hindurch gelangen wir wieder zum Südquadranten von dem aus wir nun den River Orwell hinauffahren in Richtung Ipswich / Greenwich. Auf der Fahrt durch den Flusslauf hinauf bekommen wir einen ländlichen Eindruck von England. Immer wieder kommen wir an Mooringfeldern vorbei wo die Engländer ihre Segelschiffe und Motorboote stationiert haben. Schliesslich passieren wir die Orwell Brigde und gelangen zum West Bank Terminal des Port of Ipswich. Noch weiter fahren wir und lassen die Einfahrt des Locks des Hafens Steuerbord stehen. Nach ein paar hundert Metern machen wir Halt an einer engen Stelle des River Orwell und beginnen mit unseren Tellerwendemanövern. Nach diesen Übungen nehmen wir wieder Kurs zur Bucht in der die Mündung der beiden Flussläufe ist. Schliesslich tuckern wir friedlich ins offene Meer mit der Rolling Swiss II und bewegen uns nach der Vorbeifahrt am Nordquadranten Landguard und der gelben Tonne Pye End südwestlicher entlang der Küste. Nach etwa 6 nautischen Meilen gelangen wir in die nächste Bucht und folgen südlich dem Walt-On-Channel. Hier ist wiederum exakte Navigation gefragt. Wir haben die Gelegenheit die Seezeichen auf der Papierseekarte mit den elektronischen Angaben zu vergleichen und erkennen manchmal Unterschiede die unsere Fahrt mit dem Motorboot jedoch nicht beeinträchtigen. In diesem Flusslauf hat die Höhe des Pegels den Hochwasserstand noch nicht erreicht aber es genügt längstens für die Fahrt bis zur Titchmash Marina. Per Funk melden wir uns an und bekommen einen Platz zugeteilt. Nach dem Ankertrunk begeben sich Skipper und Crew ins Städtchen um Einkäufe zu machen und sehen sich ein wenig um. Nur der heutige Tageskoch bleibt zurück um sich der Vorbereitung des Menus zu widmen.

30.04.2014 Titchmash – Burnham on Crouch

Der heutige Tag beginnt gemütlich mit dem Morgenessen und den letzten Vorbereitungen zum Ablegen. Wir sind nach unserem Zeitplan in Bezug auf das Hochwasser ein wenig zu früh und nutzen die Gelegenheit wiederum ein paar Hafenmanöver zu machen. Etwa um 0930 UTC +1 fahren wir aus dem Hafen und navigieren mit Kurs nach Sicht (und selbstverständlich auch Seekarte) mit Hilfe der zusammengestellten Wegpunkteliste. Nach der Haufenausfahrt sichten wir eine Robbe die ihr morgendliches Bad nimmt. Die Passage durch den Flusslauf verläuft reibungslos und schon bald sind wir mit der Rolling Swiss II wieder aus der Bucht raus im offenen Meer. Unser nächstes Ziel sind die Gunfleet Sands Offshore Wind Farm Anlagen. Dort wollen wir uns mit der Thematik ums Ankern auseinandersetzen. Um diese Windkraftwerke im Wasser zu erreichen halten wir Fahrt bis zur rotweissen Tonne Pye End und wechseln für die nächsten 8 nautischen Meilen auf einen südöstlichen Kurs bis zur roten Tonne Wallet No2. Irgendwann überqueren wir die Seaward Limit und sind im Gebiet welches von der Port of London Authority kontrolliert wird. Als wir später an dem Feld mit den Windkraftanlagen vorbeifahren und unsere Fotoapparate und Handys (für Facebook und WhatsApp) in Gebrauch nehmen wird uns die Grösse und Höhe der einzelnen Stromerzeuger die im Wasser verbaut sind bewusst. Um knapp halb zwei Uhr setzen wir den Anker nahe des Windkraftfeld und machen gemütlich Kaffeepause für etwa eine Stunde. Die Sonne schaut sogar ein wenig hervor und die einen machen es sich bequem auf den Liegepolstern des Vorschiffes. Als wir weiterfahren merken wir jedoch schnell dass die Sicht nicht unbedingt besser ist nur weil die Sonne scheint. Im Gegenteil wir müssen sogar noch besser aufpassen damit wir die Seezeichen bis zur Bucht von wo der River Crouch in das Landesinnere einmündet erkennen weil es immer ein wenig blendet. Die kleine Flussfahrt verläuft ebenfalls gegen die Sonne bis zur Hafeneinfahrt von Burnham on Crouch. Wir sind ehrlich und müssen uns eingestehen dass dieser Sonnenschein unserem Gemüt gut tut und als wir unser Anlegemanöver am per Funk zugeteilten Kopfsteg vollzogen haben können wir den Ankertrunk draussen auf der Brücke geniessen.

