Törn 2. – 7.9.2017: Göteborg

2.9.2017

Göteborg, die Perle der Westküste Schwedens, begrüsst uns bei bestem Wetter. Die kleine lebendige Grossstadt mit ihrem nordischen Charme, ist unser Ausgangshafen, für einen spannenden Nordseetörn durch die faszinierende Landschaft der schwedischen Schären. Nach Eintreffen der Crew und erstem Kennlernen sind die Aufgaben schnell verteilt. Im nahegelegenen Supermarkt sorgt die Aufgabe des Einkaufs der «ungesalzenen Butter» für heitere erste Sprachunterrichte in Schwedisch. «osaltat» heisst das Zauberwort. Velkommen in Schweden. Während sich die Crew beim Einkaufen und Einkaufswagen schieben amüsiert, sind die Skipper fleissig dabei anstehende Schiffsreparaturen zu erledigen. Kein Kabel, kein Stecker und keine lockere Schraube ist mehr sicher vor dem Einsatz der fachkundigen Skipper. Der Abend lädt ein zum Schlendern durch die Stadt, mit Abschluss eines Abendessens, welches man sich aufgrund der eher knappen Auswahl an lokalen Restaurants zuerst verdienen muss. Mit einem Soft-ice im Bauch auf dem Heimweg endet der erste Tag zu aller besten Zufriedenheit.

3.9.2017

Nach einer professionellen Sicherheitseinweisung und Zuteilung der Aufgaben legen wir gegen Mittag in Göteborg ab. Das Auslaufen aus Göteborg wird bestimmt von zahlreichen Betonnungen, eine navigatorische Herausforderung. Mit Kurs Nord fahren wir direkt in die felsige Landschaft der Schären. Eine Inselwelt erbaut aus Steinformationen in allen Farbschattierungen, bewachsen mit Buschwerk und Graslandschaften in sattem Grün. Mystisch scheint es, einzelne Häuser brechen die Einsamkeit kontrastreich am Ufer gelegen. Gegen Abend liegt die Rolling Swiss II im Hafen Skärhamn in den letzten Strahlen des goldigen Abendlichtes. Skärhamn imponiert am Ufer gelegen mit moderner in die Landschaft eingeflochtener Kunst. Die Sicht auf Skulpturen aus Holz im Meer, kunstvoll angelegte Holzstege machen den Küstenspaziergang zu einem besonders schönen Erlebnis. Nach ereignisreichem Tag schläft es sich wunderbar im ruhigen Hafen auf unserer mit allem Komfort ausgestatteten Motorlady.

4.9.2017

Nach Ablegen in Skärhamn tauchen wir in die Weite der Fjorde ein. Die See Passagen sind breit mit ruhiger See, trotz langsam zunehmender Bewölkung und Wetterverschlechterung. Inseldörfer ziehen an uns vorbei mit strahlend weissen, und typisch rot- gelbgetünchten Häusern. Unzählige charmante Terrassen und Bootsanlegestellen bestimmen die Landschaft. Zielhafen ist Ellös, ein verschlafenes Dorf ohne grosse Infrastruktur. Da sich die Einkaufsmöglichkeit nicht in Hafennähe befindet, werden nach legis arte die Einkäufe per ausgeliehenem Einkaufswagen direkt zum Schiff gefahren. Spontan startet ein Zweimann Einkaufswagenrennen durch die Strassen von Ellös. Der Chauffeuse des entgegenkommenden Buses muss sich ein äusserst amüsantes Bild erboten haben, als die Herren halbliegend in Querlage die Strassen auf den Einkaufswagen im Duett heruntergedüst sind.  Ellös scheint auf Anhieb unspektakulär. Jedoch bietet es für alle Schiffliebhaber einen verborgenen Leckerbissen. Die Hallberg-Rassy Werft. Nach dem Motto «wer nicht wagt gewinnt nicht», melden wir uns selbstbewusst an der Rezeption der Werft mit der Bitte um eine Besichtigung. Zu unserem grossen Erstaunen werden wir sehr freundlich und umgehend in die Produktionshallen geführt. Riesige Holzkonstruktionen ummanteln die Schiffsrümpfe, welche zum Innenausbau in den grossen Hallen fachmännisch ausgestattet werden. Bis ein Jahr werde benötigt zur Finalisierung, und nur gegen Auftrag und Vorbezahlung, alles Handarbeit, die Umsetzung von Sonderwünsche im Innenausbau und der Ausstattung gehören dazu.

