31.03.-07.04.2012 – Kadertörn – Der letzte Schliff

Kadertörn mit der „MY ROLLING SWISS II“ im Wattenmeer


Am doch sehr kühlen Freitagnachmittag, sale treffen alle aus verschiedenen Richtungen und mit diversen Verkehrsmitteln in Enkhuizen ein. Es bläst ein eisiger Wind und uns wird schnell klar, das wird keine Urlaubswoche, wobei dies bei einem Kadertörn des CCS, auch gar nicht vorgesehen ist…

Am Samstag werden Lebensmittel gekauft und gebunkert und einmal mehr beschleicht mich der Eindruck, das müsste doch mindestens für einen Monat reichen. Die Kajüten werden bezogen, eingeräumt und schon folgt die sehr ausführliche und bestens vorbereitete Sicherheitsinstruktion von Florin.

Das Auslaufen wird noch aufgeschoben, da mit dem Alternator irgendwas nicht stimmt. Zum Glück ist die Reparatur bald vollendet und am Sonntag fahren wir direkt nach Harlingen raus. Zunächst durchs Ijsselmeer, dann durch die Schleuse Kornwerderzand, in die Waddenzee. Dazu muss man wissen, dass in Holland Meer, See bedeutet und umgekehrt, Zee, Meer. Und obwohl die Waddenzee somit als Meer gilt, wird sie in Holland als Binnengewässer betrachtet, weshalb, formell, der Funk auf ATIS, Kanal 10, umgeschaltet bleibt. Nachteil, DSC-(Not)rufe können nicht abgesetzt werden. Trotzdem wird aber auch der normale UKW Kanal 16 von der Küstenwache abgehört aber da man bei den Geräten kein Dual Watch ATIS, 10 /UKW, 16 programmieren kann, streiten sich die Geister, was zu tun sei. Zwei Geräte ?!

Harlingen ist ein Gezeitenhafen, weshalb wir uns einen Platz an einem Schwimmsteg suchen, man schläft ruhiger. Am darauffolgenden Tag geht’s raus auf eine der Westfriesischen Inseln. West Terschelling ist unser Ziel. Entlang dem Pollendamm, der verlockend mit einer Fahrwasserbetonnung bestückt ist. Aber Achtung, auf der Seekarte findet sich eine Note: Die „Vergnügungsboote“ sind gehalten ausserhalb des Fahrwassers zu fahren ! Zum Schluss geht’s durch ein enges Fahrwasser, dem Slenk, und man erreicht West Terschelling.

Am Dienstagmorgen wird es kurz etwas angespannt: Der Zoll gibt sich die Ehre. Dokumente werden gefordert, Ordner durchforstet aber es fehlt ein entscheidendes Dokument, der Kaufvertrag der MY ROLLING SWISS II, aus dem hervorgeht, dass der CCS genau diese Trader 42 (Schalennummer) gekauft und in der EU versteuert hat. Gut, dass der CCS ein kompetentes Generalsekretariat hat, denn wenig später, liegt das richtige Dokument, wenn auch nur per Mail, vor und nachdem auch der Diesel kontrolliert wurde, lässt uns der Zoll vom Hacken.

Hafenmanöver ohne Ende, Vorwärts, Rückwärts, Seitwärts und Tellerwenden, Yacht mit dem Dinghi abschleppen und manövrieren, Christoph zieht alle Register und lässt kaum ein Manöver oder eine Aufgabenstellung aus. Nun geht’s wieder Richtung Ijsselmeer aber nicht auf dem gleichen Weg, sondern über ein Wattenhoch, quasi einen unterirdischen Berg – und das in Holland. Die Gezeiten und Ströme sind also genau zu berechnen, denn die Kartentiefe wird mit 0.4m angegeben und man steuert eine solche Stelle besser bei auflaufender Flut an, falls man ansteht, kommt noch was. Wir nähern uns der heiklen Stelle, das Echolot ist nur noch am Piepsen und plötzlich zeigt es eine absolute Wassertiefe von 1.10m an. Haben wir nicht 1.20m Tiefgang ?! Schnell das Lot aus der Kiste gefischt und ab ins Wasser. Die Messung ergibt, 1.30m. Es reicht !