1.05.2014 Burnham on Crouch – Gravesend

Was heute fast unmöglich scheint wird ist bereits Wirklichkeit. Es ist die navigatorische Herausforderung mit dem Ziel der Umrundung der Isle of Sheppey. Die Berechnungen sind gut vorbereitet und wir fahren gemütlich seit fünf vor sechs morgens mit der Rolling Swiss II den River Crouch den Seezeichen entlang aus der Bucht ins offene Gewässer. Das Zeitfenster für die Fahrt um die Isle of Sheppey ist ein wenig mehr als sieben Stunden. Zuerst aber nehmen wir einen südlichen Kurs und fahren nach etwa vier Stunden an den Maunsell Forts vorbei. Dies sind im Wasser versenkte Geschütztürme welche im zweiten Weltkrieg der britischen Admiralität zur Verteidigung der Küstenlinien diente. Vereinzelt sind diese Zeitzeugen noch vorhanden und geben der Szenerie etwas Gespenstisches. Es wird uns doch bewusst dass die Geschichte hier sehr gut present ist. Auf der Steuerbordseite sehen wir ein kleines Windkraftfeld. Kurz vor elf Uhr münden wir mit der Rolling Swiss II in den Swale River ein herum um das östliche Kap Shellness. Exakt folgen wir dem Flusslauf vorbei am Nordquadrant Faversham Spit. Auf den Hügeln neben dem Wattgebiet grasen Kühe deren Rasse wir nicht erkennen. Alte verlassene Industriehäfen und Schiffe deren Kapitäne die Gezeitenberechnung nicht richtig durchgeführt haben erinnern uns an die vergangenen Zeiten. Wir passieren vorsichtig seichte Stellen ohne Probleme. Die Brücke Sheppey Way bei der Kingsferry Bridge wird für uns nach Avisierung durch Funk geöffnet. Nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt um die kleine Insel gelangen wir durch die durch die Mündung des Medway Rivers in die Themse. Nach der gelben Tonne Sea Reach No 7 folgen wir etwa fünf Seemeilen dem Flusslauf und fahren vorbei an Containerterminals für die ziemlich grossen Frachtschiffe und steuern auf unser Ziel Gravesend zu welches flussaufwärts auf der linken Seite liegt. Nach einer Anfrage via Funk genehmigt man uns an der inneren Seite des Town Pier der Tilbury Ferry anzulegen. Das ganze Prozedere geschieht unter den Augen der neugierigen Passagiere die auf ihre Fahrt mit der Fähre warten. Ja die Schweizer machen das souverän und haben die Show „im Sack“. Danach macht ein Teil der Crew einen kleinen Landgang und schaut sich das Städtchen an. In einem Pub genehmigt man sich dann das erste Guiness an Land. Zurück auf der Rolling Swiss II warten bereits das Abendessen und die Navigationsvorbereitungen für den nächsten Tag.

