05.05. – 12.05.2012 Stralsund – Karlskrona

In Hohheitsgewässern von drei Ländern

Skipper: Marcel
Crew: Bruno, sick Richi, Traudl

Als die letzten Crewmitglieder am Vormittag des 5. Mai im Yachthafen von Stralsund (Mecklenburg/Vorpommern) eintreffen, sind die ersten der üblichen Aufgaben – Schiffsübernahme und Grosseinkauf – bereits erledigt, und wir können direkt zum „get-together-lunch“ ins Stadtzentrum am Platz vor der filigranen Rathausfassade und bei der wuchtigen Nikolai-Kirche gehen. Am Nachmittag folgt bereits das erste highlight dieses Törns: die Instruktion mit ausgedehnten Manöverfahrten im Hafen und in den davor liegenden, betonnten Fahrstrassen.

Auslaufen am nächsten Morgen –nordwärts durch die seichten Gewässer des Kubitzer Boddens in schmalen, aber gut ausgetonnten Fahrstrassen, dann zwischen den Inseln Rügen und Hiddensee hindurch – später darf die ROLLING SWISS II zeigen, was in ihr steckt: bei voll aufgedrehten Motoren rauscht sie in die offene Ostsee hinaus… Heija, was für ein Spass!

Die erste Tagesetappe endet in Glowe an der Nordküste von Rügen; die zweite bereits im Dänischen Bornholm und am Schluss der dritten finden wir uns schon in schwedischen Gewässern – in Simrishamn (ein Ort übrigens, wo schon vor X-Tausend Jahren – in der Steinzeit – Güter auf Schiffe umgeladen wurden!)

Das Wetter, bis anhin zwar nicht besonders schön, eher bedeckt mit fahlem Licht, und ruhiger See, wird nun regnerisch; zudem frischt der Wind aus südlicher Richtung deutlich auf. Er verursacht Seegang mit eklig kurzen Wellen, die von unserer ROLLING SWISS II aber dank leicht erhöhter Maschinenleistung mit rund 14 Knoten Fahrt top-elegant gemeistert werden.

Das Schärengebiet vor unserem nächsten Etappenziel Ahus fordert die volle Aufmerksamkeit der Crew, denn es liegt fast komplett unter Wasser, aber eben nur knapp; am Schluss geht’s, an den Hafenanlagen vorbei, ein kleines Flüsschen hinauf zu den halsbrecherisch schwabbligen Stegen des CSS-Yachtclubs, wo dann der Empfang so freundlich ist, wie im Handbuch versprochen. Ahus ist eine Küstensiedlung, die mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht, und wo heute der weitherum beliebte „Absolute-Vodka“ destilliert wird.

Die letzte Etappe führt uns nach Karlskrona. Bei diesig-nebligem Wetter, Nieselregen und misslichen Sichtverhältnissen hat sich die Annäherung an die Stadt durch eine ausgedehnte Schärenlandschaft in engen Fahrstrassen, die früher zudem stark befestigt und mit Hindernissen gespickt wurden, recht abenteuerlich gezeigt. In Karskrona ist die schwedische Marine-Geschichte allgegenwärtig – ein würdiger Ort also für die bevorstehende Uebergabe der ROLLING SWISS II an die nächste Crew
Der Abschluss des Törns wie üblich: Aufräumen, Putzen, etc.; lediglich das Auftanken gestaltete sich wenig feierlich: unbediente Tankstelle, übliche Kreditkarten werden vom Automaten nicht angenommen, dafür die Ausgabemenge auf jeweils minimes Quantum beschränkt – dennoch kein Fiasko, dank bestens ausgeruhten Nerven.

Resumé: der Ausbildungseffekt, nämlich die Vermittlung der MB-Kenntnisse ist perfekt gelungen. Darüber hinaus ein kameradschaftlich megatrendiger, geografisch interessanter, nautisch instruktiver Törn – dem Skipper und der RG-Zürich sei dank!

Berichterstatter: Richi


28.04. – 05.05.2012 Kiel – Stralsund

Qu’est-ce que j’ai appris aujourd’hui ?

Skipper: Beat und Paul,
Crew:     Fabio, Hans-Georg, Hanspeter und Markus

„Qu’est-ce que j’ai appris aujourd’hui? “, fragte mich Fabio beim abendlichen Debriefing auf der Rolling Swiss II. „Je pense, que je n’ai rien appris.“, sinnierte er. „Doch“, war meine Antwort, „du hast dich selbst kennen gelernt“.