Übernachtet wird in Makkum, der hinterste Steg ist an der Kopfseite noch frei. Tags darauf folgen die Häfen Hindeloopen, Stavoren Spoorhaven und Binnenhafen, der durch eine Schleuse erreicht wird – in dem wir was kleines Essen – und die Marina Stavoren die wir alle zum Manövrieren anlaufen. Als es dunkel geworden ist, folgt eine Nachfahrt rüber nach Enkhuizen. Wind, Wellen und Regen, erleichtern das Vorhaben nicht wirklich. Fehlende Tonnen und defekte Richtfeuer auch nicht. Bei der Annäherung an die Hafeneinfahrt zeigt sich die nächste Herausforderung. Welches der etwa 15 roten Lichter, ist das der Hafeneinfahrt ? Die meisten gehören zum Navidukt bzw. der Schleuse ins Markermeer. Trotzdem erreichen wir Enkhuizen gegen 22.30h sicher.

Als kulturelles Highlight, erreichen wir am nächsten Tag Hoorn. Ein wunderschönes Städtchen, wobei auch dieses Ziel durch ausgiebige Ankermanöver hart erarbeitet werden muss. Irgendwie scheint unser Fluxgate „aus dem Ruder zu laufen“ und um 22 Uhr kommt noch der Elektriker an Bord. Er hat ein Software Update für Plotter und ST 70 dabei. CCS-üblich, wird er vorzüglich bewirtet, solche Leute müssen gerne wieder kommen. Am nächsten Tag erfolgt noch eine komplette Kalibrierung der gesamten Anlage, welche erfolgreich abgeschlossen werden kann, so wie unser Kadertörn.

Danke an Christoph, der uns an seinem enzyklopädischen, nautischen Wissen teilhaben liess.                               

Peter, Crewmitglied 08-2012-14


24.-31.03.2012 Manövertörn – and Shooting Time

„Special action“ auf dem Ijsselmeer und „Stuntszenen“ auf der Nordsee

Am Samstag, 24. März 2012 haben wir die aus dem Winterschlaf geweckte MY ROLLING SWISS II in Medemblik, Holland, bei schönstem Sonnenschein übernommen. Wir sind: Skipper Marc Pingoud, Walter, Pavel, Christoph, Martin und ich, Peter Kumli. Mit Einkaufen, einer fundierten Sicherheitseinweisung, inkl. lehrreicher Demonstration eines „Trockenstarts einer automatischen Rettungsweste“ und dem Kennenlernen des Schiffes ist der Tag sehr schnell vorbei.

Am Sonntag können wir mit der schönen, ausgezeichnet ausgerüsteten Trader 42 erste Manöver in Medemblik und Stavoren fahren. Vorsicht! Gashebel nur (kurz) einkuppeln, jeder der beiden Motoren hat 380 PS, da sind Piers, andere Schiffe und sonstige Hindernisse sonst sehr schnell sehr nahe. Am Abend legen wir in Enkhuizen an.

Für Montag bietet der Vice-Commodore Marketing, Urs Salvisberg, die MY ROLLING SWISS II, die SAILING SWISS III und die SMILING SWISS III auf, sich um 1000 Uhr auf Position 52O46′ N 005O20′ E einzufinden. Aus einem RIB heraus kommandiert er die CCS-Flotte per Funk zur Formationsfahrt. Genau als die beiden Segler unter Spinnaker, bzw. Gennaker schön parallel fahren, taucht ein Helikopter auf, die Seitentüren geöffnet. Der professionelle Fotograf Morten Strauch fotografiert seitlich aus dem Hubschrauber, was das Zeug hält! Auch der Videofilmer Heinz hält voll drauf. Die ROLLING SWISS II erhält nun von Urs die Anweisung, schön mittig zwischen den beiden Seglern durchzufahren.

Fast eine Stunde lang dauert das Fotoshooting mit immer wieder neuen Anweisungen von Urs. Es wird gewiss fantastische Bilder geben! Auch Videos werden von der ROLLING SWISS II aus gedreht, die zeitweise im Abstand von etwa 4 Metern längsseits der SMILING SWISS III und später der SAILING SWISS III fährt, damit in das Cockpit der Segler gefilmt werden kann.

Unbeteiligte Bootsfahrer in der Gegend und Personen an Land dürften sich gefragt haben, was hier wohl für ein neuer Bond-Film gedreht wird. Das AIS-Bild der MY ROLLING SWISS II dieses Vormittags spricht Bände (s. Bild).

Vom 27. bis am 29. März bewegen wir uns dann tidengesteuert in teilweise engen Fahrwassern im Wattenmeer. In Harlingen ist der Stadthafen bei unserer Ankunft bereits geschlossen. Mit Fenderbrettern und sonst gut abgefendert machen wir an einer Spundwand fest. Beim Tidenanstieg bis zum Hochwasser funktioniert alles wie geplant. Das gut gesicherte Schiff  macht die „Bergfahrt“ brav mit. Auch die „Talfahrt“ läuft reibungslos ab, am Morgen wachen wir wieder unten auf.