2.05.2014 Gravesend – London Imperial Wharf

Morgens nach halb sieben werden die Motoren der Rolling Swiss II gestartet und wir legen mit dem Motorboot ab in Richtung London. Es liegen etwa knapp 30 Seemeilen vor uns bis wir das Ziel bei der London Imperial Wharf erreichen werden. Vorsichtig kalkulieren wir ungefähr 5 Stunden Fahrzeit mit 6 Knoten Geschwindigkeit. Nach den Tilbury Docks auf der rechten Seite fahren wir die erste Linkskurve um das Broadness Lighthouse herum. Bereits jetzt fahren wir unter der ersten Brücke durch (es ist die Queens Elizabeth II Bridge) und passieren die nächsten paar Verläufe der Themse. In der Nähe des Gallionspoint sichten wir wieder eine Robbe die im Fluss herumschwimmt. Wir steuern mit unserer Motoryacht vorbei an den Royal Victoria Gardens und North Woolwich. Dahinter liegen die King George V und Royal Albert Docks wo sich der City Airport von London befindet. Jetzt müssen wir das Thames Barrier durchqueren aber zuvor avisiert Matthias via Funk die zuständige Kontrollstelle welche uns die Erlaubnis geben muss. Die wird uns auch gegeben und die Gates wovon wir eines passieren müssen werden mit einer Lichtsignalanlage geregelt. Danach geht über uns die Hochseilbahn welche die Docklands mit dem bekannten O2 Area verbindet über die Themse. Uns fällt auf dass immer mehr Verkehr auf dem Wasser herrscht und müssen auf die vortrittsberechtigten Ferrys achten welche zwischen den Ufern der Themse hin- und herpendeln. Die Taxiboote auf dem hiesigen Gewässer sind mit bis zu 25 Knoten schnell unterwegs. Vorsicht und Aufmerksamkeit der Schiffsführer ist oberstes Gebot. Kurz vor der Tower Bridge funkt Urs die zuständigen Leute an für das Tanken der Rolling Swiss II. Wir legen bei der Fuel Barge an und warten auf den Tankwart. Auf dieser Fuel Barge ist es fast wie auf einem Kinderspielplatz für technisch interessierte Erwachsene. Durch die verstaubten Scheiben sehen wir ins Innere des Büros des Treibstoffverkäufers. Nichts ist aufgeräumt und Chaos total. Belege die vermutlich sorgfältig in Registern abgelegt werden sollten liegen auf dem dreckigen Boden herum. Nach über einer Stunde warten und Versuchen mit den Zuständigen Kontakt aufzunehmen legen wir in nicht mehr so guter Stimmung ab und fragen uns wo das Interesse der Betreiberfirma bleibt Geschäfte zu machen. Der Pegel des Hochwassers steigt und wir müssen unter den Brücken hindurchkommen bis zur Imperial Wharf. Zulanges Warten können wir uns nicht erlauben und so fahren wir unter den ersten Brücken (angefangen bei der Tower Bridge) durch. Bei einigen Brücken klappen wir die Antennen der Rolling Swiss II um damit alles gut geht. Vorbei am gigantischen Riesenrad von London dem London Eye auf der linken Seite und weiter vorne dem Big Ben auf der rechten Seite. Bei der Westminster Bridge befindet sich eine zweite Fuel Barge. Wir machen nochmals einen Versuch dort zu tanken nach langem Warten entscheiden wir uns wieder zu gehen. Weiter vorne kurz vor der Vauxhall Bridge fahren wir am unscheinbaren Gebäude des Secret Intelligence Service vorbei. Anlegen ist hier strengstens verboten und Fototermine werden auch keine gegeben ;-). Nach der besagten Brücke befindet sich auf der gleichen Seite die Saint George Wharf mit den schicken Riverside Locations wo die Geheimagenten nach Feierabend an ihren Martinis nippen und mit den ansässigen Damen Bekanntschaft schliessen. Nach weiteren Brückendurchfahrten erreichen wir die Einfahrt des Chelsea Harbour wo sich unweit davon der Landesteg der Imperial Wharf befindet. Der Hafenmeister ist bereits mit Funk von uns über unsere Ankunft unterrichtet worden. Er steht am Pier und winkt uns zu einem freien Platz. Dort machen wir unser letztes Anlegemanöver auf diesem Törn und binden die Rolling Swiss II fest. Wir freuen uns dass alles gut geklappt hat während wir unseren Ankertrunk geniessen. Später im Hafenbüro stellt sich doch eine gewisse Ernüchterung ein… keine sanitären Anlagen… kein geliebtes WIFI… aber teuer bezahlen für den Platz (rund dreimal so viel wie vorher in anderen Häfen!). Nach der Reinigung des Schiffes gehen wir am Abend in der feinen Gegend von Chelsea an der Kings Road uns einen Apero im Pub genehmigen und essen gut in einer interessanten Location wo viel Betrieb herrscht. Der Tag klingt aus und auf dem Nachhauseweg machen wir noch einmal Halt in einem Pub wo wir uns einen Schlummertrunk gönnen und über die vergangenen Tage plaudern.