5.9.2017

Das sommerliche Wetter hat sich definitiv verabschiedet. Grau in grau mit Wind aus Nordost eignet sich der heutige Tag für ein Crewtraining. Der Tag beginnt mit dem Üben von Hafenmanövern, das Landen am Steg, Eindampfen in die Spring. Unterwegs scheitert ein erster Versuch eines Ankermanövers aufgrund des felsigen Grundes. Der Gute Wille zählt, auch das ist eine Erfahrung wert. Mit Ziel Uddevalla, erwartet uns kommend aus einer stillen Inselwelt, ein Industriehafen einen erheblichen Szenenwechsel. Vor uns liegen Silos, ein kleiner Industriehafen zeichnet sich ab, unter strömendem Regen wirkt es nicht sehr einladend. Wenigstens hat die zentrale Lage auch ihre Vorzüge. Bei dem feuchten Wetter sind alle froh ein gemütliches Restaurant in kurzer Fussdistanz zu erreichen.

6.9.2017

Spannung liegt in der Luft. Für drei Crewmitglieder ist heute in grosser Tag. Nur noch 9 Seemeilen bis zur offiziellen 100sten Seemeile, welche für den Hochseeausweis benötigt wird. Um 1225 Uhr bei 58°16,17N / 011°49,25E schallt es aus den Lautsprechern, Neptun wird gewürdigt, drei neue Skipper sind getauft. Dank Erfindergeist sind wir auch am Nachmittag bei zunehmend schlechter Sicht sicher unterwegs. Dies liegt bedingt durch Starkregen und Feuchtigkeit an der Herausforderung die Scheiben vor ständigem Beschlagen zu bewahren. Ä la Daniel Düsentrieb wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Fön in exaktem Winkel festgezurrt und voilà die Swiss Rolling II hat eine gut improvisierte Frontscheibenheizung und der Steuermann gute Sicht. Sicher treffen wir im Hafen von Stenungsund ein.

7.9.2017

Der Hafen von Stenungsund liegt direkt am Einkaufszentrum. Das erlaubt morgens den Luxus von knusperig gebackenen Brötchen und frisch gepresstem Orangensaft zum Frühstück. Übrigens keine Selbstverständlichkeit für ein Frühstück um 0900 Uhr, da die meisten Geschäfte bis anhin erst nach 1000 Uhr ihre Tore geöffnet hatten. So langsam sind wir ein wenig vertraut mit den hier offenbar saisonalen sowie schwedischen Eigenheiten. Wein ist Mangelware, Süsses ist in allen Versionen überall kiloweise erhältlich, sehr zur Freude einiger Crewmitglieder. Restaurants mit schwedischer Gastronomie sind eine Seltenheit. Das Smörebröd würde sich eher in der heimischen Ikea finden als in unseren aktuellen Breitengraden. Die markierten Präsenzzeiten der Hafenmeister scheinen in einigen Fällen nur noch der Dekoration zu dienen. Umso mehr kommen wir auf die Kosten idyllischer Landschaften und malerischen verlassenen Dörfer. Einige hätten schon fast die Bezeichnung Ghost Town verdient. Diese Umstände sind bei der Hafenwahl auch heute eine Herausforderung. Erst nach drei angelaufenen Häfen werden wir fündig. Umso mehr werden wir belohnt mit einem bis anhin noch nicht dagewesenen Landschaftsbild. Eine majestätische Burg thront in höchster Lage direkt vor unserem Hafenplatz.

Johannes Münger


Törn 17. bis 29. Juli 2017: Dalen – Oslo

Besatzung:

Skipper 1 Florin Cadalbert, Skipper 2 Rudolf Bachmann
Crew: Max Gubler, Armin Haering, Pierre-François Sieber, Martina Wartenweiler

Wir trafen uns alle, fast alle, in Oslo, wo wir die erste Nacht im Hotel verbrachten und am nächsten Tag den Bus für die Fahrt nach Dalen nahmen. Dort stiess dann auch Max zu uns, welcher bereits schon ein paar Tage in Norwegen verbracht hatte. Die Crew war jetzt komplett und somit ging es am nächsten Tag los.