Am Donnerstag, 29. März, ist um 1400 Uhr ist ein Rendez-vous mit „flying focus“ in der Nordsee, bei der Ansteuerungstonne nach Den Helder, geplant. Für diesen Tag ist für das Gebiet „Deutsche Bucht“ eine Starkwindwarnung aktiv. Die Nordostseite der Insel Texel befindet sich am südwestlichen Rand dieses Gebiets. Der Skipper beschliesst, die Situation mal vor Ort anzusehen und zu beurteilen. Sie ist moderat, eine Wellenhöhe von 1,5 bis 2 Metern aus NNW und ein Wind von 4 bis 5 Beaufort aus derselben Richtung erwarten uns – das „Go“ fürs nächste Fotoshooting.

Pünktlich um 1400 Uhr erscheint „flying focus„. Es ist der Firmenname des Luftfotografen, der nun im Flugzeug im Tiefflug beim Treffpunkt erscheint – Er ist spezialisiert auf Luftaufnahmen bei Starkwind über 8 Bft über der Nordsee (Youtube). Heute also für ihn nur ein laues Lüftchen, für uns aber bereits anständige Haufen… Er gibt uns per Funk gleich die Anweisung, mit „full speed“ gegen Wind und Wellen loszudonnern…

Mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 18 kn beginnt ein wahrer „Höllenritt“. Action pur! – aber natürlich immer auf der sicheren Seite, wie es sich gehört. Die Rolling  taucht in die ankommenden Wellen ein, Gischt bedeckt den Steuerstand, für einen Augenblick sieht man nur noch Wasser, dann zieht unsere Trader 42 wieder hinaus. Immer wieder taucht das Flugzeug mit dem professionellen Schiffsfotografen auf. Es umfliegt unser Schiff in Höhen von 5 bis 20 Metern über den Wellenkämmen.

Nun kommt die Anweisung, die MY ROLLING SWISS II auch mit Rumpfgeschwindigkeit (ca. 8 kn) gegen Wind und Wellen anzusteuern. Später wird wieder „full speed“ gewünscht, weil nun noch ein paar Videosequenzen gedreht werden sollen. Am Schluss fliegt das Flugzeug eine knappe Meile voraus, teilt uns per Funk mit, dass er nun zum Abschied im Tiefflug auf Gegenkurs an unserer Steuerbordseite vorbeifliegen würde und bedankt sich für die Zusammenarbeit. Und schon braust die Cessna rund 5 Meter über den Wellenkämmen und mit der rechten Flügelspitze etwa 10 Meter von unserem Steuerstand entfernt vorbei, steigt hoch und verschwindet achteraus – Thanks to Herman: You are doing a great job!

Leicht geschüttelt steht uns heute aber auch noch die Schleusendurchfahrt bei Den Oever und die Nachtfahrt nach Medemblik bevor. Nachdem der Autoverkehr auf der Brücke gestoppt ist, teilt uns der Schleusenwärter per Funk mit, dass die Brücke wegen einer technischen Störung nicht geöffnet werden könne. Die Autos dürfen wieder fahren. Wir machen fest und warten auf weitere Neuigkeiten. Bald kommen zwei Zollbeamte für eine Routinekontrolle an Bord. Als sie feststellen, wie professionell der Umgang mit Behörden auf CCS-Schiffen abgewickelt wird, verlassen sie uns bald wieder ohne auch nur ins Schiff selbst geschaut zu haben. Eine halbe Stunde später funktioniert (zufälligerweise?) auch die Brücke wieder.

Nach der Schleusenpassage machen wir unser Schiff an der Aussenmole der Marina von Den Oever fest. Nach den köstlichen von Pavel zubereiteten Spaghetti warten wir, bis es finstere Nacht ist und fahren dann Richtung Medemblik. Anfangs durch betonntes Fahrwasser wo deutlich wird, wie schwierig es ist, nachts die Distanzen zu den befeuerten Tonnen abzuschätzen und sicher zu sein, welches Tor denn nun das nächste ist! Frühmorgens treffen wir dann sicher in Medemblik ein.

Nach der kurzen Weiterfahrt nach Enkhuizen am Mittag folgen das übliche Betanken und Reinigen des Schiffes, das Packen und das letzte gemeinsame Nachtessen. Am Samstagvormittag wird das Schiff dann von unseren Nachfolgern übernommen.

Herzlichen Dank unserem Skipper für die souveräne Betreuung beim Manövrieren und das viele neue Wissen, das er uns mitgegeben hat. Eine sehr lehr- und actionreiche Woche ist rasend schnell vorbeigegangen.

Peter Kumli, Crewmitglied 08-2012-13