Nachtrag

Es ist Samstagmorgen und die Taschen stehen gepackt auf dem Steg. Die neue Crew trifft ein und wir verabschieden uns von Urs der als neuer Skipper für den nachfolgenden Törn auf der Rolling Swiss II bleibt. Wir geben ihm genügend Geld mit um mit dem Motorboot zu tanken. Irgendwie ist es ärgerlich dass dies hier auf der Themse nicht geklappt hat obwohl es im Reeds gut beschrieben ist. Vermutlich ist dies aber eben auch eine Erfahrung die man als Seefahrer macht und einem hilft in einem anderen Fall anders und besser zu entscheiden. Als wir nun die Imperial Wharf und die Rolling Swiss II verlassen kommt die Sonne hervor und blendet uns noch ein wenig. Nach und nach verabschiedet sich einer nach dem anderen aus unserer Gruppe. Unterschiedliche Flughäfen oder Bahnstationen… wie dies so läuft nach einem Törn. Der Schreiberling selbst bleibt noch ein paar Tage hier und schaut sich die Stadt an. See you und gute Heimfahrt den anderen Crewmitgliedern es war cool mit Euch.


19.04. – 26.04.2014 Antwerpen – Calais

Skipper: Florin und Andreas
Crew: Paulette, and Leonora und Patrick

Durch Flandern zur Nordsee.

19-4-1014 Antwerpen – Gent

Pünktlich um 7.30 traf die neue Crew am Hafen von Antwerpen ein. Im wahrsten Sinne des Wortes neu, cialis ist es doch der erste Törn auf See für Leonora und Patrick. Die Zusammenstellung der Crew verspricht Spannendes. Skipper 2, Andreas der alles richtig machen möchte, die zwei Neuen die nichts falsch machen wollen treffen auf einen Skipper 1, der alles perfekt machen will.
Der Erste Tag verläuft ruhig und ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die erste Schleuse im Hafen von Antwerpen konnte passiert werden. Florin manövrierte das Boot, der Rest der Crew war damit beschäftigt die Rolling II korrekt und nach Vorschrift zu sichern. An der zweiten Schleuse Merelbeken war dann Andreas an der Reihe zu navigieren während Pädi und Leonora ihre Instruktion bekamen wie man eine Yacht in einer Schleuse richtig sichert. Ebenfalls wurde hier die „Waterwege Vignette“ für 2014 gekauft. Dazu benötige die Schleusenwärterin 20 Minuten um ein Formular auszufüllen. Wahrscheinlich war sie mit dem Schreiben in Schweizerdeutsch (Strasse und Stadt) etwas überfordert.
Unseren ersten Übernachtungsplatz fanden wir dann schliesslich in Snepdijburg Gent. Den Arbeitsag schliesst die Crew mit dem Ankertrunk ab. Dabei liess Andreas verlauten, dass er es heute super fand, viel gelernt hat, manchmal jedoch stark gefordert wurde und froh ist, dass die Rolling II im Hafen liegt und wir nun zum Essen ausgehen können.