Fünf Tage verbrachten wir auf dem wunderschönen Telemarkkanal. Unsere Etappen: Von Dalen nach Kviteseid, dann nach Ulefoss, anschliessend rauf nach Notodden und schliesslich runter nach Skien. Das Wetter war uns im Grossen und Ganzen wohlgesinnt. Wir hatten Spass, die vielen Schleusen zu passieren und dabei den jungen Schleusenwärtern und –wärterinnen bei ihrem schweisstreibenden Handwerk zuzusehen. Bei Flachwasser waren wir wiederholt gefordert, die Route sicher zu meistern. Skien war dann ein Highlight: Armin bekam endlich sein Gepäck wieder und wir lernten Ove kennen (ein Kollege von Max aus früheren Zeiten) und konnten mit ihm das alte Schiff ERIK, sowie den Clubraum der Seemannsgesellschaft bestaunen.

Am Sonntag, 23.07.17 sagten wir dem Telemarkkanal Adieu. Unser erstes Ziel war Larvik. Am nächsten Tag schnupperten wir etwas am Inselchen Svenner, aber da schlechtes Wetter war, gings gleich weiter bis Tønsberg. Nun war wieder schönes Wetter angesagt und den nächsten Nachmittag und die Nacht verbrachten wir in einer schönen Bucht. Armin, Florin und Martina wagten sich sogar ins Wasser, welches überraschend angenehm warm war. Dann ging’s zurück in die Zivilisation, nach Moss. Wir legten da im Kanal, in der Nähe eines Pubs, an. Am Abend war dort ein Konzert einer einheimischen Band. Richtig rockig, richtig cool und so richtig laut!

Dann nahmen wir Kurs auf Oslo. Auf dem Weg machten wir Halt bei Oscarsborg. Nach einer schmackhaften Gemüsesuppe waren wir gestärkt für die Besichtigung der Burg, zwar bei Regen, aber deshalb nicht minder interessant und historisch lehrreich. Die kommende Nacht verbrachten wir in Leangbukta. Hier mussten wir die Dienste einer Werft für eine kleine Reparatur und vor allem zum Oelwechsel in Anspruch nehmen. Am Abend wurden wir ein weiteres Mal verwöhnt von Max’s Curry. Die letzte Etappe nach Oslo Akerbrygge war etwas rauh. Es blies ein kräftiger Wind – immerhin bei eitlem Sonnenschein. Dank der Vorankündigung beim Hafenmeister hatten wir im Hafen einen super Anlegeplatz in Poleposition, wo Florin, trotz starken Böen, souverän anlegte.

Der Törn war sehr schön und vor allem dank Kanal und Nordsee sehr vielseitig. Wir waren eine angenehme Crew, jeder und jede half überall und vor allem war der Trip sehr lehrreich! Zu viert verliessen wir am Samstag die Rolling Swiss II in Richtung Flughafen Oslo. Florin und Max blieben auf dem Schiff und absolvierten auch noch den Folgetörn.

Martina Wartenweiler

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Törn 08/2017/16 – Delfzijl – Hamburg

Nach einer langen Anreise über Amsterdam Schiphol oder Amsterdam Central und mit dem Zug via Utrecht, Groningen nach Delfzijl treffen nacheinander Fredi, Michi und der Skipper Paul im Hotel de Boegschroef am Hafen von Delfzijl ein. Am Samstagvormittag gegen 11:30 Uhr stossen Roli, Adrian und Debora, die mit dem Auto über Hamburg angereist sind, bei der Rolling Swiss II dazu. Damit ist die Crew für den Törn nach Hamburg komplett. Die Übergabe mit dem «Vorskipper» Johannes ist schnell erledigt. Ich kenne Johannes und bin sicher, dass er mir ein intaktes und gut gereinigtes Schiff übergibt.

An einem kurzen Briefing mit der Crew entscheiden wir aufgrund der Wetterlage erst am Sonntag auszulaufen. Die Crew erledigt unter Leitung des Smutje Michi den Grosseinkauf. Den Nachmittag benützen wir, um die Kabinen zu beziehen und Roli unser Skipper 2 und Bordelektriker setzt die ersten geplanten Umbau- und Reparaturarbeiten um.