Was war am Tag geschehen? Bei eher windigen Verhältnissen und mit einer Prognose von Bf 6 legten wir am zweiten Tag unseres Törns in Richtung Heiligenhafen in Kiel ab. Wir hatten zwei Alternativ-Routen geplant, für den Fall, dass das strenge Wetter zunehmen könnte. „Wir“ war eine auf hohem Niveau qualifizierte Crew: Zwei erprobte Skipper CCS mit über 10‘000 nm Erfahrung, ein zukünftiger Skipper CCS, der seine letzte Quali schaffen wollte, ein  zukünftiger Skipper2, ein Mitglied mit dem Deutschen Hochseeschein und ein Aspirant, der sich durch gute praktische Elektronik- und Radarkenntnisse auszeichnete.

Und das Wetter tat es: Je weiter sich die Rolling Swiss II  aus der Kieler Förde ins offene Gewässer  vorwagte, umso stärker wurde der Wind und umso höher wurden die Wellen. Das Vorwagen wurde zum Vorkämpfen. Bei Bf 7 und einem Wellengang von 1.5 m entschieden wir, die kürzere Route längs der Küste Richtung Heiligenhafen zu fahren. Die Entscheidung war richtig.

Kurz danach begaben sich zwei  Mitglieder der Crew in ihrer Koje in die Horizontale: Seekrankheit.  Ein drittes stand verdächtig an der Reling, fixierte den Horizont und wollte um keinen Preis einen anderen Platz einnehmen. Die Wellen brachen so über den Bug, dass wir im Cockpit nicht mehr trocken blieben. Unser „Hardcore-Segler“ übernahm die Rolle des Trouble-Shooters. Er musste das lebendig gewordene Innenleben des Schiffes bändigen: Was nicht niet- und nagelfest war, flog umher. Verschlossene Schubladen und Schränke öffneten sich und ihr Inhalt glitt durch das Innere des Schiffes. Die festgemachte Matratze auf Deck löste sich und wir mussten uns entscheiden, ob wir sie der See opfern wollten oder einen Bergungsversuch wagten.

Auf einer Fahrt mit den Wellen gelang die Bergung. Wieder gegen die Wellen kämpfend suchten wir Schutz hinter einer Insel vor dem nunmehr auf Bf 8-9 angestiegenen Wind. In Bezug auf den Wellengang erwies sich der Schutz eher als Irrtum, da die Wellen wegen der geringeren Seetiefe grösser wurden. Plötzlich tauchte ein Punkt auf dem Radar auf, der sich auf dem AIS als ein SAR-Schiff identifizieren liess. Es begleitete uns etwa eine halbe Stunde lang. Wir standen unter Beobachtung und Schutz der deutschen Seenotretter.  Ein beruhigendes Gefühl. Als wir uns der Einfahrt von Heiligenhafen näherten, verschwand es.

Nach dem nicht einfachen Anlegemanöver (Windstärke) habe ich uns beim Hafenmeister angemeldet. „Na, wie ist es draussen?“, war seine Frage. „Nicht ohne“, war meine Antwort.  „Das hab ich mir gedacht,“, sagte er trocken, „sie sind nämlich erst das zweite und wahrscheinlich auch letzte Schiff, das heute hier ankommt.“

Beim Debriefing kam die Frage von Fabio: „Qu’est-ce que j’ai appris aujourd’hui? “

Du hast dich selbst kennen gelernt, wir haben uns als Crew und die See kennen gelernt. Schliesslich haben wir die Rolling Swiss II kennen gelernt. Es galt, soziale Kompetenzen zu entwickeln, Verantwortungsgefühl für den anderen zu tragen und die Fähigkeit auf die Probe zu stellen, mit Empathie auf Mensch und Material einzugehen.

So ziemlich das, was unser Vicecommodere APA Ulrich Schmid in der neuesten CRUISING folgendermassen beschreibt: „Was nützt die beste Törnorganisation, wenn wir nicht wahrnehmen, dass ein Crewmitglied uns nicht mehr in die Augen schauen mag: ein untrügliches Zeichen für einen anbahnenden Konflikt. (…) Was hier so kompliziert klingt, heisst auf dem Schiff schlicht und ergreifend: Augen auf! Ohren auf! Herz auf!“

Wir von der Crew des Törns 08/12/18 von Kiel nach Stralsund freuen uns darauf, uns beim nächsten Treffen wieder in die Augen schauen zu dürfen. Wir haben uns während einer Woche mit Empathie dem Team, der Yacht und den umgebenden Elementen zugewandt. Wir haben viel gelernt dabei.

Beat, Skipper CCS