20.4.2014 Gent

Nach einer ruhigen Nacht und einem feinen Frühstück à la Paulette entschied die Crew heute, Ostersonntag einen gemütlichen Ausflug nach Gent zu unternehmen. Während die Frauen der Ostermesse zuhörten, schlief der Skipper 1 in der Kirchenbank friedlich vor sich hin. Andreas und Patrick dagegen, besuchten lieber einige Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Zum Mittagessen kauften wir in einer richtigen belgischen „Pommes Bude“ ein Mittagessen – scharfe Wurst mit Pommes. Zur Krönung des Ostersonntagsessens gab es noch belgische Waffeln mit Rahm und frischen Erdbeeren. Zufrieden fuhren wir anschliessend mit dem Taxi zurück zur Marina. Dort beschlossen wir einstimmig heute nicht mehr weiterzufahren, sondern unseren Törn erst am Ostermontag in Richtung Brügge fortzusetzen. Die drei Männer suchten deshalb den Hafenmeister auf, um noch für eine weitere Nacht zu bezahlen (und im Clublokal ein Bierchen zu trinken). In dieser Zeit bereitete Paulette ein wunderbares Oster-Abendessen vor. (Mangosalat, Schweinsfilets mit Reis und Ratatouille). Während wir gemütlich zusammen sassen kam noch ein Hafenmeister um seinen Liegeplatz zu verrechnen. Nach einigen Diskussionen stellte sich heraus, dass wir dem Falschen bezahlt hatten (linkes Ufer ist nicht gleich rechtes Ufer).

21.4.2014 Gent – Brügge

7.30 Frühstück, 8.30 Losfahren Richtung Brügge. Nach einer kurzen Einweisung durch den Skipper2 konnten wir die Leinen los machen und Andreas Manövrierte die Yacht Richtung Brügge.
Nach ca. 3 Stunden Fahrt ohne Zwischenfälle, doch mit weitaus mehr Verkehr als am Tag zuvor liefen wir im Hafen Flandria in Brügge ein. Die nette Hafenmeisterin wies uns den Platz Nr. 23 zu.
Nach einigen Anlege- und Leinenkunststücken war die Rolling Swiss II am Steg festgemacht und die Crew konnte sich auf den Weg zum wunderschönen Städtchen Brügge machen. Nachdem Andreas nach längerem Suchen nach einem geeigneten Restaurant einen Tipp bekommen hatte, wählten wir das Wirtshaus Raymonde. Die Jüngeren der Crew taten sich an einem Château-Briand gütlich, während die Älteren ein Fischgericht bevorzugten.
Der Weg zurück zur Marina bescherte uns einen längeren Spaziergang, da wir uns nicht einig waren in welche Richtung wir gehen sollten. So wurde aus einer halben Stunde eine Ganze. Müde und voll gegessen verschwanden die Crew Mitglieder heute früh in Ihren Kojen.

22.4.2014 Brügge – (Newport) – Oostende

Nach genauer Routenplanung mit Kanal- und Nordseeabschnitt haben wir um 10.15 abgelegt. Auf dieser Strecke standen uns 8 Brücken und drei Schleusen bevor. Es war imposant alle diese Drehbrücken zu passieren. Langsam näherten wir der Abzweigung zum Plassendalekanal. Kurz davor liessen wir einen, rassig zu uns aufschliessenden, Frachter passieren. Dazu näherten wir uns dem Kanalufer (Spundwände) worauf uns plötzlich, ohne Vorwarnung ein unangenehmes Rumpeln erschreckte. Durch das recht klare Wasser entdeckten wir anschliessend auch die Ursache: „Zwei, im Kanal entsorgte Betonplatten, welche grosse Ähnlichkeit mit den für die Spundwänden verwendeten hatten“. Zwischen Brügge und Oostende wohl die einzigen zwei, aber wir haben sie gefunden.
Der Rest des Tages verging mit Telefonieren und der Suche nach einer kompetenten und willigen Werft um das Befinden der beiden Schrauben der RS II zu untersuchen:

**Ein TAG zum VERGESSEN**

23.4.2014 Oostende

Nach einer Nacht am Steg der Werft in Oostende standen wir früh auf um für die bevorstehende Auswasserung der RS II bereit zu sein. Nach dem Frühstück und einer kleinen Führung durch die Werkhallen der Werft warteten wir geschlagene 5 Stunden bis der Kran auf der Strasse aus Brügge ankam und die Rolling Swiss II aus dem Wasser hob. Nach Begutachtung des Schadens an den Schrauben durch den Werftbesitzer, Florin vor Ort und Marc am Telefon wurde entschieden, beide zu tauschen und das Boot wieder zu Wassern zu lassen.