Die Alternativroute via Ems-Jade-Kanal kommt infolge einer defekten Brücke nicht in Frage. Die weitere Alternative via Küstenkanal kommt wegen der Höhe der RS II von über 5 m, ohne gelegten Geräteträger, ebenso wenig in Frage. Wir entscheiden wir uns trotz der schlechten Wetterprognosen für die Route entlang der Ostfriesischen Inseln. Ein erster, von Adrian geplanter Schlag von 23 sm führt uns am Sonntag zur Insel Borkum. Wir entscheiden am nächsten Tag den 66 sm langen Schlag nach Harlesiel bei 5-6 Bft. zu wagen. Bereits bei der Ausfahrt aus der Ems in die Nordsee, muss die RS II gegen hohe Wellen, die auf den Bug auftreffen, «kämpfen». Wir vermuten, dass die spezielle Wellenlage durch die drei Faktoren Wind, Strömung und flaches Wasser entstanden sind. Drei unserer Crewmitglieder «schlagen die heftigen Bewegungen der RS II auf den Magen» und sie müssen sich in ihre Kojen zurückziehen. Nach dem Beidrehen auf einen NO Kurs im tieferen Wasser, wird das Stampfen durch Rollbewegungen abgelöst. Nach einer anspruchsvollen Fahrt durch das Wattenmeer, haben wir bei der Einfahrt nach Harlesiel aufgrund eines Fahrfehlers eine leichte Grundberührung. Wir entscheiden die RS II am nächsten Tag auf einer Slipanlage zur Kontrolle aus dem Wasser zu nehmen und wegen der schlechten Wetterprognose den nächsten Tag in Harlesiel abzuwettern. Der gemütliche Abend bei Elfi im Yachtclub von Harlesiel entschädigt uns für die Strapazen des Tages.

Die Kontrolle der RS II auf der Slipanlage ergibt, dass wir Glück gehabt und keine Schäden an den Propeller entstanden sind. Die Manövrierübungen mit der Crew im Binnenhafen von Harlesiel am nächsten Tag müssen wir infolge starker Winde abbrechen.

Wir entscheiden uns am Mittwochmorgen eine Sonderschleusung für 17 EUR zu «leisten» damit wir bereits um 07:00 Uhr mit 1 ½ Std. nach Hochwasser, anstatt um 08:00 Uhr mit 2 ½ Std. durch das Wattenmeer auslaufen zu können. Die 50 sm lange Überfahrt nach Cuxhaven findet bei beinahe schönem Wetter mit moderaten Wind- und Wellenverhältnissen statt. Wir benützen das gute Wetter und den zeitigen Start für ein Anker- und die MOB-Manöver vor Cuxhaven.

Am nächsten Tag laufen wir von Cuxhaven nach dem 46 sm entfernten Wedel vor Hamburg. Das Nachtessen nehmen wir nach längerem Spaziergang in der «Elbe 1» bei der, gemäss Roli, «schönen Bedienung» ein. Kurz vor 21:00 Uhr laufen wir wieder aus, um Hamburg mit seinen vielen «nautischen Lichtern» bei Nacht anzulaufen. Nach einer nächtlichen Hafenrundfahrt legen wir nach 19 sm um 23:00 Uhr im Cityhafen an der Elbphilharmonie an.

Den Versuch am Freitagvormittag die RS II in Hamburg aufzutanken misslingt, da die Sportboot-Tankstelle in Revision ist. Da die beiden Skipper eine weitere Woche auf der RS II bleiben, kann die Betankung aufgeschoben und der nächsten Crew übergeben werden.

Nach einem gemütlichen Nachtessen im Achterbahnrestaurant Schwerelos in Hamburg, geht ein spannender, nicht ganz einfacher aber für alle lehrreicher Törn zu Ende.