24.4.2014 Oostende – Dunquerke

Nachdem Florin und Andreas die Seeresroute intensiv diskutiert hatten um sicherzustellten, dass auch alle Quadranten zu finden sind, fuhren wir gegen Mittag los. Die drei Männer waren mit Feldstecher, Karten und sonstigem Material gut ausgerüstet, sodass wir ohne Probleme den Hafen von Dunquerke erreichten. Nach einem feinen Abendessen an Bord verabschiedeten sich alle und suchten ihre Kabinen auf, da unser Skipper befohlen hatte am nächsten Tag um 05.00 los zufahren, damit wir dem Wetter, welches uns auf dem Meer erwartete ausweichen konnten. Dies bereitete vor allem den beiden Greenhörnern Leonora und Patrick etwas Bauchschmerzen, war es doch die erste Fahrt auf dem Meer, welche da auf sie zukam.

25.4.2014 Dunquerke – Calais

Wie befohlen verliessen wir also bei Tagesanbruch die Marina und fuhren uns auf die Nordsee hinaus, Richtung Calais. Es windete für meinen Begriff ganz schön fest und auch die Wellen packten ab und zu die RS II etwas unsanft an, sodass nach einer guten Stunde die Greenhörner über der Reling hingen und …….
Als wir uns der Hafeneinfahrt von Calais nährten empfing uns eine ganze Flotte von Fähren, welche aus dem Hafen ausliefen um Kurs in Richtung England aufzunehmen. Die Hafenbehörde meldete sich mit: „Rolling Swiss, Rolling Swiss keep clear ……“, die Rolling Swiss II anweisend seitlich des Fahrwassers abzuwarten, bis die grossen Fähren den Hafen verlassen hatten. Dieses Erlebnis war sehr beeindruckend und wir vergassen, dass es uns eigentlich schlecht war. Nachträglich ein grosses Kompliment an unsere Skipper, mit Bravour gemeistert. Eine Stunde später machten wir die Rolling Swiss II zum letzten Mal fest und genehmigten uns auch den letzten Ankertrunk.

Durch den ungewollten Aufenthalt in Oostende etwas verspätet mussten wir uns dann etwas sputen um die RS II fit und sauber für die Nachfolgecrew vorzubereiten.

Ein tolles, beeindruckendes Erlebnis, vor allem für die beiden Greenhörner.

Leonora und Patrick


12.04. – 19.04.2014 Rotterdam – Antwerpen

Skipper: Florin und Peter
Crew: Paulette und Jürg

Binnen und Buiten in Holland und Belgien

Samstag, 12.4. Schiffsübernahme in der City Marina im Entrepothaven in Rotterdam.
Einkaufen im grossen Supermarkt, der den Namen „Jumbo“ zu Recht trägt. Dementsprechend dauert das Zusammensuchen der Waren nach Einkaufszettel so viel Zeit, dass der Skipper entscheidet, erst am Sonntag auszulaufen.

Sonntag, 13.4.  Rotterdam – Hoek van Holland – retour bis Abzweigung in die Oude Maas – Spui – Haringvliet – Willemstad (nicht das auf Curaçao …).
Interessante Fahrt auf der Nieuwe Maas und dem Nieuwe Waterweg durch den drittgrössten Seehafen der Welt (nach Shanghai und Singapur) mit seinen unzähligen Becken bis zum Europoort. Dank AIS und aktiviertem Radarreflektor wird unsere Fahrt von den verschiedenen Verkehrszentralen überwacht. Wir haben auch immer schön den entsprechenden, auf der Seekarte vermerkten VHF-Kanal eingestellt. So werden wir prompt einmal angerufen und gewarnt, dass aus einem der Hafenbecken gleich ein grosser Binnenkahn auslaufen werde. Und schon taucht er auf und dreht hinter uns ein
Nicht nur ein riesiger vollbeladener Tanker kommt uns bei Hoek van Holland bei der Mündung in die Nordsee entgegen, sondern auch beängstigend grosse Wellen, verursacht durch Strom gegen Wind und Kreuzseen. Sie werfen die Rolling Swiss II wie eine Streichholzschachtel hin und her, im Salon scheppert es gewaltig. Zum Glück entscheidet der Skipper umzukehren und Binnen weiterzufahren.
Nach einiger Fahrzeit biegen wir in die Oude Maas ein. Hier verkehren schier pausenlos Binnenschiffe in beide Richtungen.
Plötzlich werden wir per Funk angerufen. „Rolling Swiss – Rolling Swiss What is your intention?“ tönt es aus dem Lautsprecher. Nach einer kurzen Kommunikation werden wir höflich gebeten: „Please keep you on the green side …“. Was war der Grund? Der Schreibende hat eine Brückendurchfahrt steuerbord voraus mit zwei orange beleuchteten Lichtern als „Durchfahrt gesperrt“ interpretiert und daher die backbordseitige Durchfahrt anvisiert. Hoppla … für alle, die es auch nicht auf Anhieb wissen: Die zwei Lichter bedeuten „Durchfahrt hier, Mitte des Fahrwassers“. Schon wieder was gelernt. Nach einem raschen Wechsel auf die (nicht betonnte) „green side“ wird ein kurzer Funkspruch mit einer Entschuldigung an die Verkehrszentrale freundlich quittiert mit: „No problem at all, that’s our job“.
Nach der Durchfahrt der Spui und einem Teil des Haringvliets erreichen wir Willemstad.

Montag, 14.4. Hafentag in Willemstad
Wegen konstantem Starkwind (das Haringsvliet schäumt quer von Nordwest nach Südost) und einer Warnung vor Sturmböen mit Stärken 8 bis 9 und der Information des Hafenmeisters, dass ein Queren der Osterschelde bei diesen Umständen heikel sei, beschliesst der Skipper, heute einen Hafentag in Willemstad einzulegen.
Das Städtchen hat einen kleinen, aber sehr interessanten Stadtkern, mit vielen gut restaurierten Bauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es ist eine typisch holländische kleine Festungsstadt. Die Stadtbefestigung von 1602 hat sieben Bastionen, für jede Provinz der damaligen Republik der Niederlande eine. Sie wurde in den 1980er Jahren restauriert. (Quelle: Wikipedia).
Die sieben Bastionen sind aussen von einem Wassergraben und einem Damm umgeben. Dieser wird auf der Aussenseite mit einem weiteren Wassergraben geschützt.

Dienstag, 15.4.  Willemstad – durchs Volkeraak – Mastgat – Osterschelde – Verse Meer – Kanal van Walcheren – Middelburg
Eine schöne Fahrt durch die holländische Landschaft, einige Male „unterbrochen“ durch Schleusen, führt uns zum Kanal van Walcheren. Dieser verbindet die Binnenwasserstrassen bei der Seeschleuse in Vlissingen mit der Nordsee.
Middelburg liegt nördlich von Vlissingen auf der Halbinsel Walcheren, in der Provinz Zeeland. Im zweiten Weltkrieg wurde die Innenstadt von Middelburg schwer zerbombt. Das heute historisch wirkende Stadtbild basiert auf einer lückenlosen Rekonstruktion.
Hier möchten wir gerne im Binnenhaven festmachen. Wir stellen fest, dass die Brücke erst ¾ Stunden nach unserer Ankunft geöffnet wird und machen an einem Wartesteg fest. Später kommt der Hafenmeister und teilt uns mit, dass er die Brücke in der Vorsaison noch nicht öffne, dass wir aber am (gut gelegenen) Wartesteg übernachten dürften. Der Vorteil ist, dass wir am Morgen gleich ungehindert losfahren können.