Paul Longoni


08. -15. Oktober 2016: Manövertörn von Amsterdam nach Medemblik

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Etappen: Amsterdam, Sixhaven – Muiden – Harderwijk – Urk – Lemmer – Stavoren – Enkhuizen – Medemblik

Winterlager: Die Rolling Swiss II geht in Medemblik ins Winterlager, wo sie gewartet und für die Saison 2017 wieder vorbereitet wird

Wettersituation: In der ersten Wochenhälfte hochdruckbestimmtes, mildes und sonniges Herbstwetter, ab Mitte Woche bis max. 7 Bf. Wind aus östlicher Richtung

Ziele des Manövertörns

  • Gängige Hafenmanöver kennen lernen, diese in verschiedenen Situationen (Windrichtung und -stärke, Strömung und andere Einflüsse) bewusst anwenden
  • Bei den Manövern mehr Sicherheit gewinnen
  • Alternative An- und Ablegemanöver und deren Vor- und Nachteile kennen lernen
  • Schiff richtig vertäuen und am Steg ausrichten
  • POB-Manöver fahren
  • Sicherheit erlangen bei den gängigen Manövern
  • Klare Befehlsstrukturen anwenden (Erklären der Manöver, Probleme erkennen und deren Lösungen diskutieren, Einteilen der Crew bei Manövern)

Chargen der Crewmitglieder während des Törns: Verantwortung Motor, Deck, unter Deck, Elektrisch, Bordkasse, Meteo, Küche, Kultur (Land und Leute), Blog, Tagesnavigator (im Turnus)

Lehrreiche und schöne Törnwoche im herbstlichen Holland unter einem kompetenten und freundlichen Skipper

Skipper: Ulrich; Crew: Monika, Roland, Daniel

Für den Bericht: Daniel



24. September bis 01. Oktober 2016: Von Kiel nach Delfzijl

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Route: Kiel – Lexfähre – Friedrichstadt – Helgoland – Norderney – Greetsiel – Delfzijl

Zu viert machten wir uns auf die Reise, die in Kiel begann. Bereits am Freitag waren wir angereist und hatten der Astor-Bar einen Besuch abgestattet, wo wir auf diese gemeinsame Woche mehrfach anstiessen. Ein herrliches Abendessen im Restaurant Weinstein stimmte uns auch kulinarisch auf eine tolle Woche ein.

Am Samstag übernahmen wir das Schiff, bunkerten Lebensmittel und freuten uns darüber, endlich wieder an Bord sein zu dürfen.

Die Woche war ein Mix aus Binnen und Offshore. Es galt, die Schleusen- und Brückenzeiten präsent zu haben, die Regeln der Binnenschifffahrt zu kennen, zu wissen, wie man sich im grossen NOK verhält. Alles kein Problem. Unsere Gruppe verstand sich auf Anhieb prächtig und so steuerten wir, nachdem man uns endlich nach rund zwei Stunden liess, die erste Schleuse des NOK an. Viel war los an diesem Wochenende und so kam es, dass wir dazwischen auch mal von der Schifffahrtspolizei angewiesen wurden, einen Stopp einzulegen, bis der Kanal wieder frei würde.

Dann verliessen wir den NOK und fuhren in die Eider, welche noch bis vor kurzem wegen der defekten Gieselauschleuse gesperrt war. Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht in Lexfähre hielt uns nichts mehr. Friedrichstadt erwartete uns mit sommerlichen Temperaturen, viel Sonnenschein und einem wunderschönen Bild von sehenswerten alten Häusern mit Treppengiebeln der holländischen Renaissance.

Helgoland rief uns. Das Wetter war wunderbar, die See ruhig und wir nutzten die Gunst der Stunde, um diese Insel endlich auf eigenem Kiel besuchen zu dürfen. Unterwegs absolvierten wir alle das allseits beliebte MOB-Manöver und Mr. Fender konnte mehrfach gerettet werden. Auf nach Helgoland! Die Insel erfreute uns erneut mit viel Sonne, farbigen Hummerbuden und einem traumhaft schönen Spaziergang, vorbei am Leuchtturm zur Langen Anna, einem hohen, langen Felsen. Wir begegneten zahlreichen heimischen Vögeln, zutraulichen Schafen und beendeten den Abend in der bunten Kuh, wo wir genüsslich assen und tranken. Für den nächsten Tag war etwas Wind und zwei bis zweieinhalb Meter hohe Wellen angesagt. Nichts, was wir nicht meistern könnten.