Mittwoch, 16.4.  Middelburg – Zeebrugge – Breskens
Auf einer Strecke von 4 Seemeilen zwischen Middelburg und Vlissingen sind fünf Brücken und die Seeschleuse Vlissingen zu passieren. Statt der geschätzten Stunde dauert es zwei Stunden bis wir nach der Seeschleuse in die Mündung der Westerschelde einfahren können. Das Öffnen der Brücken geschieht nicht koordiniert, vor jeder müssen wir eine geraume Zeit warten.
Im betonnten Fahrwasser fahren wir bei ruhiger See und kaum Wellenschlag bis Zeebrugge, BEL. Wir verpflegen uns hier in einem Restaurant. Die Sonne scheint und es ist angenehm warm, wir können draussen sitzen.
Die weitere Fahrt bringt uns zurück zur Mündung der Westerschelde. Gegenüber von Vlissingen machen wir in der Marina von Breskens fest.

Donnerstag, 17.4.  Breskens – Hansweert (Schleuse) – Wemeldinge
Wir fahren im betonnten Fahrwasser die Westerschelde hoch, Richtung Antwerpen. Eine interessante Fahrt. Immer wieder begegnen uns Seeschiffe und wir werden von Binnenschiffen überholt. Kurz bevor wir das Fahrwasser nach Backbord queren müssen um in die Schleuse von Hansweert einzufahren, werden wir von zwei Seeschiffen überholt, die bereits seit einiger Zeit hinter uns her gefahren sind und uns langsam aufgeholt haben. Wir fahren etwas ausserhalb des Fahrwassers, damit sie ungehindert passieren können.
Von der Schleuse erhalten wir über Funk Bescheid, dass wir hinter den Berufsschiffen einfahren können.
Nach einer ungefähr einstündigen Kanalfahrt erreichen wir die Marina von Wemeldinge. Vor dem Nachtessen haben wir die Gelegenheit das rückwärts Einfahren in eine Box bei böigem Seitenwind zu üben. Danke Florin, Du hast es nicht nur geschafft, mich ins Schwitzen zu bringen, sondern dank Dir ich habe auch eine Erkenntnis gewonnen, die mich nun punkto manövrieren (hoffentlich) weitergebracht hat! 

Freitag, 18.4.  Wermeldinge – Westerschelde – Antwerpen
Kurz nach 8 Uhr morgens verlassen wir Wemeldinge, damit wir die Marina in Antwerpen gegen Mittag erreichen. Nach dem Verlassen der Schleuse in Hansweert „kämpfen“ wir uns bei einer Gegenströmung von rund 3 Knoten die gewundene Westerschelde hoch. Wiederum eine sehr interessante Fahrt. Dort wo uns der Strom seitlich versetzt, gilt es aufzupassen, dass wir immer schön im betonnten Fahrwasser, wenn auch an dessen Rand, bleiben. Schnell würden wir sonst in die seitlich gut sichtbaren Untiefen vertrieben.
Um 1300 Uhr warten wir vor der Royerssluis um in den Hafen von Antwerpen zu gelangen. Zum Glück haben wir uns per Funk vorangemeldet. Wir erhalten die Nummer 7 zum Einfahren und brauchen nur etwa 10 Minuten hinter dem Berufsschiff Orion zu warten, bis die Schleuse geöffnet wird. Jetzt fahren von Steuerbord her 5 Binnenschiffe, aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, in die Schleuse ein. Hinter der Orion haben wir noch als siebtes, letztes und kleinstes Schiff Platz. Es dauert lange, bis alle Schiffe ordentlich festgemacht haben, die Orion liegt sogar im „Päckli“ an einem grossen Tanker. Es ist imposant, mal so hochgeschleust zu werden.
Nun haben wir noch zwei Brücken zu passieren, um in die Marina zu gelangen. Drei Stunden haben das Schleusen und das Warten auf die Brückenöffnungen gedauert. Nach dem Diesel bunkern machen wir um 1600 in der Marina im Willemsdok fest.
Nun ist der schöne, abwechslungsreiche Törn leider zu Ende.
Ein ganz besonderer Dank gilt Paulette. Sie hat als gute Seele an Bord stets ausgezeichnet für unser leibliches Wohl gesorgt. Wir haben den Törn in einem bestens geführten fünf Sterne-Restaurant geniessen können. Merci beaucoup pour tout ton excellent engagement, Paulette!

April 2014 Peter