Und dann kam er, dieser Tag, der uns wohl für immer in Erinnerung bleiben wird. Wir liefen aus und setzten Kurs auf Norderney. Aus den angesagten 5-6 Beauforts wurden 7-8. Aus den 2-2,5 m Wellen wurden 4 m. Wir wurden durchgeschüttelt und teilweise auch mal von den Sitzen geschleudert. Der Steuerbordmotor fiel aus, der Autopilot streikte und die Schaps hielten nicht und die Schubladen mussten mit Menschenkraft und Bootshaken gesichert werden. Eine Luke wurde eingedrückt und wir hatten einen Wassereinbruch. Joghurts fanden den Weg ganz allein aus dem Kühlschrank. Ein Teller ging zu Bruch, alles, was nicht zuvor gründlich versorgt wurde, lag irgendwo umher. Die Kleider in den Schränken flogen mit den Kleiderbügeln auf den Schrankboden. Nein, es war keine lustige Überfahrt. Wir bezeichneten sie am Ende als geglückt, aber sehr grenzwertig. Niemand von uns würde das wieder tun. Merksatz: Traue keiner Wettervorhersage. Streck die Nase in den Wind und kehre um! Gut, das hätte bedeutet, dass unsere Reise in Helgoland zu Ende gewesen, da nun die neuen Wettervorhersagen für die beiden kommenden Tage noch viel schlechter wurden. Starkwind und hohe Wellen wurden angekündigt. Man hätte demnach als einzige Alternative für unsere und die Nachfolgecrew Flüge stornieren und neu buchen müssen. Aber es wäre der sichere, risikofreie Weg gewesen. Wir sind alle mehr oder weniger heil angekommen. Und das ist die Hauptsache. Und gelernt haben wir dabei so einiges. Aber erleben wollen wir das nie wieder!

Der nächste Tag sollte ruhiger werden, da wir uns im Schutz der ostfriesischen Inseln befanden. Noch immer gab es über 6 Beauforts, aber die Wellen waren auf lächerliche 1,5 m zusammengesackt. So machte Seefahrt wieder Freude. Wir lernten an diesem Tag, dass der Plotter uns garantiert trockengelegt hätte. Da wo wir fuhren, war eigentlich alles grün. Aber eben goldrichtig, denn hier hatte man sich draussen an den stets neu gelegten Tonnen zu orientieren und gefälligst genau in diesem Fahrwasser zu bleiben. Ein eindrückliches Erlebnis. Genauso wie dieses, dass die Schreiberin die Todsünde aller Sünden beging und das Logbuch über Bord gehen liess. Schande über mich! Merksatz: Besser das Logbuch wird auf dem Navigatorentisch durch und durch nass, als durch das Versenken im Meer…

Greetsiel empfing uns dann mit sehr viel Regen, sodass wir den Rest des Tages lieber im warmen Salon verbrachten. Raus gingen wir erst wieder zum Essen. Eigentlich schade, denn das kleine Städtchen ist wunderschön und sehr sehenswert.

Die letzte Fahrt nach Delfzijl erwies sich als schöner Abschluss, bei dem sich auch die Sonne wieder blicken liess. Und mit der neuen Gastlandflagge (nein, wir nahmen nicht die Russische!) hatten wir dann ja doch noch ein zweites Land besucht. Schön war’s.

Skipper Peter, Hanspeter; Crew: Thomas, Ursula

Für den Bericht: Ursula, 6. Oktober 2016


17. bis 24. September 2016: Von Kopenhagen nach Kiel

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Bitte beim nächsten Mal die Türen nicht selber öffnen!“ Mit diesen Worten hat uns der Taxifahrer ‪am Samstag morgen nach unserem Törn am Flughafen Hamburg verabschiedet. Wir liessen uns unsere gute Laune dadurch nicht vermiesen, checkten unser Gepäck ein und machten uns auf zu den Landungstegen. Nach einer Hafenrundfahrt durch die Speicherstadt trennten sich unsere Wege.

Wie fing alles an?

Unsere gemeinsame Reise von Kopenhagen nach Kiel begann eine Woche früher. Nach der Übernahme der Rolling Swiss II von der Vorcrew bunkerten wir die Lebensmittel für die nächsten Tage ein. Nach der Sicherheitsanweisung ging es dann auch schon los. Unser Liegeplatz war sehr begehrt, er wurde sofort wieder belegt von einer grossen Yacht, die mittels Fernbedienung von Deck aus gesteuert wurde. Auf unserem kurzen Schlag vom Nyhavn nach Dragör machten wir uns mit der Steuerung und dem Fahrverhalten der RS II vertraut. In Dragör fanden wir am Liegeplatz Moorings vor, eine tolle Gelegenheit bei kräftigem Seitenwind an- und am nächsten Morgen wieder abzulegen. Unterwegs nach Rodvig übten wir das MOB-Manöver und haben im dortigen Hafen unsere An- und Ablegemanöver verbessert.

Nachdem wir die RS II in Verdrängerfahrt beherrschten, wollten wir uns alle von der Kraft der beiden Antriebsmaschinen überzeugen. Mit nahezu 20 Knoten hat jedes Crewmitglied für kurze Zeit die RS II Richtung Klintholm gesteuert. Am nächsten Tag überraschte uns der Skipper mit einer „Sondermeldung des Hafenamts“. Das GPS-Signal war gestört, ausgerüstet mit Seekarte und Fernglas steuerte unser Navigator die RS II sicher durch die betonnten Fahrstrassen. Eine sehr lehrreiche Übung einmal ohne den GPS-Plotter zu navigieren. Sicher im Hafen Kragenaes angekommen unternahm ein Teil der Crew noch eine Hafenrundfahrt mit dem Dingi. Über Bagenkop ging es dann nach Laboe, der vorletzten Station unseres Törns. Unterwegs übten die Radarpraxisanwärter die Navigation mittels Radar und Karte.

Bei einem feinen Abendessen an Bord liessen wir den Törn Revue passieren. In Kiel, unserem Ziel- und Übergabehafen, fand zeitgleich ein Hafenfest statt. Wir erhielten die Gelegenheit einer Privatführung durch ein grosses Lotsenboot, welches normalerweise als Lotsenhotel in der Wesermündung unterwegs ist.

Nach der Übergabe der RS II an die Nachfolgecrew warteten einige von uns auf das bestellte Taxi nach Hamburg. Es kam mit 30 minütiger Verspätung und zu unserer grossen Verwunderung stieg der Beifahrer aus und verabschiedete sich mit den Worten „Ihr Taxi!“ Schnell wurde uns klar, dass der Taxifahrer geringe Deutschkenntnisse mit ebenso geringen Ortskenntnissen kombinierte. Dennoch erreichten wir den Flughafen Hamburg, der Rest der Geschichte ist bekannt.

Skipper: Ueli, Guido; Crew: Pia, Peter, Claude, Matthias




20. August – 03. September 2016: Norrköping – Göteborg – Durch den Götakanal

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„Am Vorabend der Schiffsübernahme haben wir im Hotel einen Taxi für die Anreise zum Hafen der Rolling Swiss II bestellen lassen, nämlich ein grosser Van für 4 Personen mit viel Gepäck, denn unser Törn wird ja eine 2-Wöchige Reise.

Als wir am Folgetag in der Lobby auftauchten teilte uns der Concierge freundlich mit, dass das Taxi uns draussen bereits erwartet. Kaum auf der Strasse angekommen glaubten wir unseren Augen nicht. Das Elektrotaxi mit einem Kofferraumvolumen eines Seesackes stellte unser Taxifahrer echt vor eine unüberwindbare Herausforderung.

Nach vorgängig ausgewechseltem Taxifahrzeug kamen wir alsdann, zwar mit einer Verspätung von rd. 10 Minuten, aber glücklich am Hafen an – endlich wieder auf der RS II zu sein.

Nach unserer obligaten ausführlichen Sicherheitseinweisung nahmen wir schnell Kurs nach Arkösund auf. Die dabei einmalig erlebten Eindrücke haben wir in den oben stehenden Bildern zusammengefasst und denken immer wieder gerne an dieses unvergessliche Erlebnis unter Freunden zurück.“

Skipper Ruedi mit Crew Andreas, Markus und Jacqueline